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Themenbereich: Grundfragen des Lebens

Thema: gut und böse

Beitrag 2: Essen vom Baum der Erkenntnis (Bodo Fiebig 2017-11)

Es muss einmal in der Menschheitsgeschichte (ganz unabhängig davon, ob man die biblischen Texte für gegenwartsrelevante Aussagen hält oder nicht) es muss einmal diesen Augenblick gegeben haben, wo zum ersten Male ein Mensch oder eine menschliche Gemeinschaft wahrnahm, dass ein Handeln „gut“ oder „böse“ sein kann, sonst gäbe es ja eine solche Einsicht bis heute nicht. Eine ungeheuerliche, alles verändernde „Erkenntnis“! Und Gott selbst war es, der diese Erkenntnis hatte wachsen lassen (1. Mose 2, 9: Und Gott der Herr ließ Aufwachsen auf der Erde (…) den Baum der Erkenntnis des Guten und Bösen.). Der Mensch sollte nun nicht mehr willenlos seinen Trieben und Bedürfnissen ausgeliefert sein. Er sollte lernen, zwischen verschiedenen Handlungsmöglichkeiten abzuwägen und sein Tun ethisch zu verantworten. Er sollte lernen, zwischen Gut und Böse zu unterscheiden und sich für das Gute und gegen das Böse zu entscheiden. Auf diese Weise sollte das menschliche Miteinander auf eine ganz andere Ebene gehoben werden, als die instinktgebundene Rudelordnung der Tiere. Und das soll dazu dienen, dass der Mensch in der Lage sein kann, seiner Berufung gerecht zu werden.

Der Mensch ist dazu geschaffen, ein „Bild“ zu sein, an dem die ganze Schöpfung wahrnehmen kann, wie Gott seinem Wesen nach ist (nicht wie er aussieht). 1. Mose 1, 27: Und Gott schuf den Menschen in seinem Bild, im Bilde Gottes schuf er sie. Sinn und Aufgabe des Menschseins ist die Darstellung des Wesens Gottes in der geschaffenen Welt. Gott aber ist die Liebe, die Liebe als Vollzug des Guten. Wenn man die Menschen anschaut, wie sie miteinander leben und wie sie dabei miteinander umgehen und wie sie einander Gutes tun, dann soll man eine erste leise Ahnung bekommen: „So ist Gott”. Das ist unsere Aufgabe, unsere „Schöpfungs-Berufung”; dazu sind wir da. Bis zur Darstellung Gottes im Menschsein war zwar noch ein weiter Weg zurückzulegen, jetzt aber war mit der Entwicklung einer Genealogie der Werte, symbolisiert im „Baum der Erkenntnis von Gut und Böse“, ein entscheidender Schritt auf diesem Weg getan (siehe den Beitrag 1 „Die Realität“).

So weit scheint alles klar und überschaubar. Aber dann kommt in der Bibel die Erzählung vom sogenannten „Sündenfall“ und damit kommt alles durcheinander, denn hier sagt Gott, dass die Menschen vom Baum der Erkenntnis von Gut und Böse eben nicht essen sollen; ein Verbot, dass mit einer Androhung der Todesstrafe unterstrichen wird! Warum? Warum mitten in der Freiheit des Paradiesgartens ein solches Verbot? Ein im ursprünglichen Sinne des Wortes „frag-würdiges“ Geschehen.

1 Ein frag-würdiges Geschehen.

1. Mose 2, 16+17: Und es gebot JaHWeH, Gott, dem Adam, sprechend: Von allen Bäumen des Gartens magst du zur Speise essen. Aber von Baum der Erkenntnis des Guten und Bösen, nicht wirst du essen von ihm, denn am Tage, da du von ihm isst, zum Tode wirst du sterben.

Bis zu dem hier angesprochenen Vorgang war in der Bibel nie von etwas Bösem die Rede, auch nicht beim „Tohuwabohu“ des Anfangs, das wird ganz wertneutral als „Chaos und Leere“, im Sinne eines vorübergehenden Zustands in der Entwicklung des noch jungen Planeten Erde beschrieben. Aber jetzt ist etwas im Blickfeld, das ist nicht nur chaotisch, nicht einfach noch ungeordnet im Prozess des Entstehens, sondern „böse“, also „schuldhaft ungut“. Und es ist die Rede davon, dass dieses „Böse“ negative Folgen hat, für den, der es tut, ...denn am Tage, da du von ihm isst, zum Tode wirst du sterben!

Das ist nun wirklich überraschend und im eigentlichen Sinne des Wortes „frag-würdig“: Warum dürfen die Menschen im Garten Eden die Früchte vom Baum der Erkenntnis des Guten und Bösen nicht essen? Was soll an einer Frucht so Verbotenes sein, dass ihr Genuss mit dem Tode bestraft werden müsste? Das kann doch nichts Schlechtes sein, wenn man erkennt, was gut und böse ist!

Ja, Gott selbst hatte doch diesen „Baum“ gepflanzt, hatte die „Genealogie der Werte“ wachsen lassen. Er will doch, dass die Menschen wissen, was gut und böse ist. Wozu hätte er denn sonst später Gebote gegeben? Und Gott will auch, dass es eindeutig und klar ist, was in seinen Augen gut und böse ist. Jes 5,20: Weh denen, die Böses gut und Gutes böse nennen, die aus Finsternis Licht und aus Licht Finsternis machen, die aus sauer süß und aus süß sauer machen! Es gibt kaum etwas, was das Zusammenleben von Menschen gründlicher zerstören und nachhaltiger verwüsten kann als eine Gesellschaftsordnung, die nicht mehr eindeutig unterscheidet und klärt, was gut und was böse ist. Das ist ja noch gar nicht so lange her, dass man z. B. in Deutschland Gut und Böse bewusst durcheinander brachte und den Völkermord an den Juden in Europa unter dem so sympathisch klingenden Begriff „Endlösung“ zur guten Tat erklärte, und wir kennen die furchtbaren Folgen.

Warum also das Verbot, vom Baum der Erkenntnis von Gut und Böse zu essen und warum mitten im Paradies ein Verbot, das mit einer Strafandrohung belegt ist? War es wirklich nötig, den Gehorsam der Menschen so auf die Probe zu stellen? Wer so fragt, hat die Dramatik dieses Vorgangs nicht verstanden. Es ging um viel mehr als um eine Probe des Gehorsams. Wir wollen versuchen, uns die Zusammenhänge vor Augen zu führen, die hinter den knappen Worten des biblischen Berichts stehen und müssen uns dabei bewusst bleiben, dass wir über vorsichtige Annäherungen nicht hinauskommen.

2 Die Früchte des Menschseins

Zunächst: Es geht beim Verbot, vom Baum der Erkenntnis von Gut und Böse zu essen, keineswegs darum, die Erkenntnis selbst zu verbieten. Es geht hier überhaupt nicht um Wissen und Erkenntnis im wissenschaftlichen Sinn; das ist hier gar nicht im Blickfeld. Der Mensch kann, darf und soll sich Wissen und Erkenntnis aneignen über die Welt, in der er lebt. Nirgendwo in der Bibel wird das in Frage gestellt. Naturwissenschaft und biblischer Glaube sind ganz gewiss keine Gegensätze.

Das hebräische Wort da'at, das hier für „Erkenntnis“ steht, hat den Bedeutungsgehalt von „Wissen, Einsicht, Unterscheidungsfähigkeit“. Es geht hier also um die Fähigkeit, zu wissen, was (nach dem Willen seines Schöpfers) gut und böse ist und zwischen beiden zu unterscheiden. Die Ein-Sicht, dass menschliches Handeln gut oder böse sein kann, ist eben keine naturwissenschaftliche Erkenntnis! Hier begegnet uns zum ersten Mal in der Bibel eine ethische Fragestellung und die ist mit naturwissenschaftlichem Forschen und Wissen nicht zu beantworten.

Gott hatte zunächst eine Natur geschaffen, in der das Leben auf der Erde sich entwickeln und entfalten konnte, voller Dynamik, Vielfalt und Schönheit, aber ethisch blind. Dann aber ließ Gott, in jahrtausendelangen Entwicklungen in verschiedenen Kulturen der Menschheit, den „Baum der Erkenntnis von Gut und Böse“ wachsen. Es entstanden Regeln des Zusammenlebens, die das Miteinander in einer bestimmten Gruppe von Menschen auf der Grundlage von ethischen Entscheidungen ordnen sollten. Und daraus sollte sich schließlich eine Lebensordnung des Menschseins entwickeln, in der das Gute zur Grundlage allen Gemeinschaftslebens in der ganzen Menschheitsfamilie wird.

Aus der Adamah des Menschengeschlechts, aus dem Nährboden der menschlichen Geschichte und Kultur kann aber aus eigenem Antrieb auch beim besten Willen nur ein Baum der Erkenntnis von Gut und Böse hervorwachsen, dessen „Früchte“, dessen Ideen und Grundsätze vom individuellen und kollektiven Vorteil bestimmt sind. In der Natur gelten die Regeln vom „Kampf ums Dasein“, vom „fressen und gefressen werden” und in den menschlichen Gemeinschaften von Natur aus auch: Gut ist, was mir nützt, was mich voranbringt, was mir Vorteile verschafft gegenüber den anderen, und gut ist, was uns als Gruppe (Familie, als Lebens- und Arbeitsgemeinschaft, Partei, Volk, Religionsgemeinschaft …) stark macht gegenüber den anderen, was uns einen Vorsprung verschafft gegenüber unseren Konkurrenten, Gegnern und Feinden – das gilt heute wie vor Jahrtausenden. Wenn man sagt, wie es die Nazis im „Dritten Reich” sagten: „Gut ist, was dem Volke (also uns!) nützt” (und dann müssen eben die „Fremden” als „Volks-Feinde“ vertrieben oder ausgerottet werden), dann hat man von diesem Baum geraubt und gegessen. Die Früchte, die natürlicherweise an diesem Baum wachsen sind vom individuellen und kollektiven Egoismus erfüllt, sind schädlich, sind giftig, sind für ein Miteinander der Menschen in Frieden und Eintracht tödlich wie der Biss einer Schlange. Von dieser menschlich-allzumenschlichen Erkenntnis von Gut und Böse soll der Mensch nicht essen, denn von ihr kommen Habgier, Machtstreben, Konkurrenz, Feindschaft, Kampf und Tod.

Allerdings: Ohne die Erkenntnis von gut und böse ist ein friedliches Miteinander und Füreinander der Menschen auch nicht möglich. Deshalb will Gott, dass am Baum der Erkenntnis neue Früchte wachsen. Er hat den Baum der Erkenntnis von Gut und Böse nicht als der Baum der Versuchung gepflanzt, sondern als Baum des Friedens. Denn wenn jeder erkennt, was (nach dem Willen Gottes) gut ist und was böse ist und jeder (so gut man es eben vermag, aber echt und ehrlich) versucht, das Gute zu tun und das Böse zu meiden, dann ist Frieden. Der Sündenfall geschieht dann, wenn man vom Baum der Erkenntnis „isst”, d. h. wenn man erkennt, was gut und was böse ist und dann diese Erkenntnis für sich „vereinnahmt”, wenn man, was „gut” oder „böse” ist, daran misst, ob es meine Bedürfnisse befriedigt, ob es mich „satt” macht, ob es mich stark macht und mir Vorteile verschafft. Ähnlich ist es auch beim „Baum des Lebens”: Vom Baum des Lebens zu „essen” (also seine Früchte für mich zu vereinnahmen), würde bedeuten, den Wert des Lebens (des anderen!) daran zu messen, was sein Leben für mich „bringt”, ob es meinen Lebens-Hunger stillt, ob es für mich Gewinn bringt, und wenn nicht, dann ist mir sein Leben nichts wert. Das aber würde nicht nur den Frieden stören, sondern das Leben selbst in Frage stellen. Deshalb verwehrt Gott den Zugriff auf den Baum des Lebens und weist die Menschen aus dem Garten Eden (1. Mose 3, 22-24).

Gott selbst hat den Baum der Erkenntnis von Gut und Böse in die Adamah des Menschseins gepflanzt. Aber er will, dass an diesem Baum Früchte wachsen, die nicht den individuellen und kollektiven Egoismus nähren, sondern die eine Liebe stärken, die alle zwischenmenschlichen Grenzziehungen überschreitet. Dazu gibt er später die Gebote, die dem Menschsein und allem menschlichen Miteinander gut tun sollen: Du sollst deinen Vater und deine Mutter ehren, du sollst nicht töten, du sollst nicht ehebrechen, du sollst nicht stehlen, du sollst nicht falsch Zeugnis reden wider deinen Nächsten, du sollst nicht begehren deines Nächsten Haus, du sollst nicht begehren deines Nächsten Frau, Knecht, Magd, Rind, Esel noch alles, was dein Nächster hat. Oder: Du sollst deinen Nächsten lieben wie dich selbst. Ohne diese von Gott gegebenen Früchte vom Baum der Erkenntnis kann das Miteinander der Menschen nicht im Guten und im Frieden gelingen. Voraussetzung dafür ist aber die Liebe Gottes, mit der er alle Menschen liebt, und erst als Antwort darauf die Liebe des Menschen, mit der er Gott liebt „von ganzem Herzen, von ganzer Seele und mit all seiner Kraft“ (5. Mose 6,5)

Jede wissenschaftliche Erkenntnis ist den Menschen von sich aus zugänglich; nur wenn es um die Erkenntnis von Gut und Böse geht, darf der Mensch nicht selbst aus seinen eigenen Wünschen und Antrieben urteilen, sondern muss den Geboten Gottes folgen, damit nicht der Egoismus, sondern die Liebe Gottes den Grundton des Gemeinschaftslebens anstimmt. Denn die Früchte, die der Egoismus am Baum der Erkenntnis wachsen lässt, sind auch heute noch giftig und tödlich. Schon der nächste Abschnitt in der Bibel beschreibt den Brudermord Kains an Abel.

Ja, die Menschheit als Ganzes und jeder Mensch und jede menschliche Gemeinschaft brauchen heute wie damals eine neue Erkenntnis von Gut und Böse. Nur eine Erkenntnis von Gut und Böse, die in der Liebe Gottes begründet ist und – als Antwort darauf – in der Liebe der Menschen zu Gott und zu seinen Mitmenschen, nur eine solche Erkenntnis macht wirklich klug. Voraussetzung dafür ist aber, dass wir Menschen immer wieder diejenigen Zweige am Baum der Erkenntnis, die unser Egoismus dort wachsen lassen will, beschneiden und dass wir nur die Früchte der Erkenntnis von Gut und Böse, die Regeln, Ordnungen und Gebote für uns nehmen und genießen, die die Liebe Gottes für uns dort wachsen lässt.

3 Die Versuchung

Achten wir auf das, was unter dem „Baum der Erkenntnis“ geschieht (1.Mose 3,6): Da sah die Frau, dass gut war der Baum zur Speise, und dass er Lust war für die Augen, und begehrenswert der Baum zum Klug-Werden und sie nahm von seiner Frucht und sie aß. Und sie gab auch ihrem Mann bei ihr, und er aß.

Da sah die Frau …“ (beachten wir: hier geht es keineswegs um eine Schuldzuschreibung an Eva damals oder gar an alle Frauen heute, sondern um ein Menschheitsproblem, das Männer und Frauen gleichermaßen betrifft.) Eva schaute sich den „Baum der Erkenntnis von Gut und Böse” an und sah dessen in den Jahrtausenden der Menschheitsgeschichte gewachsenen Früchte und sie „erkannte” dreierlei:

a) Sie waren „gut zur Speise“, d. h. die Erkenntnis von Gut und Böse erschien ihr gut für die Befriedigung ihrer Bedürfnisse. Das ist unsere erste „natürliche” Reaktion: Die Regeln des Zusammenlebens zu betrachten, ob sie auch vorteilhaft sind für mich und ob sie meine Position in der Gemeinschaft stärken. Diese Haltung bedeutet aber, dass man die ethischen Entscheidungen (also die Regeln von gut und böse) nun von der jeweiligen eigenen körperlichen oder seelischen Befindlichkeit abhängig macht: Was gut und was böse ist, entscheidet sich dann an meinem persönlichen Ergehen. Wenn ich selbst Hunger habe, muss ich mit den noch Hungrigeren nicht teilen; wenn meine eigene Position gefährdet ist, ist es erlaubt, die Ellenbogen zu gebrauchen; jeder ist sich selbst der Nächste ...

b) Die Erkenntnis von Gut und Böse wird hier zur „Lust für die Augen“. Die Betrachtung von Ethik und Moral, von Recht und Gerechtigkeit wird zur Welt-Anschauung, zur Ideologie, die die gewaltsame Durchsetzung der eigenen Interessen zur guten Tat erklärt. Auf intellektuell höchstem Niveau werden die Welt und die menschliche Geschichte betrachtet und das Ergebnis dieser „Welt-Anschauung“ heißt: Wir sind die Guten und die anderen sind die Bösen, deshalb haben wir das Recht sie zu bekämpfen, notfalls auch auszurotten. Das Zwanzigste Jahrhundert war das Jahrhundert solcher egoistischen „gut-und-böse-Ideologien”: Wir sind die edle Herrenrasse, die Guten und Tüchtigen, deshalb steht uns die Weltherrschaft zu (Nationalismus). Oder: wir sind die Arbeiterklasse, der allein die Zukunft gehört. Wir sind die Guten und deshalb müssen wir die Bösen, die Kapitalisten und Ausbeuter bekämpfen und ausschalten (Kommunismus).

c) Die Frucht vom Baum der Erkenntnis erschien Eva „begehrenswert zum Klug-Werden“. Klug werden ist ja gewiss nichts Schlechtes, vielen wäre es sehr zu wünschen. Wer aber das Klugwerden „begehrt“, als Selbstbestätigung und Selbsterhöhung, als Starthilfe beim Rennen um die besten Plätze, als geistige Waffe im Gefecht um Gewinn und Besitz, als Selektionsvorteil im „Kampf ums Dasein“, der ist dabei, vom Baum der Erkenntnis von Gut und Böse die Früchte der Selbstbehauptung zu pflücken und zu essen, und die ethische Unterscheidungsfähigkeit, die Gott um der Liebe willen gegeben hat, zu missbrauchen, um den Hunger des Egoismus zu stillen. Dazu aber war dieser Baum nicht da, dazu hatte Gott die Erkenntnis von Gut und Böse nicht wachsen lassen.

Wie kam das Böse in die Welt? Als unvermeidlich vorhandene Kehrseite des Guten. Wer erkennt, dass es das Gute gibt, muss damit leben, dass das Böse als Möglichkeit und Verlockung immer auch gegenwärtig ist. Die Natur existiert und lebt und hat selbst in ihren grausamsten Überlebenskämpfen keine Vorstellung davon, dass etwas gut oder böse sein könnte. Nur der Mensch hat die Möglichkeit zwischen gut und böse zu unterscheiden und sich für das Gute und gegen das Böse zu entscheiden. Der Mensch soll erkennen, was gut und böse ist, was nicht nur dem eigenen Überleben, dem eigenen Vorteil, dem eigenen Machtgewinn und der eigenen Befriedigung und Bereicherung dient, sondern auch dem Leben des Nachbarn und dem Zusammenleben der Gemeinschaft, und er soll das Gute tun und das Böse meiden.

Das in der Bibel mit „gut“ Gemeinte ist das Gegenmodell zum Grundprinzip der gängigen Evolutions-Theorien, wo der Stärkere, Geschicktere, Anpassungsfähigere (bzw. die stärkere, geschicktere, anpassungsfähigere Gemeinschaft) sich gegen die Schwächeren durchsetzt und die Unterlegenen im „Kampf ums Dasein“ durch natürliche „Selektion“ ausgemerzt werden. „Gut“ im Sinne der Bibel ist es, wenn der Stärkere sich des Schwächeren annimmt und ihm zum Leben hilft, denn so handelt Gott.

Das in der Bibel mit „gut“ Gemeinte ist auch das Gegenmodell zum Grundprinzip der gängigen Gesellschafts-Theorien, wo Einzelne sich miteinander verbünden, um gemeinsam, als „Partei“, die eigenen Interessen besser gegen „die andern“ durchsetzen zu können. „Gut“ im Sinne der Bibel ist es, wenn sich Menschen miteinander verbünden, um gemeinsam, als Dienerorganismus im Ganzen der Menschheitsfamilie, den Hunger der Bedürftigen zu stillen, den Lebensraum der Schwachen zu sichern, das Recht der Benachteiligten durchzusetzen ..., denn das entspricht dem Lebensprinzip der vollendeten Schöpfung im Reich Gottes.

Es geht bei der biblischen Geschichte vom Garten Eden nicht um die wehmütig-sehnsüchtige Beschreibung eines verlorenen paradiesischen Urzustands, märchenhaft schön, aber unerreichbar für die Generationen nach dem „Sündenfall“, sondern um die Frage, wie das Gute und das Böse erkannt werden können, und wie im Zusammenleben der Menschen das Gute gestärkt und das Böse überwunden werden kann, damals wie heute. Deshalb muss im nächsten Beitrag „Der dunkle Schatten“ von der Verdunkelung unseres Lebens durch das Böse die Rede sein. Wir müssen, wenn wir dem Guten im Miteinander der Menschen eine Chance geben wollen, das Böse als Böses erkennen und beim Namen nennen.

Das Thema gut und böse enthält die folgenden Beiträge (der jeweils gewählte Beitrag ist gelb markiert).

1 Die Realität

2 Essen vom Baum der Erkenntnis

3 Der dunkle Schatten

4 Die Erneuerung des Menschseins

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Weiterführende Beiträge aus anderen Themengruppen:

Schöpfungsglaube und modernes Weltbild

Adam, wer bist du?

Die Frage nach dem Sinn

Sein und sollen

Schuld und Vergebung

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Bodo Fiebig Essen vom Baum der Erkenntnis“, Version 2017-11

© 2011, herausgegeben im Selbstverlag, alle Rechte sind beim Verfasser.

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