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Themenbereich: Grundfragen des Lebens

Thema: Leben und Tod Bodo Fiebig, Version 2017-11

Leben und Tod, dies ist ein Thema, das gewiss jeden angeht. Jeder (oder fast jeder) will leben und jeder geht unaufhaltsam seinem Tode entgegen. Ob wir es akzeptieren oder verdrängen: Es gibt in unserem Leben nichts Gewisseres als den Tod.

Das Leben ist ständig in Lebensgefahr. Es ist ja nicht verwunderlich, dass in einem so komplexen Gesamtsystem, wie ihn ein lebender Organismus darstellt, mit so vielfältigen Abläufen, die alle aufeinander abgestimmt und miteinander verknüpft sein müssen, gelegentlich Störungen auftreten. Wir nehmen solche Störungen wahr als Unwohlsein oder Krankheit, die vorübergehen. Solche Störungen können aber auch so schwerwiegend sein oder so viele Organe gleichzeitig betreffen, dass es schließlich zu einem Zusammenbruch des Funktionszusammenhangs der Organe im Gesamtorganismus eines Individuums kommt. Ein Lebewesen stirbt. Aber ist damit ist wirklich „alles aus“, wie man landläufig sagt?

Materialistisch eingestellte Menschen fragen gläubige Menschen manchmal, wie denn ein individuelles Weiterleben nach dem Tode möglich sein soll, wenn doch der Körper im Grabe vollständig zerfällt und auch das Gehirn, als Träger aller geistigen Vollzüge und aller Erinnerungen, sich vollständig auflöst. „Was soll denn dann übrig bleiben von mir als Person?”

Aber ist das Leben eines Menschen wirklich nur ein materiell-biologischer Vorgang und der Tod nur dessen Ende, wo die biologischen Abläufe, die ein Individuum am Leben erhalten, zum Stillstand kommen? Ist der Tod vielleicht doch mehr als das Ende eines biologischen Funktionszusammenhangs, weil das Leben (und vor allem das Leben eines Menschen) mehr ist als nur ein biologischer Mechanismus? Ist der Tod nicht nur das Ende, sondern auch der Anfang von etwas? Solche Fragen beschäftigen uns oft über lange Zeit nur am Rande, bis der Tod eines uns nahestehenden Menschen sie uns von Neuem persönlich, eindringlich und unausweichlich stellt. Das vorliegende Themenheft versucht, diesen Fragen ein Stück weit nachzugehen.

Im Lukasevangelium (Kapitel 7, Verse 11-16) wird uns von einer ungewöhnlichen und sehr eindrücklichen Begebenheit berichtet:

Und es begab sich danach, dass er (Jesus) in eine Stadt mit Namen Nain ging; und seine Jünger gingen mit ihm und eine große Menge. Als er aber nahe an das Stadttor kam, siehe, da trug man einen Toten heraus, der der einzige Sohn seiner Mutter war, und sie war eine Witwe; und eine große Menge aus der Stadt ging mit ihr. Und als sie der Herr sah, jammerte sie ihn, und er sprach zu ihr: Weine nicht! Und trat hinzu und berührte den Sarg, und die Träger blieben stehen. Und er sprach: Jüngling, ich sage dir, steh auf!

Man muss sich diese Szene einmal vorstellen: Da heißt es zunächst (Vers 11): Und es begab sich danach, dass er (Jesus) in eine Stadt mit Namen Nain ging (oder gerade hineingehen wollte); und seine Jünger gingen mit ihm und eine große Menge. Wir sehen: Da waren allerhand Leute unterwegs. Und dann (Vers 12): Als er aber nahe an das Stadttor kam (es war also eine Stadt mit einer Stadtmauer drum herum und einem Stadttor), siehe, da trug man einen Toten heraus, der der einzige Sohn seiner Mutter war, und sie war eine Witwe; und eine große Menge aus der Stadt ging mit ihr.

Die Szene wirkt wie eine filmreife Inszenierung: Da will gerade eine große Menge in die Stadt hinein und in diesem Augenblick kommt eine ebenso große Menge und will aus der Stadt heraus, und an dem Nadelöhr am Stadttor begegnen sich diese beiden Menschenmengen. Der eine Zug, der in die Stadt hinein will, ist fröhlich und laut und bunt durcheinander, der andere, der hinaus will, geht gemessenen Schrittes, immer zwei und zwei, hinter den Trägern mit dem Toten her, still, nur unterdrücktes Weinen und Klagelaute sind zu hören. Und am Stadttor begegnen sie sich: Begegnung zwischen Leben und Tod.

Und da gehört es sich ja doch wohl, dass die, die hinein wollen, die Lauten und Bunten, dass die jetzt auch still sind und zur Seite treten und den Trauerzug vorbeilassen. Das ist ja wohl das Mindeste. Der Tod hat Vorfahrt. Und die Trauer, und das Mitgefühl mit dieser armen Frau. Die hat eben ihren einzigen Sohn verloren. Und nicht nur das, sie ist Witwe, das heißt, sie hat niemand mehr. Niemanden, der sich um sie kümmert, niemanden, der sie versorgt. Sie wird betteln gehen müssen, es gibt ja noch keine Witwenrente und noch nicht mal Hartz IV!

Und tatsächlich: Die Lauten werden leise, schweigend treten sie zur Seite. Den Tod kann man nicht aufhalten. Da kann man nur zur Seite treten und froh sein, dass es einen anderen getroffen hat. Da kann man noch so fröhlich und laut sein, oder so reich und mächtig, so intelligent und gebildet, so bekannt und berühmt, den Tod kann keiner aufhalten, dem müssen sich alle unterordnen.

Alle, bis auf einen.

Einer tritt nicht still zur Seite, als der Tod kommt. Aber was macht der da? Der geht auf die Träger zu, berührt die Bahre, auf der der Tote liegt. Was will der da? Will er die Totenruhe stören? Die Menschen, die in die Stadt hineindrängen, sind ebenso entsetzt, wie die Menschen im Trauerzug, die aus der Stadt herauskommen.

Jesus spricht den Toten an: Jüngling, ich sage dir, steh auf! Aber das geht doch nicht. Das geht aus zweierlei Gründen nicht. Erstens gehört sich so etwas nicht. Man unterbricht nicht die feierliche Stille angesichts des Todes. Und zweitens kann man einen Toten nicht ansprechen. Ein Toter ist tot, aus vorbei, da geht nichts mehr. Oder will der da ein Prophet sein wie Elia? Von Elia erzählt man ja, dass er einen Knaben, auch das einzige Kind einer Witwe, wieder ins Leben zurückgeholt hat. Aber der war eben erst gestorben, war sozusagen noch auf der Grenze zwischen Leben und Tod. Aber bei dem Toten hier ist das anders, der ist schon unterwegs zum Grab, der ist schon richtig tot, da hilft auch kein Elia mehr.

Hier, am Stadttor von Nain, begegnen sich Leben und Tod. Es sind zwei Menschenwege, die da zusammentreffen. Es sind zwei Wege, die in jedem Menschenleben zusammentreffen. Jeder Mensch geht von der ersten Minute seines Lebens an unaufhaltsam und unausweichlich seinem Tode entgegen. Wir alle, jung und alt, ohne Ausnahme, sind, wie dieser Jüngling von Nain, unterwegs zu unserem Grab. Ob wir das wollen oder nicht. Das ist die Wahrheit! Die Wahrheit über unserem Leben. Aber ist das auch die ganze Wahrheit? Sehen wir zunächst genauer hin: Was ist denn überhaupt „Leben“ und was ist der Tod? Vielleicht sind unsere Vorstellungen davon manchmal etwas zu naiv und vordergründig.

Das Thema „Leben und Tod“ enthält gegenwärtig folgende Beiträge:

Was ist Leben?

Verteidigung des Lebens

Lebensgemeinschaft und Überlebenskampf

Menschenleben

Was ist der Tod?

Der TOD und ICH

 

Bodo Fiebig Leben und Tod“, Version 2017-11

© 2012, herausgegeben im Selbstverlag, alle Rechte sind beim Verfasser.

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