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Bereich: Grundfragen des Lebens

Thema: sein und sollen

Beitrag 3: Die Herausforderung des Menschseins (Bodo Fiebig 2017- 12)

Diese Verwirklichung des Menschseins als „Bild Gottes” musste und muss in jeder zeitgeschichtlichen Epoche und in jedem kulturellen Umfeld neu erkannt und konkretisiert werden. In unserer Gegenwart sehen wir uns dabei der noch nie dagewesenen Herausforderung gegenüber, dies im Rahmen einer globalen Gesellschaft zu versuchen. In ihr entsteht eine für viele ganz neue Situation, wo die bisher mehr oder weniger abgegrenzten politischen, wirtschaftlichen, ethnischen, kulturellen und religiösen Eigenarten, Besonderheiten und Interessen einerseits ineinander verfließen, andererseits aber eine Nähe, Häufigkeit und Intensität der Begegnung erfahren, durch die neue Spannungsfelder und Konfrontationen entstehen können.

1 Das Licht der Menschlichkeit

Vielleicht ist es gut, diesen Abschnitt mit einem Gleichnis beginnen, mit einer bildhaften Vorstellung, in der etwas sichtbar werden soll von der Realität der Gottesebenbildlichkeit des Menschseins in unserer Welt und Zeit.

Stelle dir vor, du hättest eine Art gläserne Kugel in deiner Hand, eine Kugel mit einer besonderen Eigenschaft: Sie könnte nämlich eine ganz spezielle Art Energie, die in dir wirksam ist, erkennen, aufnehmen und in Leuchtkraft umwandeln. Und je stärker diese Energie in dir wäre, desto heller und strahlender würde diese deine Kugel zum Leuchten kommen.

Wann würde diese Kugel in deiner Hand mit einem ersten zaghaften Glimmen anzeigen, dass da etwas in dir ist, eine Energie, eine Lebenskraft, die hinausgeht über den bloßen Selbsterhaltungstrieb des Lebens, hinausgeht über die Jagd nach Anerkennung, über den Willen zur Macht und über das Streben nach mehr und immer mehr Besitz? Vielleicht schon, wenn du für einen Augenblick deine Aufmerksamkeit von dir selbst wegwenden und einen Menschen wahrnehmen würdest, der zufällig an dir vorübergeht, und du dabei dem ersten, unwillkürlichen Impuls widerstehen würdest, ihn als fremd und störend zu empfinden.

Heller und wärmer würde dieses erste Glimmen dann, wenn du einem Menschen - bekannt oder unbekannt - ein Lächeln schenkst, ein freundliches Wort, eine bejahende Geste; einfach so, ohne Absicht und Hintergedanken; wenn du einem, der sich angestrengt hat, einen stummen Dank zunickst; wenn du einer, die sich gemüht hat, ein anerkennendes Wort sagst; wenn du jemandem, der sich unsicher fühlt, mit einem Blick zeigst, dass es dich freut, ihn zu sehen.

Wirklich hell und strahlend würde diese Kugel dann, wenn du bereit wärst, auf einen eigenen Vorteil zu verzichten, um jemandem, der im Nachteil ist, zu helfen; wenn du es fertig brächtest, eine gehobene Position aufs Spiel zu setzen, um dich für jemanden einzusetzen, der den untersten Platz einnimmt; wenn du dich dazu durchringen könntest, ein eigenes Vorhaben hintanzustellen, um die Pläne eines anderen voranzubringen; wenn du Macht, Reichtum und Ruhm aufgeben könntest, um einem Machtlosen, Armen und Unbedeutenden nahe zu sein.

Noch heller, noch schöner und lebendiger wäre dieses Strahlen dann, wenn du dich für das Leben in der Gemeinschaft einsetzen würdest, sei es in deiner Familie, in der Nachbarschaft, in einer Arbeitsgruppe, einer Schulklasse, sei es in einer christlichen Gemeinde, sei es in einer Vereinigung, die dem Wohl der Menschen dienen will (sei es das Rote Kreuz, die Feuerwehr oder sonst eine helfende Einrichtung), sei es in deinem Volk oder in einer völkerübergreifenden, Grenzen überwindenden und Frieden stiftenden Gemeinschaft.

Ihre höchste Leuchtkraft und strahlendste Schönheit würde diese Kugel dann erreichen, wenn Du jemandem (sei es ein Einzelner oder eine Gruppe), der dir selbst weh getan hat, vergibst und diese Vergebung bestätigst, indem du etwas für ihn tust, das ihn erfreuen kann; wenn du jemandem, der dir mit Ablehnung und Hass begegnet, mit Offenheit und Verständigungsbereitschaft entgegengehst; wenn du einem, der dir feindlich gegenübersteht, der dir schaden, vielleicht sogar dich töten will, die Hand zur Versöhnung reichst.

Du hast schon gemerkt, dass die Art von Energie, die in deiner gedachten Kugel zum Leuchten kommt, diejenige ist, die in der Bibel „Liebe“ genannt wird. 1.Kor 13, 1-7 (Lutherübersetzung): Wenn ich mit Menschen- und mit Engelzungen redete und hätte die Liebe nicht, so wäre ich ein tönendes Erz oder eine klingende Schelle. Und wenn ich prophetisch reden könnte und wüsste alle Geheimnisse und alle Erkenntnis und hätte allen Glauben, so dass ich Berge versetzen könnte, und hätte die Liebe nicht, so wäre ich nichts. Und wenn ich alle meine Habe den Armen gäbe, und ließe meinen Leib verbrennen, und hätte die Liebe nicht, so wäre mir's nichts nütze. Merken wir das Leuchten, das in diesen Worten liegt, ein Leuchten, das schon seit 2000 Jahren inmitten der Finsternis dieser Welt einen hellen Glanz verbreitet? Die Liebe ist langmütig und freundlich, die Liebe eifert nicht, die Liebe treibt nicht Mutwillen, sie bläht sich nicht auf, sie verhält sich nicht ungehörig, sie sucht nicht das Ihre, sie lässt sich nicht erbittern, sie rechnet das Böse nicht zu, sie freut sich nicht über die Ungerechtigkeit, sie freut sich aber an der Wahrheit; sie erträgt alles, sie glaubt alles, sie hofft alles, sie duldet alles.

So beschreibt der Apostel Paulus diese Energie der Liebe, die im Miteinander der Menschen zum Leuchten kommen soll. Wie oft hätte diese deine Kugel in deiner Hand heute ein blasses Glimmen gezeigt, wie oft hätte sie hell geleuchtet, ... und wie lange, wie viele Stunden dieses Tages, wäre sie ganz und gar dunkel geblieben?

Nun stelle dir vor, nicht nur du, sondern viele, ja alle Menschen, alle Menschen auf dieser Erde (mehr als sieben Milliarden!) hätten so eine Kugel in der Hand. Wie würde das aussehen, aus der Ferne betrachtet? Wie ein strahlendes, glitzerndes Lichtermeer oder wie tiefe, schwere Dunkelheit, vielleicht mit ein paar wenigen Lichtpünktchen darin?

Was sieht Gott, wenn er auf diese Erde schaut, die er selbst geschaffen hat? Die Bibel verschweigt es nicht: Jes 60,2: Siehe, Finsternis bedeckt die Erde und Dunkel die Völker. Das ist unser Zustand und der Zustand dieser Welt, von Gott her gesehen. Und wenn wir ehrlich sind, müssen wir zugeben: Ja, es stimmt. Diese Erde ist tatsächlich von Finsternis bedeckt, ein verdunkelter Globus, wo einige Wenige sagenhafte Reichtümer anhäufen und wo als Folge davon Millionen Andere in bitterster Armut leben, wo Korruption und Verbrechen, Ausbeutung und Sklaverei, Kriege und Bürgerkriege ganze Länder und Kontinente verwüsten, wo eine ganze Medien-Industrie davon lebt, immer grausamere Verbrechen, Mord und Gewalt Abend für Abend in unsere Wohnzimmer zu liefern - als Unterhaltung, während gleich nebenan das echte Verbrechen zuschlägt: Raub und Betrug, Gewalt und Mord, Rauschgift-, Waffen- und Menschenhandel und Zwangsprostitution, und wo das organisierte Verbrechen sich immer unlösbarer mit den Mächten der Wirtschaft und der Politik verbündet.

Dies ist wahrhaftig eine erkaltete Erde, wo im Zeichen der „Globalisierung“ soziale Sicherheiten abgebaut und die Menschen schutzlos einem Raubtierkapitalismus ausgeliefert werden, ausgebeutet und in die Verelendung getrieben (was wir hier zur Zeit in den sogenannten „Industrie­ländern des Westens“ erleben, ist ja nur der vorsichtige Anfang einer Entwicklung, die woanders schon viel weiter fortgeschritten ist). Dies ist wahrhaftig eine verfinsterte Welt, wo Habgier und Egoismus, Ungerechtigkeit und Parteilichkeit, Hass und Gewalt die Beziehungen zwischen Menschen und Völkern zerstören, wo die Liebe sogar in der innersten Keimzelle des gemeinsamen Lebens, in der Familie, erkaltet, wo die Ehen massenweise kaputt gehen, und Beziehungen zwischen Menschen reduziert werden auf die Frage, „... na, und was bringt mir das?“

Diese Erde ist in Dunkel gehüllt, und sie war doch dazu bestimmt, zum leuchtenden Mittelpunkt der Schöpfung zu werden durch das Licht der Liebe im Miteinander des Menschseins. Das ist unser Sündenfall, dass wir von dieser Menschheitsberufung so weit entfernt sind und heute weiter denn je. Gott aber gibt seine Schöpfung nicht auf, heute so wenig wie damals. Der Satz aus Jes 60, 1-3, den wir oben gehört haben, heißt als Ganzes gelesen so: Mache dich auf, werde licht; denn dein Licht kommt, und die Herrlichkeit des HERRN geht auf über dir! Denn siehe, Finsternis bedeckt das Erdreich und Dunkel die Völker; aber über dir geht auf der HERR, und seine Herrlichkeit erscheint über dir.

Im Neuen Testament lesen wir es so: So sehr hat Gott die Welt geliebt, dass er seinen eingeborenen Sohn gab, damit alle, die an ihn glauben, nicht verloren werden, sondern das ewige Leben haben (Joh 3,16).

Ja, die Liebe Gottes gilt der „Welt“, also der ganzen Menschheit und Schöpfung. Die Unversöhntheit der Menschen mit ihrem Schöpfer, und (als Folge davon) ihre Friedlosigkeit und Zerrissenheit untereinander, sollen geheilt werden. Alle sollen aus der Gewalt des Egoismus und der Feindschaft befreit werden, sollen zum Frieden kommen mit Gott und miteinander. Der Mensch soll nicht mehr des Menschen „Wolf” sein. Das Gesetz des Lebens soll nicht mehr heißen: „fressen und gefressen-werden“. Der Starke soll dem Schwachen nicht mehr Gewalttäter sein, sondern Schutz und Hilfe. Der Nächste soll dem Menschen nicht mehr Konkurrent, Gegner und Feind sein, sondern Geliebter. Die ganze Menschheit auf diesem ganzen Globus soll zu der einen, alle und alles umfassenden Liebes- und Lebensgemeinschaft werden (als Abbild des Wesens Gottes), zu der sie ursprünglich geschaffen war. Das ist die Art von Globalisierung, die Gott auf diesem Globus verwirklichen will.

Dazu hat sich Gott Israel als Erstlingsvolk erwählt, dass es als königliche Priesterschaft (2. Mose 19,6) an der Heiligung und Versöhnung der Menschheit mitwirken soll. Dazu hat Gott seine Weisung (Thora) ins Menschsein gegeben, dass sie Orientierung und Hilfe sei auf dem Weg zur Einheit in versöhnter Vielfalt und zur Gemeinschaft in liebender Zuordnung. Auch wenn Israel diesem Auftrag nicht immer gerecht wurde: Es ist trotzdem zugleich Botschafter und Botschaft Gottes an die Welt „Ich bin der Herr dein Gott, der dich aus der Knechtschaft führt“. Nicht nur Israel aus der Knechtschaft in Ägypten (das war nur der Modellfall), sondern alle Menschen aus aller Knechtschaft des Egoismus und der Schuld, der Feindschaft und der Unterdrückung, der Armut und der Krankheit, des Leidens und des Todes.

Dazu hat Gott sich selbst in Jesus ins Menschsein gegeben, dass er die wahre Bestimmung des Menschen als Bild Gottes in der Schöpfung endlich verwirklicht. Johannes 14,9 sagt Jesus: Wer mich sieht, der sieht den Vater! Genauer kann man die Berufung des Menschseins (jedes Menschenseins!) nicht ausdrücken. Wenn man Menschen in menschlicher Gemeinschaft anschaut, wie sie leben und wie sie einander lieben, dann soll man ein Bild davon vor Augen haben, wie Gott ist. Wir wissen, wie weit wir davon entfernt sind. In der Person Jesu aber ist das Urbild des Menschseins als Abbild der Liebe Gottes wieder hergestellt. Wer Jesus sieht, erkennt, wie Gott ist. An seinem Vor-Bild sollen Juden und Heiden das Menschsein lernen, wie es von Gott ursprünglich gemeint und gewollt war. Durch seine Hingabe am Kreuz soll der tiefe Menschheitsschaden des Egoismus geheilt und alle daraus entstandene Schuld getilgt werden. Durch seine Auferstehung soll die Überwindung jeden Todes ihren Anfang nehmen. Durch sein Wiederkommen in Herrlichkeit soll die Erlösung der Welt vollendet werden.

Dazu hat Gott schließlich zu Pfingsten durch den Heiligen Geist die eine Jesusjüngerschaft ins Leben gerufen, die Gemeinschaft der Heiligen, damit in ihrer Liebesgemeinschaft aus messiasgläubigen Juden und christusgläubigen Heiden die ganze Menschheit (die ja auch aus Juden und Heiden besteht) das Modell ihrer zukünftigen umfassenden Versöhnung vorgelebt bekommt. Joh 13, 34-35: Ein neues Gebot gebe ich euch, dass ihr euch untereinander liebt, wie ich euch geliebt habe, damit auch ihr einander liebhabt. Daran wird jedermann erkennen, dass ihr meine Jünger seid, wenn ihr Liebe untereinander habt. Dazu hat Gott zweitausend Jahre schuldbeladener Kirchengeschichte getragen und ertragen, trotz aller Zerrissenheit und allen Abfalls, dass diese Versöhnung zu ihrer Zeit dennoch Wirklichkeit werden kann. Ehre sei Gott in der Höhe und Friede auf Erden bei den Menschen seines Wohlgefallens, so sangen die Engel bei der Geburt Jesu (Lk 2,14).

Diesen Heilsplan Gottes für die Welt zu erkennen und den Glauben an die Liebe Gottes durchzuhalten in einer Welt, die zur einen Hälfte als egozentrische, rücksichtslose Konsum- und Spaßgesellschaft existiert und zur anderen Hälfte als permanente Kriegs- und Hungerkatastrophe, das ist eine der Herausforderungen unserer Zeit.

2 Das Leuchtbild der Gemeinschaft

Aber vielleicht sieht Gott doch mehr und viel tiefer, als wir es können? Vielleicht sieht er ein Bild, das unseren Blicken verborgen ist? Vielleicht hat er ein Leuchtbild der Menschlichkeit vor Augen, von dem wir kaum etwas ahnen?

Ich will wieder versuchen, in einem Vergleich anzudeuten, was gemeint sein könnte. Viele haben zu Hause ein bestimmtes Computerprogramm, einen Computer-Weltatlas. Mit diesem Programm kann man sich die Erde als Globus auf den Bildschirm holen. Und zwar in verschiedenen Ansichten: Da kann man in einer Ansicht die Meere und Länder, die Gebirge und Flüsse besonders gut erkennen. In einer anderen Ansicht sieht man vor allem die Städte und Verkehrswege, die Bodenschätze und Industriegebiete. Und dann gibt es da noch eine Nachtansicht des Globus. Die sieht aus, als ob man vom Weltraum aus auf die Nachtseite der Erde schaut. Da kann man zunächst gar keine Länder und Meere sehen, da sieht man nur einzelne Lichtpunkte. Und diese Punkte sind bei diesem Programm nach dem Energieumsatz angeordnet. Da wo viel Energie eingesetzt wird, also in den großen Städten und Industriegebieten, da sind viele Lichtpunkte, und bei den Meeren und Wüsten und Polargebieten, da ist es ganz dunkel. Auf den ersten Blick kann man da weiter gar nichts erkennen. Aber wenn man sich diese Nachtansicht der Erde etwas genauer anschaut, dann erkennt man tatsächlich die Kontinente der Erde. Man kann die Küstenlinien erahnen, weil da meistens viele Städte sind und die Leuchtpünktchen dort dicht beieinander liegen und man erkennt die Kältezonen und Wüsten der Erde daran, dass es da fast ganz finster ist.

Vielleicht sieht Gott, wenn er auf die „Nachtseite” der Erde schaut, auch solche Leuchtpunkte: die Leuchtpunkte vom Energieumsatz der Liebe, wie in dem Bild von den Leuchtkugeln in unserer Hand.

Aber hier meldet sich berechtigte Skepsis: Die Liebe einzelner Menschen kann niemals die kollektive Verfinsterung des Menschseins erhellen. Machen wir uns da nichts vor! Gewiss: Aus der Nähe betrachtet und vor den Augen Gottes leuchtet schon die kleinste Geste der Mitmenschlichkeit, auch wenn sie von der Dunkelheit und der Kälte dieser Welt immer wieder in Frage gestellt und aufgesogen wird. Aufs Ganze gesehen aber können diese vereinzelten Leuchtzeichen der Liebe die Verfinsterung des Daseins nicht durchdringen. Nein, was da sichtbar wird in der Dunkelheit der Welt, das sind nicht einzelne, besonders heilige Menschen, auch ihr Leuchten würde bei weitem nicht ausreichen, denn hier geht es ja um Welt-Verfinsterung, um eine Menschheits-Umnachtung, die mit Dunkel-Wörtern wie „Auschwitz“ oder „Hiroschima“ oder „Weltwirtschaftskrise” oder „weltweiter Drogen, Waffen und Menschhenhandel” oder „islamischer Terrorismus” oder „Weltfolterindex” usw. nur angedeutet werden kann.

Die Verfinsterung der Welt besteht ja im Wesentlichen nicht aus einzelnen Untaten einzelner Menschen, sondern aus Machtsystemen der Bosheit. Die Finsternis in der Geschichte der Menschheit wurde immer da am finstersten, wo sie sich zu einem kollektiven System aus ideologischer Entmenschlichung des Denkens und verbrecherischer Entmenschlichung des Handelns verdichtete. In Deutschland zur Zeit des Nationalsozialismus gab es so ein Dunkelsystem der Unmenschlichkeit, nämlich das Unterdrückungs- und Vernichtungssystem der „Konzentrationslager“, das schließlich Millionen von Menschen verschlang, als hätte es sie nie gegeben. Da waren eben nicht nur einzelne böse Menschen am Werk, sondern es war ein mit böser Absicht geplantes und immer weiter ausgebautes System, das daraufhin ausgerichtet war, die Gefangenen, die ja meist keinerlei persönliche „Schuld“ auf sich geladen hatten, zu erniedrigen, zu quälen, ihre Arbeitskraft bis zum äußersten auszubeuten und sie schließlich zu töten. Man könnte genauso auch die Arbeitslager des GULAG in der Sowjetunion unter Stalin, die „Umerziehungslager” der „Kulturrevolution” unter Mao in China oder als heute aktuelles Beispiel die Straflager des kommunistischen Systems in Nordkorea als Beispiele heranziehen.

Heute finden wir ein solches Dunkelsystem der Menschenverachtung vielleicht auch in den hell erleuchteten, glänzenden Börsensälen in den Weltzentren des Geldes, wo an einem einzigen Tag, in einer einzigen Stunde durch weltweite finanzielle Transaktionen über Tausende oder manchmal sogar Millionen von Menschenschicksalen entschieden wird, wobei ja das Schlimme nicht der Börsenhandel selbst ist, sondern das Denksystem der dort handelnden Menschen, das es ganz selbstverständlich und sinnvoll erscheinen lässt, Milliardenbeträge rund um den Globus zu verschieben und an jeder dieser Verschiebestationen riesige Reichtümer zu verdienen (oder auch mal zu verlieren), ohne nur eine Sekunde daran zu denken, dass diese Werte ja irgendwann, irgendwo von Menschen erarbeitet worden sind, und dass jede dieser Transaktionen Millionen von menschlichen Existenzen ermöglichen oder vernichten kann.

Die wirklich bösen Folgen der Finanzkrisen sind ja nicht hier bei uns zu sehen, sondern in den ohnehin schon bitter armen „Entwicklungsländern“, die je nach auf und ab der Märkte vielleicht gar keine Chance auf Besserung mehr haben. Dort wird wirklich und leibhaftig gehungert und gestorben als Folge der unersättlichen Gier nach mehr Reichtum der eh schon sehr Reichen. Und gegen solche Systeme kollektiver Seelenverfinsterung wird auch das Licht der frömmsten Einzelnen nicht anleuchten können.

Was aber könnte es dann sein, was da leuchtet? Nun, nach den Worten Jesu gibt es nur zwei Leuchtkörper, die die Verfinsterung dieser Welt durchbrechen können. Alles andere kann dagegen nicht ankommen.

Erstens sagt Jesus von sich selbst: Ich bin das Licht der Welt (nicht ein Lichtlein unter vielen anderen in der Welt, sondern das Licht der Welt), und das ist nicht nur ein großartig-vollmundiger Ausspruch, sondern das ist in den vergangenen zwanzig Jahrhunderten auf allen Kontinenten dieser Erde erfahrbare Realität geworden: Überall da, wo das Licht des Evangeliums die Herzen und Hirne von Menschen erleuchtet hat, da wurde das Böse in der Welt zumindest an manchen Orten, zeitweise und ansatzweise überwunden. Und zweitens sagt Jesus zu seinen Jüngern: Ihr seid das Licht der Welt.

Diese beiden Lichter sind die einzigen möglichen Leuchtmittel gegen die Verfinsterung dieser Welt. Ja, Jesus ist das Licht der Welt. Er war es damals, als er auf dieser Erde lebte, und er wird es sein, wenn er wiederkommt und diese ganze Welt aus aller Verfinsterung erlöst. Und heute? Heute gilt vor allem das zweite: Ihr seid das Licht der Welt. Also doch? Ich, ein Licht der Welt? Also der Gedanke könnte mir schon gefallen. Aber achten wir genau darauf, was Jesus sagt: Er sagt zu keinem einzelnen seiner Jünger, nicht einmal zu Petrus: Du bist ein Licht der Welt. Er sagt auch nicht: Ihr seid die Lichter der Welt. Also jeder eines, der Eine vielleicht ein bisschen heller, der Andere weniger hell... Er sagt: Ihr seid das Licht der Welt. Das heißt, die Jüngergemeinschaft als Ganzes ist dieses Licht ... oder sollte es sein. Die Gemeinde Jesu Christi als Verkörperung seiner Liebe (Paulus sagt, die Kirche Jesu Christi ist sein „Leib“) ist das von Gott gegebene und eingesetzte Mittel zur Erleuchtung der Welt ... wenn sie Liebe untereinander hat. Nicht nur die Verfinsterung der Welt geschieht vor allem durch kollektive Systeme, auch die Durchlichtung des Menschseins kann nur durch organisch strukturierte und systemisch vernetzte Gemeinschaften geschehen, wenn sie durch die Rückbindung ihres gemeinsamen Lebens an das Wort Gottes verbunden und gemeinsam durch den Willen Gottes bewegt sind. Wir haben dafür Begriffe wie „Gemeinschaft der Heiligen“ oder „lebendige Gemeinde“ oder „geistliche Gemeinschaft“, oder aufs Ganze gesehen: „Leib Christi“ oder „die eine, heilige, katholische (d.h. weltweite und da gehören die Evangelischen genau so dazu ) und apostolische (auf die Botschaft der Apostel begründete) Kirche Jesu Christi“ oder „das eine Volk Gottes aus Juden und Heiden, Israel und die Kirche“.

Wir müssen also das Bild von der Leuchtkugel, die den Energieumsatz der Liebe anzeigt, noch etwas erweitern und differenzieren: Nur dann, wenn die Liebe in einer in Treue auf Dauer angelegten Beziehung zum Vollzug kommt, kann sie die Leuchtkraft entwickeln, die auch die schwärzeste Finsternis menschlicher Schuld durchdringt. Erst dann, wenn in einer verbindlichen Gemeinschaft von Menschen (ob das zwei Personen in einer Ehe sind oder Hunderte in einer größeren Glaubens- und Lebensgemeinschaft) ein Hin und Her, ein Geben und Vergeben, ein Tragen und Ertragen in Vertrauen und Treue ... geschieht, also ein gegenseitiges Austauschen und Verstärken der Liebe, erst dann kann ein Licht entstehen, das die Verfinsterung des Menschseins durchleuchtet: Die Liebesgemeinschaft der Jesusjüngerschaft lässt ein Licht entstehen, das selbst von der finstersten Finsternis in den Dunkelgebieten und Kältezonen des Menschseins, wo Gewalt und Krieg, Verbrechen und Menschenverachtung regieren, nicht ausgelöscht werden kann.

Also das, was kein Einzelner jemals sein kann, nämlich ein Licht, das die Dunkelheit dieser Welt hell macht, das ist der Jüngergemeinschaft als Ganzes zugesprochen. ... wenn sie Liebe untereinander hat. Ja, wenn die Jünger und Jüngerinnen Jesu, also alle, die getauft sind und sich nach Jesus Christus „Christen“ nennen, katholisch, evangelisch oder orthodox, kirchlich oder freikirchlich, charismatisch oder traditionell, oder wie auch immer ... wenn die - irgendwo an irgendeinem Ort dieser Erde - so miteinander umgehen, dass etwas von der Liebe Christi darin lebendig und sichtbar wird, dann wird die Verfinsterung der Welt jeweils an einer Stelle durchbrochen und erhellt, dann entsteht ein Leuchtpunkt himmlischen Lebens mitten in der Dunkelheit der Erde. Und wenn das an vielen Orten geschieht, da und dort, größer oder kleiner, dann entsteht mitten in der Verfinsterung dieser Welt, mitten in der „Nachtansicht” dieser Erde, ein weltumspannendes Leuchtmuster der Liebe, und ein Vor-Leuchten der Herrlichkeit im kommenden Reich des Messias. Und das ist die eigentliche Berufung der Jesusjüngerschaft, das ist die zentrale Aufgabe der Gemeinschaft aller Getauften, das ist Sinn und Wesen der einen heiligen, weltweiten und apostolischen Kirche. Dazu ist sie da.

Das Ur-Modell solcher Liebesgemeinschaft ist die Ehe 1. Mose 1, 27 ... zum Bilde Gottes schuf er ihn; und schuf sie als Mann und Frau und (darauf aufbauend) die Familie. Wenn sich im Miteinander der Geschlechter und Generationen innerhalb der organisch vernetzten Einheit der einen Kirche Jesu Christi, trotz aller menschlichen Fehler und Schwächen, eine Gemeinschaft ausformt, in der das Füreinander in allen Situationen und Belastungen durchgehalten wird und die Freude miteinander und aneinander den Umgang bestimmt, dann entsteht da ein Leuchtzeichen der Gegenwart Gottes im Miteinander der Menschen.

Als Jesus nach dem höchsten, größten und wichtigsten der Gebote gefragt wird, antwortet er: Mt 22, 37-40 (Luther-Übers.): »Du sollst den Herrn, deinen Gott, lieben von ganzem Herzen, von ganzer Seele und von ganzem Gemüt« (5. Mose 6,5). Dies ist das höchste und größte Gebot. Das andere aber ist dem gleich: »Du sollst deinen Nächsten lieben wie dich selbst« (3. Mose 19,18). In diesen beiden Geboten hängt das ganze Gesetz und die Propheten. Das heißt die ganze Offenbarung des Alten und Neuen Testaments „hängt“ an der Verwirklichung der Liebe zu Gott und zum Mitmenschen.

Darin erfüllen sich Sollen und Sinn des Menschenseins, dass im Menschen das Göttliche zum Vollzug kommt und in dieser Welt vergegenwärtigt wird; dazu ist der Mensch geschaffen (und die ganze übrige Schöpfung, die nötig ist, damit der Mensch existieren kann). Darin besteht die Vergegenwärtigung Gottes in der Schöpfung, dass ein Ich da ist, das sich seiner selbst als Individuum bewusst ist, und das sich bewusst an ein Du hingibt und sich ebenso bewusst in eine verbindliche Gemeinschaft einordnet. Das Göttliche im Menschen (oder anders ausgedrückt: das Menschsein als Ebenbild Gottes) verwirklicht sich als bewusstes Ich-Sein in Liebe zum Du in der Gemeinschaft des Menschseins.

Was wir in dem Schreckenssystem der Hölle in den Konzentrations- und Vernichtungslagern und in den grauenvollen Massakern der sogenannten „Sondereinsatztruppen“ der SS in Osteuropa sehen (oder im Völkermord an den Armeniern in der Türkei Anfang des 20. Jahrhunderts oder in den Schrecken der sibirischen Straflager des GULAG in der Sowjetunion unter Stalin oder in den „Umerziehungslagern” im China unter Mao oder in Mord-Orgien in Kambodscha zur Zeit der Khmer Rouge, oder in Afrika zur Zeit des großen Abschlachtens zwischen Hutos und Tutsis in Ruanda und Burundi oder in den Schreckenstaten des „Islamistischen Staates” und deren „Gotteskrieger” in unserer Gegenwart, oder in den Ausbeutungsstrategien eines ungerechten Weltwirtschaftssystems), all das ist das Gegenmodell, die Negativfolie zum System der gottgewollten Menschlichkeit, das Gegenmodell zum „Reich Gottes”, das Jesus verkündigt hat und das jetzt und hier - zwar nur modellhaft vorläufig, aber doch echt und gültig verwirklicht werden soll.

Ich sage es jetzt etwas überspitzt: Wenn die Kirche Jesu Christi in allen Ländern dieser Erde und in allen Konfessionen, Formen und Prägungen in ihrem alltäglichen Miteinander auch nur annähernd, aber ganz konkret so viel Liebe und Güte verwirklichen würde, wie die Gewaltsysteme des Egoismus auf dieser Erde tagtäglich ganz konkret an Hass und Bosheit verwirklichen, dann wäre es um diese Welt gar nicht so schlecht bestellt und wir wären den Reich Gottes schon sehr nahe. Oder anders ausgedrückt: Gott will die Kirche, gerade auch die Kirche in Deutschland, zu einem Raum der Gemeinschaft gestalten, in dem die Liebe und die Güte mindestens ebenso radikal das Leben bestimmen, wie in den Konzentrations- und Vernichtungslagern der Nazis der Hass und die Bosheit das Leben bestimmt haben. Das wäre die Umkehr, die Buße, die Gott von unserem Volk (oder wenigsten von den gläubigen Christen in unserem Volk) erwartet.

Und das ist keine blinde Schwärmerei, keine realitätsferne Utopie, so etwas gibt es ja wirklich. Wer bereit ist, aufmerksamer zu schauen und zu hören, wer bereit ist, sich hineinzubegeben in die Gemeinschaft des Gottesvolkes aller Konfessionen, auch da, wo sie noch sehr bruchstückhaft und unvollkommen ist, der wird erkennen: Ja, es ist möglich, und es hat ja längst schon begonnen, und ist schon im Gange seit zwei Jahrtausenden, klein und in aller menschlichen Schwachheit, nicht überall und nicht zu jeder Zeit in gleicher Intensität und Konsequenz, aber doch echt und wirksam mitten in dieser Welt.

Es hat schon begonnen, vor Jahrhunderten z.B. in den diakonischen Einrichtungen der Kirchen, wo Alte und Behinderte, Kranke und Sterbende, Waisen und Obdachlose aufgenommen und gepflegt wurden. Es ist doch kein Zufall, dass solche Einrichtungen zuerst in christlichen Ländern entstanden und nicht z. B. im Indien des sanften Buddha, im China des klugen Konfuzius oder im Tibet des lächelnden Dalai Lama. Wobei ja nicht bestritten werden soll, dass auch diese und andere Religionen dazu beigetragen haben (und noch immer dazu beitragen) das Miteinander der Menschen menschlicher zu gestalten.

Es hat schon begonnen mit Hilfsorganisationen, die heute in vielen Ländern unter schwierigen und gefährlichen Bedingungen arbeiten vom Roten Kreuz bis Brot für die Welt und Misereor und und und. Es hat schon begonnen in Gemeinschaften gelebten Glaubens überall auf der Welt, wo im Miteinander vor Gott und in Verantwortung füreinander ein neuer Lebensstil verwirklicht wird, ein Lebensstil, bei dem nicht das „Ich” und das Haben-wollen im Vordergrund steht. Am deutlichsten aber beginnt es da, wo Christen aus verschiedenen Konfessionen, mit verschiedenen Traditionen und widersprüchlichen theologischen Ansichten, wo gläubige Jesus-Jünger und Jüngerinnen aus verschiedenen Ländern und Kulturen mit verschiedenen Hautfarben und Sprachen zusammen mit Juden verschiedener Prägung sich gegenseitig als Geschwister in dem einen Vaterhaus Gottes erkennen und annehmen, denn da leuchtet ein heller Schein von Gott her in die Verfinsterung dieser Welt, da ist ein Stück Himmelreich auf Erden schon verwirklicht

Es sollte nach dem Willen Gottes, des Schöpfers dieser Welt, auf dieser Erde nicht nur eine weltumspannende Biosphäre entstehen, eine alle Kontinente und Meere umfassende Lebens-Schicht, die rund um die Erde, von Pol zu Pol und von den Tiefen der Ozeane bis in die Höhen der Atmosphäre reicht, und in der alles Leben wechselseitig voneinander abhängt und aufeinander bezogen ist.

Es sollte auf dieser Erde nicht nur eine alle Völker, Sprachen und Kulturen umfassende Weltsphäre des Geistes entstehen, die in alle Jahrtausende der Menschheitsgeschichte zurückreicht und die sich im Austausch der Gedanken, Bilder und Worte zu einem globalen Gesamtkunstwerk menschlichen Geistes verknüpft und verdichtet.

Es soll auf dieser Erde auch eine die ganze Menschheit umfassende Weltsphäre des Miteinander und Füreinander entstehen, ein Beziehungsgeflecht der Liebe, das alle Völker und Kulturen, alle Sprachen und Rassen, alle Gesellschaftsformen und Lebensgemeinschaften durchdringt, ein weltweites Leuchtmuster der Mitmenschlichkeit, das inmitten der verfinsterten Gegenwart in aller Unvollkommenheit doch schon die gottgewollte Liebeseinheit der Menschheitsfamilie vorabbildet, ein Weltorganismus der Für-Bitte und des Für-Handelns, ein globaler Blutkreislauf geistlicher und materieller Gaben, durch den das eine und alles überstrahlende Bild der Liebe Gottes im Menschsein trotz aller menschlichen Schwächen und Brechungen anschaubar und lebendig wird.

Jede Ehe und Familie, jede Gemeinde, jeder Hauskreis, jede Gebetsgruppe, jeder Jugendkreis, jede Lebens- und Arbeitsgemein­schaft ..., die in irgendeiner Weise eingebunden sind in die Einheit und Ganzheit der Liebesgemeinschaft des Gottesvolkes auf Erden, soll und kann vor den Augen Gottes ein Leuchtzeichen sein, das seine Liebe widerspiegelt.

Ich würde gern, und sei es nur für eine Sekunde, einmal dieses Leuchtmuster der Liebe sehen, das über allen Ländern und Kontinenten liegt, und das Gott sieht, wenn er auf diese Erde schaut. Ich glaube nämlich, da wäre viel mehr zu sehen, als wir vermuten, sogar an Orten, wo wir es gar nicht gedacht hätten. Freilich, es gäbe wohl auch eine Menge schwarzer Löcher, Kältezonen und Trockenwüsten der Mitmenschlichkeit, wo wir eigentlich viel Licht erwartet hätten.

Das Bild, das durch die Leuchtpunkte der Liebesgemeinschaften der Jünger und Jüngerinnen Jesu entstehen soll, ist das Bild der Liebe Gottes unter den Menschen, ist die Erfüllung des Urauftrags des Menschseins ... und Gott schuf den Menschen (und das Menschsein als Ganzes) zu seinem Bilde, zum Bilde Gottes schuf er ihn. Wer also sehen will, wie Gott ist, hat zwei Vor-Bilder als Anschauung zur Verfügung: zum Einen das Leben Jesu, wie es in den Evangelien überliefert ist und zum Andern das Leuchtmuster der Liebe in den Liebesgemeinschaften des Gottesvolkes (das die Gemeinschaft des Volkes Israel ebenso einschließt wie die neutestamentliche Jesusjüngerschaft aus den Völkern der Welt). Wer mich sieht, sieht den Vater, sagt Jesus (Joh 14, 9). Wenn aber die weltweite Jesusjüngerschaft wirklich die irdisch-gegenwärtige Verkörperung Jesu ist, sein „Leib” (1. Kor 12, 27: Ihr aber seid der Leib Christi und jeder von euch ein Glied), und wenn sie (bei aller menschlichen Schwäche und Fehlerhaftigkeit) in der Liebe lebt, dann wird das Leuchtmuster des Menschseins zur Verwirklichung des Menschheitsauftrags: Zum anschaubaren Bild Gottes. Wir freilich können immer nur einen winzigen Ausschnitt dieses Bildes wahrnehmen. Aber das ist nicht schlimm, denn die Liebe selbst wird ja nicht kleiner, wenn man sie auf viele verteilt. So haben wir bei jeder Erfahrung von Liebe (unabhängig davon, ob wir Gebende oder Empfangende sind) eine direkte und intensive Begegnung mit Gott selbst.

Das weltweite Leuchtmuster dieser Liebe hat Gott vor Augen, wenn er auf diese Welt schaut. Nicht nur den augenblicklichen Zustand, sondern auch alle Leuchtphasen durch die ganze Geschichte des Judentums und die ganze Kirchengeschichte der vergangenen Jahrtausende hindurch. Alles, was je in der Geschichte des Gottesvolkes aus Juden und Christen durch die Liebe im Miteinander zum Leuchten gekommen ist, das bleibt, unauslöschlich, unvergänglich. Und die Pforten der Hölle werden das nicht überwältigen.

Noch eine wichtige Anmerkung dazu: Ganz gewiss werden auch die Gedanken Worte und Taten der Liebe von Menschen, die nicht zum Volk Gottes Alten und Neuen Testaments gehören, sondern anderen Religionen angehören oder gar Atheisten sind, von Gott wahrgenommen und gewiss werden auch sie in der Schatzkammer seiner Ewigkeit aufbewahrt für die kommende Vollendung, aber die gottgewollte „Gemeinschaft der Heiligen“ als Leuchtzeichen des zukünftigen Gottesreiches mitten in der Verdunkelung dieser Welt, die kann nur dort entstehen, wo Menschen bewusst und gemeinsam (entsprechend der Bitte Jesu im Vaterunser) „den Namen Gottes (JaHWeH) heiligen und seinen Willen tun“.

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Bodo Fiebig Der zweite Teil der Schöpfung Version 2017 - 12

© 2012, herausgegeben im Selbstverlag, alle Rechte sind beim Verfasser.

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