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Bereich: Jesus

Thema: Jesus – der Weg

Beitrag 7: Bist du es, der da kommen soll? (Mt 11, 3)  2020-2

Schimon Ben Jochanan schüttelte den Kopf. Seit die drei Jünger des Jochanan wieder gegangen waren, fühlte er sich unwohl und unzufrieden. Er kannte diese Männer. Sie waren dabei gewesen, als Jeschuah von Jochanan im Jordan getauft worden war. Und nun hatte er miterlebt, wie sie in höchster Aufregung und Sorge um ihren Rabbi zu Jesus gekommen waren. Sie kamen direkt von Machärus*, der Wüstenfestung des Herodes Antipas östlich vom Toten Meer, die schon sein Vater, der „Große” Herodes, hatte bauen lassen. Dort lag Jocha-nan gefangen und von dort waren sie bis hierher an den See Genezareth gelaufen, um Jesus zu sprechen. In mehreren anstrengenden Tagesmärschen hatten sie die Strecke bewältigt, immer auf der Hut, den Häschern des Herodes nicht in die Hände zu fallen.

* Josephus Flavius, ein Historiker aus der Zeit unmittelbar nach Jesus berichtet (Jüdische Altertümer, achtzehntes Buch, 5. Kapitel, Abschnitt 2), dass Johannes der Täufer in der Festung Machärus gefangen gehalten und schließlich dort enthauptet wurde.

Ihre Sorge war begründet: Wer in den Verliesen von Machärus schmachtete, war wie lebendig begraben und es war nur eine Frage der Zeit und der Launen des Tetrarchen, bis er auch tatsächlich getötet würde. Die Frage, die Jochanan an Jeschuah ausrichten ließ, hatte Schimon tief getroffen: „Bist du es, der da kommen soll, oder sollen wir auf einen anderen warten?”* Hatte der Täufer nun doch wieder Zweifel, ob Jeschuah der verheißene Davidssohn, der Maschiach war?

* Siehe Mt 11, 1-6

Dieser Zweifel hatte bei Schimon an eine offene Wunde in seinem Innern gerührt. Er, der jetzt „Petrus, der Fels” genannt wurde, war innerlich verunsichert und schwankend. Gewiss, sie hatten in den vergangenen Monaten Wunder über Wunder erlebt, aber waren Krankenheilungen und die Stillung des Sturms auf dem See ein Ersatz für politisches Handeln, für den, der nun bald die Macht im Lande als Messias-König übernehmen sollte? „Bist du es, der da kommen soll, oder sollen wir auf einen anderen warten?” Das war nicht nur die Frage des Täufers, sondern auch die Frage Schimons und – obwohl darüber im Jüngerkreis nie geredet wurde – wahrscheinlich auch die Frage einiger anderer Jünger.

Die Antwort Jeschuahs auf die Frage des Täufers empfand Schimon als eher ausweichend: „Geht hin und sagt Johannes wieder, was ihr hört und seht: Blinde sehen und Lahme gehen, Aussätzige werden rein und Taube hören, Tote stehen auf, und Armen wird das Evangelium gepredigt; und selig ist, wer sich nicht an mir ärgert.”

Einerseits berief sich Jeschuah mit diesen Sätzen auf Aussagen des Propheten Jesaja, die sich auf die kommende messianische Heilszeit bezogen, andererseits ließ er die drängende Sorge der Jünger des Täufers ins Leere laufen. Schimon Petrus konnte deren Enttäuschung gut nachvollziehen. Er selbst hatte ja auch erwartet, dass Jeschuah etwas unternehmen würde, um Jochanan zu befreien.

Er sah hinüber, wo Jeschuah mit einigen Fischern und Bauern redete. Schimon konnte wegen der Entfernung nicht verstehen, worum es da ging. Aber in seinem Innern wurde die Frage immer unüberhörbarer und drängender: „Du, Jeschuah, Sohn der Mirjam aus Nazareth, bist du es, der da kommen soll, oder sollen wir auf einen anderen warten?”

* * *

Schimon Petrus holte tief Luft. Was sollte er sagen? Was sollte er auf diese Frage antworten? War jetzt alles vorbei, brach jetzt alles auseinander? Mit dieser Frage Jeschuahs hatte er nicht gerechnet. Und sie war an ihn gerichtet und an die anderen Jünger, die nun schon so lange mit Jeschuah unterwegs waren: „Wollt ihr auch weggehen”? (Jo 6, 67)

Schimon konnte sich selbst nicht erklären, wie es zu dieser Zuspitzung der Lage gekommen war. Eigentlich hatten sich die Dinge in seinen Augen positiv entwickelt: Erst einige aufsehenerregende Heilungen; unter anderem wurde der Sohn eines königlichen Beamten von einer lebensbedrohlichen Krankheit gesund (Jo 4, 46 ff): Dann war es zu jenem Ereignis gekommen, das Schimon als Höhepunkt und weitestgehende Selbstoffenbarung im bisherigen Handeln Jeschuahs angesehen hatte: Eine riesige Menschenmenge, etwa fünftausend Mann, waren von fünf Fladenbroten und zwei Fischen satt geworden! Eine erregte Stimmung hatte die Menschen erfasst. „Das ist wahrlich der Prophet, der in die Welt kommen soll” riefen einige und meinten damit den „Propheten wie Mose”, der in der Thora verheißen war (5. Mose 18, 15), andere wollten Jeschuah gleich hier und jetzt zum messianischen König ausrufen. Endlich ein König, der die Hungernden satt machte und nicht nur darauf aus war, den eigenen Bauch zu füllen!

Schimon selbst hatte einen Augenblick lang gehofft, dass seine höchsten Erwartungen sich nun bald erfüllen würden: Jeschuah, der Sohn Davids als messianischer König auf dem Thron Davids! Aber daraus wurde nichts. Jeschuah war auf einmal verschwunden, hatte sich unbemerkt aus der aufgeregten Menge entfernt. Und Schimon erfuhr erst später, dass er sich auf einen Berg, wo sie schon öfter gewesen waren, zurückgezogen hatte, er ganz allein, und dort Stunden im Gebet verbracht hatte.

Am nächsten Tag kamen Leute von verschiedenen Orten rund um den See mit ihren Booten nach Kfar Nahum, um Jesus zu suchen. Man wollte jetzt endlich Gewissheit: War dieser Jeschuah aus Nazareth wirklich der Maschiach oder nicht? Würde nun bald die messianische Heilszeit anbrechen oder mussten sie weiterhin Unterdrückung und Entwürdigung erdulden?

Schimon konnte sich noch gut an die erregten Debatten erinnern, die dann folgten. Es ging natürlich um das Brotwunder, das sie alle erlebt hatten. Nun wollten die Leute von Jeschuah selbst erfahren, was das zu bedeuten hatte und sie hoffen den Satz zu hören auf den sie schon so lange warteten: „Ja, ich bin der Sohn Davids, der von Gott erwählte Maschiach; wir werden nach Jerusalem ziehen und dort wird Gott selbst mich als König einsetzen und bestätigen.”

Es gab aber auch andere, die diesem „selbsternannten Rabbi”, der bei keinem der anerkannten Lehrer studiert hatte, misstrauten und auch solche, die ihn heftig bekämpften. Wie zum Beispiel Rabbi Schammai, der in der Synagoge von Kfar Nahum lehrte. Eigentlich hieß er Rabbi Pinchas, aber alle nannten ihn Rabbi Schammai nach dem berühmten Lehrer, der zusammen und doch in oft heftigen Auseinandersetzungen mit seinem Widerpart, Rabbi Hillel, die einflussreichsten Lehrhäuser des Judentums begründet hatte. Hillel und Schammai waren nun schon beide gestorben, aber ihre Lehrmeinungen waren immer noch in aller Munde und bestimmten die religiöse Diskussionen im ganzen Land und noch darüber hinaus überall, wo es in der Welt Juden gab.*

* Hillel und Schammai gehörten zwar der Generation vor Jesus an, aber ihre Auslegungen und Lehrmeinungen waren zur Zeit Jesu immer noch entscheidend für die theologischen Auseinandersetzungen und die aktuelle Glaubenspraxis der meisten Juden in Israel.

Hillel war der Gütige, den Menschen Zugewandte, der bei der Auslegung der Thora darauf achtete, dass sie den Bedürfnissen der Menschen entgegenkam, Schammai dagegen war der Harte, Unnachgiebige, der auf der buchstabengetreuen Befolgung der Gebote bestand und keinerlei Ausnahmen zuließ. Nach diesem Schammai nannte man Rabbi Pinchas von Kfar Nahum und der ließ sich gern so nennen.

Aber vorläufig hielt sich Rabbi Schammai noch zurück. Er wollte erst einmal sehen, was dieser Jeschuah aus Nazareth diesmal zu sagen hatte. Und außerdem: Für diese Brot-Geschichte gab es sicher eine ganz natürliche Erklärung.

Nur ein paar Schritte außerhalb der engen, verwinkelten Gassen von Kfar Nahum, auf einer freien Fläche direkt am Ufer des Sees, versammelte sich die Menge; Jesus, seine Jünger und die einflussreichsten Männer der Orte am See in ihrer Mitte.*

* Die Darstellung der folgenden Diskussion greift auf den Abschnitt Kapitel 6, 22-59 im Johannesevangelium zurück. Dabei werden Stellen, die wörtlich aus dem Evangelium zitiert werden, hier halbfett-kursiv gedruckt, um sie von den frei erzählten Gesprächsteilen zu unterscheiden.

Jeschuah versuchte zuerst, den Zuhörern zu erklären, dass das Brot, das sie gestern gegessen hatten, nur ein Zeichen war für eine viel größere, bedeutendere Wirklichkeit: „Wahrlich, wahrlich, ich sage euch: Ihr sucht mich, weil ihr von dem Brot gegessen habt und satt geworden seid. Ich aber sage euch, schafft euch Speise, die nicht vergänglich ist, sondern die bleibt zum ewigen Leben. Die wird euch der Menschensohn geben; denn auf dem ist das Siegel Gottes des Vaters.”

Nun konnte sich Rabbi Schammai nicht mehr halten: „Ach ja? Und woher nimmt dieser Jeschuah aus Nazareth solche Speise, die ewiges Leben verspricht? Hat er vielleicht die Engel im Himmel als Köche angestellt oder vielleicht doch die Teufel in der Hölle?”

Rabbi Schammai hatte eine tiefe und weittragende Stimme, die sich mühelos gegen alle anderen durchsetzte und auch in den hintersten Reihe noch gut verständlich war. Auch aus der Menge kamen kritische Zwischenrufe: „Was tust du für ein Zeichen, damit wir sehen und dir glauben? Was für ein Werk tust du? Unsere Väter haben in der Wüste das Manna, das Brot vom Himmel gegessen und sind doch wieder hungrig geworden.” Jeschuah ließ die Angriffe des Rabbi unbeachtet und wandte sich direkt an die Rufer: Wahrlich, wahrlich, ich sage euch: Nicht Mose hat euch das Brot vom Himmel gegeben, sondern mein Vater gibt euch das wahre Brot vom Himmel. Denn Gottes Brot ist das, das vom Himmel kommt und gibt der Welt das Leben.” Ein paar Frauen aus den hintersten Reihen, wo die einfachen Leute saßen, überwanden ihre Scheu und riefen: Herr, gib uns allezeit solches Brot.

Jeschuah stand auf, damit er die Frauen direkt anschauen und anreden konnte: „Ich bin das Brot des Lebens. Wer zu mir kommt, den wird nicht hungern; und wer an mich glaubt, den wird nimmermehr dürsten.” Und zur Menge gewandt fuhr er fort: „Aber ich habe euch gesagt: Ihr habt mich gesehen und glaubt doch nicht. Alles, was mir mein Vater gibt, das kommt zu mir; und wer zu mir kommt, den werde ich nicht hinausstoßen.”

Sofort fuhr das laute Organ Rabbi Schammais wieder dazwischen: „Jetzt will er sogar noch selbst das Brot des Lebens sein; wie denn, sollen wir uns jeder ein Stück von ihm abschneiden, um satt zu werden?”

Schimon spürte, wie sich die Stimmung in der Menge nach und nach veränderte. Waren die meisten anfangs noch mit der Absicht gekommen, Jeschuah nun zu einer Aktion zu überreden, die ihn als Messias und künftigen König Israels bekannt machen sollte, so waren nun die Meinungen geteilt. Das Brotwunder am Vortag hatte sie begeistert und überzeugt, aber seine Worte konnten sie nicht in ihr gewohntes Weltbild einordnen. Was sollte denn das heißen „Ich bin das Brot des Lebens, das vom Himmel gekommen ist?”

Aus der ersten Reihe stand ein stattlicher Mann auf mit langem grauem Bart und gedrehten Schläfenlocken. Alle kannten ihn: Es war der Tuchhändler Schaul aus Beth Zaida, der auf allen Märkten präsent und in allen Orte bekannt war, auch in Nazareth. „Ist dieser nicht Jesus aus Nazareth, Josefs Sohn, dessen Vater und Mutter wir kennen? Wieso spricht er dann: Ich bin vom Himmel gekommen?“ Die Zustimmung der meisten in der Menge war unüberhörbar.

Auch Jeschuah hatte sich wieder erhoben und er musste sich anstrengen, um die zunehmende Unruhe zu übertönen: „Ich bin das Brot des Lebens. Eure Väter haben in der Wüste das Manna gegessen und sind gestorben. Dies ist das Brot, das vom Himmel kommt, damit, wer davon isst, nicht sterbe. Ich bin das lebendige Brot, das vom Himmel gekommen ist. Wer von diesem Brot isst, der wird leben in Ewigkeit. Und dieses Brot ist mein Fleisch, das ich geben werde für das Leben der Welt.”

Jetzt konnte Schimon spüren, wie die Emotionen und die Empörung in der Menge hochkochten. Einige sprangen auf, gestikulierten heftig mit den Armen, zeigten auf Jeschuah und riefen: „Ist denn dieser Mann wahnsinnig oder von einem Dämon besessen? Wie kann er uns sein Fleisch zu essen geben?”

Auch Schimon selbst war einen Augenblick wie vor den Kopf gestoßen: Was meinte Jeschuah damit? Wer sollte denn so etwas verstehen? Und was sollte das mit Jeschuahs Berufung als Messias-König zu tun haben?

Die alles übertönende Stimme Rabbi Schammais beendete die Versammlung: „Ihr habt es gehört, er ist ein Lästerer und ein Narr. Hört nicht auf ihn! Außerdem beginnt bald der Schabbat; geht nach Hause!”

Die folgende Nacht war eine von der Art, wie sie Schimon Petrus hasste. Er hatte kaum geschlafen. Hundemüde und hellwach zugleich hatte er sich auf seinem Bett herumgewälzt, während seine Gedanken zwanghaft immer wieder die gleichen Wege im Kreis gingen. „Ich bin das Brot, das von Gott kommt, die Nahrung für das Leben, das zu Gott führt”, ja, so weit konnte Schimon der Predigt Jeschuahs folgen. Das hatten er und die anderen Jünger oft genug erlebt. Die Botschaft Jesu, ja er selbst, seine Gegenwart, seine Freundlichkeit, seine Liebe, die er ausstrahlte und seine Macht über die Mächte der Krankheit und des Todes, die hatte vielen den Weg frei gemacht, so dass sie nun, gefestigt im Glauben, weiter auf Gott zugehen konnten.

Aber das mit dem Fleisch, das Jeschuah geben will für das Leben der Welt, das konnte er, ja das wollte er nicht verstehen, das ging gegen alle seine Vorstellungen und Denkmöglichkeiten. In diesem Augenblick fiel Schimon eine Szene beim Pessach-Fest im vergangenen Jahr ein. Als sie da am „ersten Tag der ungesäuerten Brote” zusammensaßen, da hatte Jeschuah auch so seltsame Andeutungen gemacht: „Mein Leib ist die rechte Speise, so wie es das ungesäuerte Brot als Stärkung auf dem Weg in die Freiheit war. Und mein Blut ist der rechte Trank zur Vergebung der Sünden, so wie das Blut des Lammes an der Türschwelle des Hauses Zeichen der Verschonung war für alle, die im Hause wohnten.”

Damals hatte Schimon und hatten alle, die da bei Tisch lagen, nicht weiter darauf geachtet. Aber jetzt schien es Schimon, als enthielten diese Worte ein Geheimnis, das noch darauf wartete, entschlüsselt zu werden. Aber wie sollte es nun weitergehen? Wie gut, dass jetzt erst einmal Schabbat war. Das würde die Gemüter wieder etwas beruhigen.

Am nächsten Morgen war die Synagoge schon fast bis auf den letzten Platz besetzt, als Schimon dort ankam. Jeschuah war auch schon da; mit Jaakov und Jochanan Ben Savdai saß er auf der Steinbank entlang der südlichen Außenmauer. Auch Rabbi Schammai war da, aber in der Schabbat-Feier hatte er als Thora-Lehrer keine besondere Funktion. Schimon begrüße einige Nachbarn, dann setzte er sich auf den freien Platz neben Jeschuah.

Die Schabbat-Feier nahm ihren gewohnten Verlauf: Unter der Leitung des Chasan (Vorbeter) wurden die Brachot (Segenssprüche) und Psalmen gelesen, das Schma Jisrael und das Schmone Esre (Hauptgebete des jüdischen Gottesdienstes) gebetet, die Thoralesung (Lesung aus den Mose-Büchern) und Haftera-Lesung (Lesung aus den Propheten) gehalten. Als die Textauslegung dran war stand Rabbi Schammai auf: „Wir haben gestern bei der Versammlung am See seltsame Dinge gehört. Jeschuah aus Nazareth, der sie ausgesprochen hat, ist unter uns, so ist jetzt der richtige Ort und die richtige Zeit, dass er uns sein Anliegen noch einmal eingehend und in aller Ruhe erklären kann.” Schimon und die beiden Söhne des Savdai sahen sich an. Was sollte das werden? War Rabbi Schammai zur Einsicht gekommen und war wirklich interessiert oder wollte er Jeschuah dazu verleiten, jetzt am Schabbat und hier in der Synagoge, mit der ganzen Gemeinde als Zeugen, Aussagen zu machen, die ihm als Gotteslästerung ausgelegt werden konnten?

Jeschuah stand auf. Er ging nicht zum Lesepult, sondern sprach von seinem Platz aus: „Gestern habe ich gesagt: ich bin das Brot des Lebens. Versteht mich recht: Nicht das Brot, das ihr auf dem Berg gegessen habt, ist das Entscheidende. Wer solches Brot isst, wird wieder Hunger bekommen. Ich aber will euch die Speise geben, die von Gott kommt und durch die ihr die innere Kraft bekommt, den Weg zu gehen, der zu Gott hinführt.”

Am Schabbat war es nicht üblich, in der Synagoge Diskussionen zu führen. Trotzdem fragte einer: „Und woher nehmen wir diese Speise?” Jeschuah antwortete: „Ich selbst bin diese Speise. Wahrlich, wahrlich, ich sage euch: Wenn ihr nicht das Fleisch des Menschensohns esst und sein Blut trinkt, so habt ihr kein Leben in euch. Wer mein Fleisch isst und mein Blut trinkt, der hat das ewige Leben, und ich werde ihn am Jüngsten Tage auferwecken. Denn mein Fleisch ist die wahre Speise, und mein Blut ist der wahre Trank. Wer mein Fleisch isst und mein Blut trinkt, der bleibt in mir und ich in ihm. Wie mich der lebendige Vater gesandt hat und ich lebe um des Vaters willen, so wird auch, wer mich isst, leben um meinetwillen. Dies ist das Brot, das vom Himmel gekommen ist. Es ist nicht wie bei den Vätern, die gegessen haben und gestorben sind. Wer dies Brot isst, der wird leben in Ewigkeit.”

In diesem Augenblick unterbrach ihn die volltönende Stimme Rabbi Schammais: „Das ist eine harte Rede; wer kann sie hören? Ich jedenfalls will mir solche lästerlichen Reden nicht weiter anhören. Ich gehe und wer ein rechtgläubiger Jude ist, der soll mir folgen!”

Er stand auf und ging quer durch den Raum zum Ausgang. Spontan folgten ihm einige. Dann entstand eine kurze, unsichere Stille. Da stand einer der angesehenen Bürger Kfar Nahums auf und ging. Mehrere folgten ihm, auch etliche von denen, die bisher Jeschuah nachgefolgt waren. Schließlich erhoben sich die meisten, so das es am Ausgang ein Gedränge gab.

Die Stille, nachdem sie den Raum verlassen hatten, war lang und schwer. Erst jetzt sah Schimon, dass auch die übrigen der zwölf engsten Jünger Jeschuas da waren, er hatte sie vorhin in dem vollbesetzten Raum nur nicht wahrgenommen. Sie kamen nun zusammen und bildeten einen Halbkreis um Jeschuah. Einigen schien die Stille nun unerträglich lang, aber niemand wollte das Wort ergreifen. Da hob Jeschuah den Kopf, sah seine Jünger der Reihe nach an und sagte leise: „Wollt ihr auch weggehen?” Schimon Petrus holte tief Luft und dann brach es aus ihm heraus: „Herr, wohin sollen wir gehen? Du hast Worte des ewigen Lebens; und wir haben geglaubt und erkannt: Du bist der Heilige Gottes.”

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Weiterlesen im folgenden Beitrag:Siehe, wir ziehen hinauf nach Jerusalem

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Bodo Fiebig „Bist du es, der da kommen soll?, Version 2020-2

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