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Themenbereich: Jesus - der Weg

Thema: Gesetz oder Liebe?

Beitrag : Brot und Wein (Bodo Fiebig 2018-1)

Jesus starb am Kreuz und mit ihm das wahre Bild Gottes unter den Menschen (Jo 14, 9: Wer mich sieht, sieht den Vater!). Und das war ja zugleich auch die Grund-Berufung allen Menschseins (1. Mose 1,27: Und Gott schuf den Menschen zu seinem Bilde). Dann ist also alles aus, dann ist also mit Jesus am Kreuz auch die wahre Menschlichkeit in dieser Welt endgültig ausgestorben? Nein. Die Frucht ist ja gleichzeitig auch Same: Jesus sagt selbst (Jo 12, 24-25): Wahrlich, wahrlich, ich sage euch: Wenn das Weizenkorn nicht in die Erde fällt und erstirbt, bleibt es allein; wenn es aber erstirbt, bringt es viel Frucht. Die Frucht seines Lebens und Sterbens war die Jüngergemeinschaft, war die christliche Urgemeinde aus Juden und Heiden, wurde nach und nach die weltweite Kirche. Ihr seid das Salz der Erde und das Licht der Welt und die Stadt auf dem Berge, sagt Jesus (Mt 5, 13-16). Jesus ist in den „Weinberg des Menschseins“ gekommen und hat da als Mensch unter Menschen gelebt, als Samenkorn wahren Menschseins, damit da die Früchte der Liebe und des Friedens wachsen und reifen können (siehe dazu auch „Jesus, der Weg“, Beitrag „Das Abendmahl“).

Jesus sagt ganz eindeutig, dass er sein Leben freiwillig gibt, für die, die ihm anvertraut sind: Jo 10, 11: Ich bin der gute Hirte. Der gute Hirte lässt sein Leben für die Schafe. Dabei ist Jesus nicht Gegenspieler des Vaters, sondern ganz eins mit ihm in der Liebe (Jo 10, 17+18): Darum liebt mich mein Vater, weil ich mein Leben lasse, dass ich's wiedernehme. Niemand nimmt es von mir, sondern ich selber lasse es. Ich habe Macht, es zu lassen, und habe Macht, es wiederzunehmen. Damit erweist sich Jesus als das krasse Gegenteil der „Weingärtner“ in seinem Gleichnis. Während sie, die Verantwortlichen in Israel (und später auch in der Kirche), den ihnen anvertrauten „Weinberg“ (das Volk Gottes) ausbeuten, um sich selbst zu bereichern, gibt Jesus sein Leben hin, um seine „Herde“ (jetzt im Bild der Hirtengleichnisse gesprochen) zu retten. Und er fügt hinzu: Dies Gebot (Weisung, Auftrag) habe ich empfangen von meinem Vater.

Aber sagt nicht Jesus selbst bei der Einsetzung des Abendmahls, dass er seinen Leib und sein Blut opfern muss, damit Gott unsere Sünden vergeben kann? Mt 26,26-28: Als sie aber aßen, nahm Jesus das Brot, dankte und brach's und gab's den Jüngern und sprach: Nehmet, esset; das ist mein Leib (Lk 22,19: „... der für euch gegeben wird). Und er nahm den Kelch und dankte, gab ihnen den und sprach: Trinket alle daraus; das ist mein Blut des Bundes, das vergossen wird für viele zur Vergebung der Sünden.

Sehen wir hin, was wirklich dasteht: Jesus gibt sein Leben. „Leib und Blut“ meint die ganze Existenz Jesu. Das Stück Brot in unserer Hand beim Abendmahl ist nicht ein verwandeltes Stück Fleisch aus dem biologischen Leib Jesu, sondern vergegenwärtigt zusammen mit dem Wein die ganze Person Jesu in ihrer ganzen göttlich-menschlichen Existenz. zur Überwindung aller Verfehlung menschlicher Existenz. Der Opfergedanke des Alten Testaments, wo stellvertretend für den schuldig gewordenen Menschen ein Tier sein Leben lassen musste, damit dessen Tod als Sühne für die Schuld des Menschen angerechnet werden konnte, ist hier nicht angesprochen. Dort musste einer, der selbst schuldig geworden war, ein Opfer darbringen als Zeichen seiner Reue und der Echtheit seiner Bitte um Vergebung. Hier aber gibt ein Unschuldiger sein eigenes Leben hin, nicht um den Zorn Gottes zu besänftigen, sondern, um mitten im selbstentfremdeten Menschsein ein Beispiel göttlicher Liebe zu verwirklichen (Joh 15,13): Niemand hat größere Liebe als die, dass er sein Leben lässt für seine Freunde. Wir sehen also: Jesus musste nicht seinen Leib und sein Blut geben, weil Gott ein leiblich-blutiges Opfer brauchte, sondern er gibt freiwillig sein Leben hin, weil wir (und damit sind alle Menschen gemeint!) das Leben Jesu brauchen (Jo 6,51): Ich bin das lebendige Brot, das vom Himmel gekommen ist. Wer von diesem Brot isst, der wird leben in Ewigkeit.

Der Tod Jesu am Kreuz ist kein Sühneopfer zur Besänftigung des Zornes Gottes, sondern Selbsthingabe Jesu im Einklang mit der Liebe des Vaters, der seinen Sohn in den Weinberg des Menschseins sendet (im Wissen, was die Menschen da mit ihm machen werden) damit dort wahres Menschsein zum Vollzug kommt (als Beispiel und Vor-Bild) und zum Lebenselement menschlicher Gemeinschaft wird. Joh 13, 34+35: Ein neues Gebot gebe ich euch, dass ihr euch untereinander liebt, wie ich euch geliebt habe, damit auch ihr einander liebhabt. Daran wird jedermann erkennen, dass ihr meine Jünger seid, wenn ihr Liebe untereinander habt. Aber nicht nur innerhalb der Jüngergemeinschaft soll sich diese Liebe bewähren, sondern auch im Umgang mit einer manchmal ablehnend und feindlich eingestellten Umwelt: In der Bergpredigt sagt Jesus (Mt 5, 43-44): Du sollst deinen Nächsten lieben und deinen Feind hassen.“ Ich aber sage euch: Liebt eure Feinde und bittet für die, die euch verfolgen … (Manche alten Überlieferungen fügen hinzu: „segnet, die euch fluchen, tut wohl denen, die euch hassen“). So liebt man seine Feinde! Das ist nicht zuerst etwas, was Jesus von seinen Jüngern verlangt, sondern etwas, das er selbst ihnen vorlebt, sogar noch in der Todesstunde am Kreuz: Vater, vergib ihnen, denn sie wissen nicht was sie tun (Lk 23, 34). Jesus liefert sich menschlicher Feindschaft und menschlichem Hass aus, um eben diese feindselige, hasserfüllte Menschheit zu retten.

Jesus bringt nicht nur die Gaben der Liebe Gottes, sondern er ist selbst diese Gabe. Nur wenn diese Gabe Gottes im Menschen und in jeder menschlichen Gemeinschaft gegenwärtig ist, kann das Menschsein werden, was es sein soll: Ebenbild Gottes. (Jo 17, 22-23, unmittelbar vor der Gefangennahme, Verurteilung und Kreuzigung Jesu): Und ich habe ihnen die Herrlichkeit gegeben, die du mir gegeben hast, damit sie eins seien, wie wir eins sind, ich in ihnen und du in mir, damit sie vollkommen eins seien und die Welt erkenne, dass du mich gesandt hast und sie liebst, wie du mich liebst. Wir brauchen das Leben Jesu in uns und in allen unseren Lebensgemeinschaften, damit wir unserer Bestimmung gemäß als Menschen leben können. Wir können nur „eins sein in der Liebe“, wenn Jesus in uns ist, und nur so kann alles, was uns daran hindert (unsere Sündhaftigkeit und unser Egoismus) überwunden werden. Wenn wir in Brot und Wein des Abendmahles immer wieder das Leben Jesu in uns aufnehmen (zeichenhaft in Brot und Wein und gleichzeitig auch existenziell, im gewissen Glauben, dass sein Leben in unserem Leben gegenwärtig und wirksam wird), dann wird unser Leben nach und nach immer Jesus-gemäßer werden, und die Früchte wahrer Menschlichkeit werden in der Abendmahlsgemeinschaft, also in der Einheit und Gesamtheit der Jesus-Jünger und Jüngerinnen, wachsen und reifen, trotz aller menschlichen Unzulänglichkeit, Schwachheit, Selbstbezogenheit und Sündenanfälligkeit.

Wir Menschen können nicht „autonom“, aus uns selbst „gut“ sein. Wenn wir uns selbst überlassen bleiben, wird auf Dauer die Bosheit in uns siegen und sich das Recht des Stärkeren durchsetzen. Nur in Verbindung mit dem, der uns von Gott her den Samen für die Früchte der Menschlichkeit bringt, kann menschliches Miteinander gelingen (Joh 15, 1-5): Ich bin der wahre Weinstock, und mein Vater der Weingärtner. (...) Bleibt in mir und ich in euch. Wie die Rebe keine Frucht bringen kann aus sich selbst, wenn sie nicht am Weinstock bleibt, so auch ihr nicht, wenn ihr nicht in mir bleibt. Ich bin der Weinstock, ihr seid die Reben. Wer in mir bleibt und ich in ihm, der bringt viel Frucht; denn ohne mich könnt ihr nichts tun.

Er, der Sohn, soll in seinem Leben und Reden und Tun uns die wahre Menschlichkeit vor Augen führen (Joh 13,15): 15 Ein Beispiel habe ich euch gegeben, damit ihr tut, wie ich euch getan habe. Und das bezieht sich nicht nur auf die Fußwaschung (bei der Jesus diesen Satz gesprochen hat), sondern auf sein ganzes Leben. Jesus will mitten unter uns, mitten im „Weingarten“ des Menschseins sichtbar und erfahrbar zeigen, wie wahre Menschlichkeit aussehen kann. Wer ihn anschaut, wer sieht, wie er gelebt hat, hört, was er gesagt hat, wahrnimmt, wie er mit den Menschen umgegangen ist, der soll erkennen, wie das Menschsein von Anfang an eigentlich gemeint war und wie es gut werden kann. Die eine heilige und weltweite Kirche Jesu Christi ist aus seinem Sterben und seiner Auferstehung herausgewachsen und ihre Aufgabe ist die gleiche, wie sie Jesus selbst hatte: Durch sie und in ihr sollen (trotz aller Fehlhaltungen und Fehlhandlungen, die es auch innerhalb der Kirche gibt) die Früchte wahrer Menschlichkeit mitten im verwüsteten Weinberg des Menschseins gegenwärtig sein, wachsen und reifen: Liebe, Freude, Friede, Geduld, Freundlichkeit, Güte, Treue, Sanftmut, Keuschheit (Mäßigung) ... Die Gaben der Liebe Gottes, die bei uns zu Früchten der Menschlichkeit heranreifen sollen, sind dazu bestimmt, zur geistlichen und auch zwischenmenschlichen „Speise“ zu werden für den existenziellen Hunger der Menschen in allen Völkern, Rassen, Kulturen und sozialen Schichten.

Durch Jesus ist das wahre „Bild Gottes“ im Menschsein gegenwärtig. Durch ihn ist die Urberufung des Menschseins erfüllt (1. Mose 1, 27): Und Gott schuf das Menschsein sich zum Ebenbild, d. h. zur sichtbaren und erfahrbaren Vergegenwärtigung göttlichen Wesens mitten in dieser harten und lieblosen Welt. Jesus sagt: Wer mich sieht, der sieht den Vater! Genauer kann man die Berufung des Menschseins (jeden Menschseins!) nicht beschreiben. „Wer euch (euer gemeinsames Leben hier auf dieser Erde) sieht, der sieht euren Vater im Himmel“, das sollte man von jeder menschlichen Gemeinschaft sagen können. Wenn man sieht, wie Menschen, wie vor allem die Jünger und Jüngerinnen Jesu miteinander leben und miteinander umgehen, dann sollte man etwas (wenigstens etwas, und sei es noch so gering!) vom Wesen Gottes, etwas von seiner umfassenden, bedingungslosen und unzerstörbaren Liebe wahrnehmen, gewiss in aller menschlichen Unzulänglichkeit und Gebrochenheit, aber doch echt und gültig. Jeder Blick in die Nachrichtenmedien unserer Tage zeigt uns, wie weit wir davon entfernt sind (obwohl es viel mehr positives Miteinander unter den Menschen gibt, als uns die Medien weismachen wollen, die auf quotenträchtige Negativ-Schlagzeilen fixiert sind).

Darum, um uns dennoch das wahre Ebenbild Gottes im Menschsein vor Augen zu führen, geht Jesus den Weg in den „Weinberg“ des Volkes Gottes und des Menschseins, wissend, dass die „Weingärtner“ ihn töten werden: damit er (und mit ihm Gott selbst) in den Menschen und in allen zwischenmenschlichen Beziehungen gegenwärtig sein kann und das Menschsein das werden kann, was es von Anfang an sein soll: Ebenbild Gottes durch die Einheit in Liebe im Miteinander menschlicher Gemeinschaft.

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Das Thema „Gesetz oder Liebe?“ enthält gegenwärtig folgende Beiträge (der eben verwendete Beitrag ist gelb markiert):

Der Ehebruch

Der Schabbat

Warum musste Jesus am Kreuz sterben?

Brot und Wein

Israel und die Kirche

Die Liebe ist die Erfüllung des Gesetzes

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© 2013, Bodo Fiebig Der Ehebruch“, Version 2018-1

Herausgegeben im Selbstverlag, alle Rechte sind beim Verfasser. Vervielfältigung, auch auszugsweise, Übersetzung, Einspeicherung und Verarbeitung in elektronischen Systemen und jede Form von kommerzieller Verwertung nur mit schriftlicher Genehmigung des Verfassers

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