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Bereich 7: Jesus

Thema: Jesus – die Person

Beitrag 3: Jesu Selbstoffenbarung,  2020-2

Die Frage, wer denn Jesus wirklich sei, blieb in den folgenden zwanzig Jahrhunderten ein Thema, das seine Anhänger immer wieder in Zerreißproben und Spaltungen führte. Jesu öffentliches Auftreten, seine Verkündigung ebenso wie seine Wundertaten, begeisterte die Einen und enttäuschte die Anderen: Hatten sie nicht einen Davidssohn erwartet, der wie sein berühmter Vorfahre mit militärischen Mitteln die Befreiung des Volkes aus der Knechtschaft erstreiten würde?

Aber diese Frage beschäftigte nicht nur die Juden zur Zeit Jesu, sondern auch die entstehende christliche Kirche. Seit zwei Jahrtausenden ist diese Frage umstritten und manchmal auch hart umkämpft: Wer ist dieser Jesus aus Nazareth? Hier können und sollen keine nur einige Grundaussagen über Jesus (und auch mögliche Fehlentwicklungen) angesprochen werden.

Es gibt grundsätzlich zwei primäre Quellen zur Person Jesu: Zuerst und vor allem seine eigenen Aussagen über sich und dann, an zweiter Stelle, Aussagen anderer über ihn. Bei dieser zweiten Quelle kann man dann noch unterscheiden zwischen den Aussagen in den Evangelien und späteren Überlieferungen. Hier geht es zunächst und vor allem um Aussagen Jesu, mit denen er sich selbst offenbart. Denn wer könne es besser wissen als Jesus selbst, wer er war?

Viele Jünger Jesu können das, was sie mit ihrem „Rabbi“ erleben nicht recht einordnen: Wer ist das, der solche Wunder vollbringt und gleichzeitig so arm und machtlos erscheint?

Auch Johannes der Täufer, schon im Gefängnis, wird wieder unsicher: Ist Jesus wirklich der erhoffte Messias? Und wenn, warum greift er nicht ein? Er muss doch wissen, wie lebensbedrohlich seine Situation ist. Mt 11,2-6: Als aber Johannes im Gefängnis von den Werken Christi hörte,sandte er seine Jünger und ließ ihn fragen: Bist du es, der da kommen soll, oder sollen wir auf einen andern warten?

Jesus antwortete und sprach zu ihnen: Geht hin und sagt Johannes wieder, was ihr hört und seht: Blinde sehen und Lahme gehen, Aussätzige werden rein und Taube hören, Tote stehen auf, und Armen wird das Evangelium gepredigt; und selig ist, wer sich nicht an mir ärgert.

Die Antwort Jesu ist für Johannes enttäuschend und bestätigend zugleich: Nein es wird keine gewaltsame Befreiungsaktion geben, wo Jesus als Messias an der Spitze eines (irdischen oder himmlischen) Heeres erscheint und alle Feinde überwältigt. Aber es geschieht sichtbar und hörbar, was die Propheten von dem Messias verkündigt haben.

Hier wird von Jesus eine entscheidende Korrektur in der Erwartung der Menschen eingeleitet, besonders derer, die seine engsten Anhänger waren: Jesus ist nicht in erster Linie der Davidssohn, der wie sein berühmter Vorfahre mit Kampf und Krieg die politische Unabhängigkeit und Freiheit erringt und verteidigt, sondern der Sohn Gottes, durch den alles Schwache, Benachteiligte, Kranke, Behinderte, alles Leidende und Sterbende befreit werden, körperlich und spirituell gesunden und für immer leben soll. Und er ist als Sohn Gottes viel mehr als nur ein Davidnachkomme, der in einer bestimmten geschichtlichen Situation dem Volk Israel für kurze Zeit Freiheit und Sicherheit erkämpft, sondern er wird allen Menschen, die sich ihm anvertrauen, Vergebung, Heil und ewiges Leben geben.

Jesus korrigiert das Bild, das seine Zeitgenossen (und auch seine Jünger) von ihm haben, indem er selbst nach und nach immer neue Seiten und Facetten seiner Person offenbart.

1 Jesu Selbstoffenbarung durch Berufung auf das Alte Testament

Jesus macht seinen Anhängern und Zuhörern deutlich, dass die alttestamentliche Messias-Verheißung ganz noch andere Schwerpunkte hat als die des politischen Befreiers. Jesus greift in verschiedenen Zusammenhängen seiner Predigt Stellen aus den AT auf, die in der jüdischen Tradition auf den kommenden Messias hin gedeutet wurden und bezieht sie auf sich:

Er sieht sich als der„Eckstein“ aus Psalm 118 (Mt 21, 42): Jesus sprach zu ihnen: Habt ihr nie gelesen in der Schrift (Psalm 118,22.23): »Der Stein, den die Bauleute verworfen haben, der ist zum Eckstein geworden. Vom Herrn ist das geschehen und ist ein Wunder vor unsern Augen«?

Er identifiziert sich selbst mit dem leidenden „Gottesknecht“ aus Jesaja 53 (Luk 22, 37): Denn ich sage euch: Es muss das an mir vollendet werden, was geschrieben steht (Jesaja 53,12): »Er ist zu den Übeltätern gerechnet worden.« Denn was von mir geschrieben ist, das wird vollendet.

Er ist der „Freudenbote“ aus Jesaja 61 (Luk 4,16-21): Und er kam nach Nazareth, wo er aufgewachsen war, und ging nach seiner Gewohnheit am Sabbat in die Synagoge und stand auf und wollte lesen. Da wurde ihm das Buch des Propheten Jesaja gereicht. Und als er das Buch auftat, fand er die Stelle, wo geschrieben steht (Jesaja 61,1.2): »Der Geist des Herrn ist auf mir, weil er mich gesalbt hat, zu verkündigen das Evangelium den Armen; er hat mich gesandt, zu predigen den Gefangenen, dass sie frei sein sollen, und den Blinden, dass sie sehen sollen, und den Zerschlagenen, dass sie frei und ledig sein sollen, zu verkündigen das Gnadenjahr des Herrn. « Und als er das Buchzutat, gab er's dem Diener und setzte sich. Und aller Augen in der Synagoge sahen auf ihn. Und er fing an, zu ihnen zu reden: Heute ist dieses Wort der Schrift erfüllt vor euren Ohren.

Sein Reden und Handeln erfüllt die Verheißungen über den „Friedenskönig“ aus Sacharia 9 (Mt 21, 1-5): Als sie nun in die Nähe von Jerusalem kamen, nach Betfage an den Ölberg, sandte Jesus zwei Jünger voraus und sprach zu ihnen: Geht hin in das Dorf, das vor euch liegt, und gleich wer-det ihr eine Eselin angebunden finden und ein Füllen bei ihr; bindet sie los undführt sie zu mir! Und wenn euch jemand etwas sagen wird, so sprecht: DerHerr bedarf ihrer. Sogleich wird er sie euch überlassen. Das geschah aber, damiterfüllt würde, was gesagt ist durch den Propheten, der da spricht (Sach 9,9):»Sagt der Tochter Zion: Siehe, dein König kommt zu dir sanftmütig und reitet auf einem Esel und auf einem Füllen, dem Jungen eines Lasttiers.

Jesus erleidet das Schicksal des „Hirten“ aus Sach 13 (Mt 26,31): Da sprach Jesus zu ihnen: In dieser Nacht werdet ihr alle Ärgernis nehmen an mir. Denn es steht geschrieben (Sach 13,7): »Ich werde den Hirten schlagen, und die Schafe der Herde werden sich zerstreuen.« (Es gibt noch viel mehr Messiasverheißungen im AT, hier sind nur diejenigen aufgeführt, die Jesus selbst in seiner Predigt verwendet und ausdrücklich auf sich bezieht.)

Jesus sieht sein gegenwärtiges Leben und Leiden als Erfüllung göttlicher Verheißungen im Alten Testament. In diesen prophetischen Texten mischen sich Aussagen über die kommende Heilszeit unter dem messianischen König mit Aussagen über den leidenden Gottesknecht, der stellvertretend für die schuldbeladene Menschheit Schmerz und Tod auf sich nimmt, der verworfen, verfolgt und getötet wird. Besonders diese Seite seiner Berufung muss Jesus immer wieder betonen, um falsche Erwartungen abzuwehren. Erst bei seinem Wiederkommen in Herrlichkeit wird das ganze messianische Heil für alle Menschen erfahrbare Wirklichkeit.

2 Jesu Selbstoffenbarung in den „ich-bin-Aussagen”

Jesus fügt den (sehr unterschiedlichen) Messias-Prophezeiungen des Alten Testamts noch eine ganze Reihe neuer „Bilder” vom Messias hinzu, die ihn und sein Wesen offenbaren sollen. Das ist nicht zufällig so: Niemals könnte ein einziges „Bild” den „Gesalbten” Gottes darstellen. Wir Menschen können ja immer nur sehr menschliche Bilder von Gegenständen oder Vorgängen aus unserem alltäglichen Erfahrungsraum verstehen. Etwas gänzlich Neues ist uns nur indirekt im Vergleich mit dem Altbekannten zugänglich.

Und so macht es Jesus: Er wählt viele verschiedene seinen Zuhörern vertraute „Bilder”, die erst in ihrer vielfachen Zuordnung und Ergänzung eine (zwar menschlich beschränkte, aber doch zutreffende) Vorstellung von Jesus, den Messias ermöglichen.

Eine ganze Reihe von ihnen leitet er mit der prägnanten „Ich-bin”-Formel ein. Diese Ich-bin-Aussagen sind alle im Johannesevangelium enthalten. Johannes ist im Gegensatz zu den Synoptikern weniger an den äußeren Ereignissen, als an den inneren Vorgängen im Leben Jesu interessiert.

a) Jesus, das Brot des Lebens

Jo 6, 35+51+55: Jesus aber sprach zu ihnen: Ich bin das Brot des Lebens.Wer zu mir kommt, den wird nicht hungern; und wer an mich glaubt, den wird nimmermehr dürsten. (...) Ich bin das lebendige Brot, das vom Himmel gekommen ist. Wer von diesem Brot isst, der wird leben in Ewigkeit. Und dieses Brot ist mein Fleisch, das ich geben werde für das Leben der Welt. (…) Denn mein Fleisch ist die wahre Speise, und mein Blut ist der wahre Trank. Wer mein Fleisch isst und mein Blut trinkt, der bleibt in mir und ich in ihm.

Jesus sagt von sich selbst, er sei „Lebensspeise” für das Menschsein inseiner Beziehung zu Gott. So wie das körperliche Leben ernährt werden muss, damit es nicht schwach wird und stirbt, so muss auch unser geist-liches Menschsein „ernährt” werden. Und die „Nahrung”, durch die wir spirituell am Leben bleiben, ist die direkte und persönliche Bezie-hung zu ihm, Jesus. Weil es aber in dieser Welt keine „geistliche Existenz” des Menschen geben kann ohne eine leibliche Grundlage, deshalb dürfen wir unser „Anteil-haben-an-Jesus” auch leiblich vollziehen, indem wir sein „Fleisch und Blut” in Form von Brot und Wein in der Eucharistie leibhaftig zu uns nehmen.

b) Jesus, das Licht der Welt

Das Bild vom „Lebensbrot” allein könnte aber nur eine sehr einseitige Sicht von Jesus als Messias vermitteln, weil es eben nur eine Seite seines „von Gott kommenden” Wesens darstellt. Deshalb muss es ergänzt werden durch weitere Aspekte seines göttlich-menschlichen Seins. Eines dieser ergänzenden Bilder ist das vom Licht. Jo 8, 12: Da redete Jesus abermals zu ihnen und sprach: Ich bin das Licht der Welt. Wer mir nachfolgt, der wird nicht wandeln in der Finsternis, sondern wird das Licht des Lebens haben.

Licht und Erleuchtung sind etwas ganz anderes als Nahrung, aber beides ist notwendig. Und beides ist wichtig für ein voll entfaltetes körperliches und geistliches Menschsein. Wobei die spirituelle „Sehfähigkeit” die wichtigere ist, denn auch körperlich blinde Menschen können erleuchtete Gotteskinder und leuchtende Vorbilder im Leben und Glauben sein.

c) Jesus, die Tür zu den Schafen

Das dritte „Bild”, das Jesus für sich und seine messianische Berufung verwendet, ist das von der „Tür”. Jo 10, 7-10: Wahrlich, wahrlich, ich sage euch: Ich bin die Tür zu den Schafen. Alle, die vor mir gekommen sind, die sind Diebe und Räuber; aber die Schafe haben ihnen nicht gehorcht. Ich bin die Tür; wenn jemand durch mich hineingeht, wird er selig werden und wird ein- und ausgehen und Weide finden. Ein Dieb kommt nur, um zu stehlen, zu schlachten und umzubringen. Ich bin gekommen, damit sie das Leben und volle Genüge haben sollen.

Jesus ist die Tür. In zweifacher Weise: Als Tür für die Hirten der Herde. Die „Hirten”, die ohne Jesus oder an Jesus vorbei in den Stall oder Pferch eindringen, sind gar keine Hirten, sie sind Diebe und Räuber. Sie wollen die Herde zerstören, wollen „stehlen, schlachten und umbringen”.

Und Jesus ist gleichzeitig auch die Tür für die Schafe; durch ihn haben sie Zugang zum Raum der Geborgenheit und Fülle bei Gott. Die Schafe, die durch ihn hineingehen, werden „selig werden und ein- und ausgehen und Weide finden”.

d) Jesus, der gute Hirte

Direkt verbunden mit dem Bild von der Tür, ist das vierte Bild, das vom „guten Hirten”. Jo 10, 11-15: Ich bin der gute Hirte. Der gute Hirte lässt sein Leben für die Schafe. Der Mietling aber, der nicht Hirte ist, dem die Schafe nicht gehören, sieht den Wolf kommen und verlässt die Schafe und flieht- und der Wolf stürzt sich auf die Schafe und zerstreut sie -, denn er ist ein Mietling und kümmert sich nicht um die Schafe. Ich bin der gute Hirte und kenne die Meinen, und die Meinen kennen mich, wie mich mein Vater kennt,und ich kenne den Vater. Und ich lasse mein Leben für die Schafe.

Der Herr ist mein Hirte, mir wird nichts mangeln ...”, so beginnt der wohl bekannteste der 150 Psalmen der Bibel. Auf diesen Hirten-Psalm beruft sich Jesus und auf den „Herrn” (JHWH), der dort „Hirte” genannt wird und fügt diesem Hirten-Bild noch einen weiteren Aspekt hinzu: Er, als der gute Hirte, wird sein Leben dafür einsetzen, dass keines seiner Schafe verloren geht, sofern es nicht mutwillig die Herde und seinen Hirten verlässt (und selbst dann noch wird er das „verlorene Schaf” suchen und wenn er es findet „legt er sich's auf die Schultern voller Freude”, um es heimzubringen).

e) Jesus, die Auferstehung und das Leben

Bisher hat Jesus immer alltägliche Vergleiche aus der Umwelt seiner Zuhörer benutzt, um ihnen anzudeuten, wer er sei. Das fünfte „Bild” aber sprengt unsere alltäglichen Erfahrungen und Vorstellungen. Es geht um die Überwindung des Todes und ewiges Leben. Jo 11, 21-26: Als Marta nun hörte, dass Jesus kommt, geht sie ihm entgegen; Maria aber blieb daheim sitzen. Da sprach Marta zu Jesus: Herr, wärst du hier gewesen, mein Bruder wäre nicht gestorben. Aber auch jetzt weiß ich: Was du bittest von Gott, das wird dir Gott geben. Jesus spricht zu ihr: Dein Bruder wird auferstehen. Marta spricht zu ihm: Ich weiß wohl, dass er auferstehen wird - bei der Auferstehung am Jüngsten Tage. Jesus spricht zu ihr: Ich bin die Auferstehung und das Leben. Wer an mich glaubt, der wird leben, auch wenn er stirbt; und wer da lebt und glaubt an mich, der wird nimmermehr sterben.

Jesus bewirkt oder vermittelt nicht nur die Auferstehung, sondern er ist „die Auferstehung und das Leben”. Durch seinen stellvertretenden Tod „für uns” und seine Auferstehung von den Toten ist er auch Stellvertreter und Vor-Läufer unserer eigenen Auferstehung.*

*Siehe den Themenbeitrag „Leben und Tod”.

f) Jesus, der Weg, die Wahrheit und das Leben

Im sechsten Bild ist ein konkreter Begriff (Weg) verknüpft mit einem abstrakten Begriff (Wahrheit) und beide bekommen eine Zielrichtung: Das Leben im Vaterhaus Gottes. Jo 14, 2-6: In meines Vaters Hause sind viele Wohnungen. Wenn's nicht so wäre, hätte ich dann zu euch gesagt: Ich gehe hin, euch die Stätte zu bereiten? Und wenn ich hingehe, euch die Stätte zu bereiten, will ich wiederkommen und euch zu mir nehmen, damit ihr seid,wo ich bin. Und wo ich hingehe, den Weg wisst ihr. Spricht zu ihm Thomas:Herr, wir wissen nicht, wo du hingehst; wie können wir den Weg wissen? Jesus spricht zu ihm: Ich bin der Weg und die Wahrheit und das Leben; niemand kommt zum Vater denn durch mich.

Jesus Leben und Reden ist Wegweisung auf dem „Weg der Wahrheit” und auch seine Jünger und Nachfolger sollen diesen „Weg der Wahrheit” gehen. Es gibt auch den „Weg der Lüge” und viele meinen, er wäre der leichtere und einträglichere. Aber der Weg der Wahrheit ist der einzige Weg, der zum Leben führt, zu einem Leben in der Gegenwart der Liebe Gottes.

Diese „Wahrheit” ist untrennbar an die Person Jesu gebunden. Es gibt keinen Weg zum Leben bei Gott, zum Leben in den Wohnungen im Vaterhaus Gottes ohne den, der die Wahrheit Gottes verkündet.

Das letzte „Bild”, das Jesus verwendet, um zu zeigen, wer er ist und was seine messianische Berufung ausmacht, ist das Bild vom Weinstock, dem Weingärtner und den Reben. Jo 15, 1+5-8: Ich bin der wahre Weinstock, und mein Vater der Weingärtner. Eine jede Rebe an mir, die keine Frucht bringt, wird er wegnehmen; und eine jede, die Frucht bringt, wird er reinigen, dass sie mehr Frucht bringe. Ihr seid schon rein um des Wortes willen, das ich zu euch geredet habe. Bleibt in mir und ich in euch. Wie die Rebe keine Frucht bringen kann aus sich selbst, wenn sie nicht am Weinstock bleibt, so auch ihr nicht, wenn ihr nicht in mir bleibt. Ich bin der Weinstock, ihr seid die Reben. Wer in mir bleibt und ich in ihm, der bringt viel Frucht; denn ohne mich könnt ihr nichts tun. Wer nicht in mir bleibt, der wird weggeworfen wie eine Rebe und verdorrt, und man sammelt sie und wirft sie ins Feuer, und sie müssen brennen. Wenn ihr in mir bleibt und meine Worte in euch bleiben, werdet ihr bitten, was ihr wollt, und es wird euch widerfahren. Darin wird mein Vater verherrlicht, dass ihr viel Frucht bringt und werdet meine Jünger.

In dieser letzten der „Ich-bin-Aussagen” Jesu wird deutlich, dass sich Jesus niemals allein versteht, sondern immer in Beziehung mit dem Vater, dem Weingärtner und gleichzeitig in Beziehung mit seiner Jüngerschaft, den Reben. Den Messias kann es nur geben als Teil der Beziehungseinheit von Vater, Sohn und Jüngerschaft. Und die Jesus-Jüngerschaft, die Kirche, die Christenheit (einschließlich des messianischen Judentums) kann es nur geben in der Beziehung und durch die Beziehung mit ihrem Messias Jesus. (Siehe auch den Beitrag „Juden und Christen“).

Jesus will es uns leicht machen: Er gibt uns eine Fülle von Bildern und Verständnishilfen, die uns helfen können, ihn zu erkennen, ihn zu verstehen und die Beziehung zu ihm zu vertiefen und zu festigen. Erst durch die Vielfalt und Verschiedenartigkeit der sich ergänzenden Bilder und Vergleiche (Brot, Licht, Tür, Hirte, Auferstehung, Weg, Weinstock) wird für seine Zuhörer etwas von der Fülle seiner Person, seiner Berufung und seines Wesens erkennbar.

Aber trotz aller dieser Selbstdarstellung und Selbstoffenbarung Jesu haben Menschen jahrhundertelang immer wieder über ihn nachgegrübelt, oft haltlos spekuliert und manchmal auch sehr unbrüderlich gestritten: Ist er wirklich der von Gott gesandte Messias?

3 Jesu Selbstoffenbarung als Messias

Jesus hält seine Umgebung nicht im Ungewissen, wenn es um seine Berufung als Messias geht. Ungewiss ist jeweils nur, ob seine Umgebung versteht, was er ihnen sagen will. Jesus offenbart sich als der Messias durch seine Taten und durch seine Worte. Wort und Tat bestätigen sich gegenseitig. Vor allem seine Wundertaten sind augenscheinliche und handgreifliche Bestätigungen seiner Botschaft vom nahe gekommenen Gottesreich und seiner Berufung als „Friedefürst“ dieses Reiches.

In vielen Situationen und Gesprächen bestätigt Jesus ausdrücklich,dass er sich als der „Messias“ Gottes versteht (z. B. Mt 16, 15-17): Er sprach zu ihnen: Wer sagt denn ihr, dass ich sei? Da antwortete Simon Petrus und sprach: Du bist der Christus (hebr. Messias = der Gesalbte), des lebendigen Gottes Sohn! Und Jesus antwortete und sprach zu ihm: Selig bist du, Simon, Jonas Sohn; denn Fleisch und Blut haben dir das nicht offenbart, sondern mein Vater im Himmel.

Hier können bei weitem nicht alle Stellen angeführt werden, die solche Selbstoffenbarungen Jesu enthalten. Es werden nur einige typische Situationen herausgenommen, in denen das mehrfach geschieht.

Jesus bestätigt seine Messianität

- im Gebet

Jo 17 1-2: Solches redete Jesus und hob seine Augen auf zum Himmel und sprach: Vater, die Stunde ist gekommen: Verherrliche deinen Sohn, auf dass der Sohn dich verherrliche; so wie du ihm Macht gegeben hast über alle Menschen, auf dass er ihnen alles gebe, was du ihm gegeben hast: das ewige Leben.

- im engsten Jüngerkreis

Mt 24, 34-35: Wahrlich, ich sage euch: Dieses Geschlecht wird nicht vergehen, bis dies alles geschieht. Himmel und Erde werden vergehen; aber meine Worte werden nicht vergehen.

- im Gespräch mit Interessierten

Jo 4, 25-26: Spricht die Frau (am Jakobsbrunnen) zu ihm: Ich weiß, dass der Messias kommt, der da Christus heißt. Wenn dieser kommt, wird er uns alles verkündigen. Jesus spricht zu ihr: Ich bin's, der mit dir redet.

- in der Auseinandersetzung mit der religiösen Elite Israels

Lk 19,37-40 Und als er schon nahe am Abhang des Ölbergs war, fing di eganze Menge der Jünger an, mit Freuden Gott zu loben mit lauter Stimme über alle Taten, die sie gesehen hatten, und sprachen: Gelobt sei, der da kommt,der König, in dem Namen des Herrn! Friede sei im Himmel und Ehre in der Höhe! Und einige von den Pharisäern in der Menge sprachen zu ihm: Meister,weise doch deine Jünger zurecht! Er antwortete und sprach: Ich sage euch:Wenn diese schweigen werden, so werden die Steine schreien.

- Jesus erklärt, dass sein Leiden die Messias-Prophezeihungen des AT erfüllt.

Lk 24, 25-27 Und er sprach zu ihnen: O ihr Toren, zu trägen Herzens, alldem zu glauben, was die Propheten geredet haben! Musste nicht der Christus dies erleiden und in seine Herrlichkeit eingehen? Und er fing an bei Mose und allen Propheten und legte ihnen aus, was in allen Schriften von ihm gesagt war.

- An einigen Stellen aber verbietet Jesus, seine Messianität zu offenbaren.

Mt 17, 8-9: Als sie aber ihre Augen aufhoben, sahen sie niemand als Jesus allein. Und als sie vom Berge hinabgingen, gebot ihnen Jesus und sprach: Ihr sollt von dieser Erscheinung niemandem sagen, bis der Menschensohn von den Toten auferstanden ist.

Wir haben also eine solche Fülle von Selbstoffenbarungen Jesu vor uns (hier ist ja nur eine Auswahl wiedergegeben), dass es völlig abwegig erscheint, denen nun noch eigene Vermutungen und Spekulationen hinzuzufügen. Die „Christologie“ der Christen muss sich wesentlich auf die Selbstoffenbarung des Christus stützen, sonst geht sie in die Irre.

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Weiterlesen im Beitrag 3 Jesu Verhältnis zum Vater

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Bodo Fiebig „Jesu Selbstoffenbarung“ Version 2020-2

© 2007, herausgegeben im Selbstverlag, alle Rechte sind beim Verfasser.

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