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Bereich: mitmachen - Vision und Konkretion

Thema: Das Jerusalem-Projekt (Bodo Fiebig 2018-9)

Das Jerusalem-Projekt? Was sollen wir uns darunter vorstellen? In der Bibel (eine der ältesten und in ihrer Wirkungsgeschichte bedeutungsvollsten Textsammlungen der Menschheit) und dort im Buch des Propheten Jesaja wird es beschrieben:

Es wird geschehen zur Spätzeit der Tage: (...) Und es werden sich aufmachen viele Völker und werden sagen: Kommt und lasst uns hinaufsteigen zum Berg JaHWeHs, zum Hause des Gottes Jakobs, dass er uns unterweise über seine Wege und wir gehen auf seinen Pfaden. Denn Recht-Weisung wird ausgehen von Zion und das Wort JaHWeHs von Jerusalem. Und er wird Recht sprechen zwischen den Nationen und gerecht entscheiden für die Völker. Und da werden sie umschmieden ihre Schwerter zu Pflugscharen und ihre Speere zu Winzermessern. Und es wird nicht mehr Volk gegen Volk das Schwert erheben und sie werden nicht mehr lernen, wie man Krieg führt (Jes 2, 2-4/Micha 4, 1-4).

Dieser Text ist bekannt, auch über den Kreis der Bibelleser hinaus. Sogar vor dem Gebäude der Vereinten Nationen in New York steht ein Bronzekunstwerk, das einen Mann darstellt, der mit Hammer und Amboss ein Schwert umzuschmieden versucht in eine Pflugschar. Freilich muss man mit Enttäuschung wahrnehmen, dass die Friedensbemühungen der UN im Innern dieses Hauses sehr oft an den Egoismen der dort leider nicht sehr "vereinten" Nationen scheitern. Hat der Bibeltext wirklich etwas mit den Realitäten dieser Welt zu tun oder ist er nur Ausdruck einer unerfüllten Sehnsucht? Vielleicht liegt unsere Enttäuschung unter anderem darin begründet, dass wir die erhoffte Besserung von den falschen Mächten erwarten. Der in der Bibel angekündigte Frieden ist nicht ein Werk der "Vereinten Nationen" (oder allgemein Menschenwerk), sondern eine Verheißung, ein angekündigtes Vorhaben Gottes. Was aber ganz und gar nicht bedeutet, dass wir Menschen die Hände in den Schoß legen sollen, um tatenlos die großen Taten Gottes abzuwarten. Im Gegenteil: Gott will sein Vorhaben nicht ohne unser Zutun ausführen, auch wenn er selbst die entscheidenden Weichen stellt.

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1 Das Vorhaben Gottes

Recht-Weisung wird ausgehen von Zion und das Wort JaHWeHs von Jerusalem. (...) Da wird nicht mehr Volk gegen Volk das Schwert erheben und sie werden nicht mehr lernen, wie man Krieg führt“. Das ist das Jerusalem-Projekt Gottes; so hat er es angekündigt und so wird er es durchführen: Er will Jerusalem zum spirituellen Mittelpunkt der Erde machen, von dem aus Recht-Weisung (wörtlich „Tora”), also Richtungsweisung, Wegweisung, Anweisung, auch Zurechtweisung derer, die auf falschen Wege sind ... in die Regionen und Völker der Erde gehen, damit dort Frieden und Gerechtigkeit wachsen können. So wird es geschehen „zur Spätzeit der Tage”.

Aber Gott will nicht nur dann, „zur Spätzeit der Tage“ (also bei der Vollendung der Schöpfung im Friedens-Reich des Messias) Frieden schaffen, sondern auch in unserer Zeit (d. h. in der Vor-Zeit der Vollendung, in der der Friede immer angefochten und zerbrechlich ist, aber immer auch möglich). Vorläufigen und unvollkommenen Frieden zwar, aber doch für das Leben und Zusammenleben der Menschen hilfreich und wohltuend. Und auch dazu muss „Recht-Weisung ausgehen von Zion und das Wort JaHWeHs von Jerusalem”, damit die Völker der Erde wenigstens einige ihrer schlimmsten Waffen umschmieden zu Werkzeugen für den Aufbau des Friedens. Und diesen vor-läufigen Frieden in der Vor-Zeit der Vollendung, den will Gott mit und durch Menschen schaffen, die "seinen Namen heiligen und seinen Willen tun" (siehe die Bitte Jesu im Vaterunser).

Das alles geschieht nicht in einer Art „spirituellem Vakuum“, sondern inmitten der Fülle widerstreitender Meinungen und Einstellungen, Ideologien und Religionen der jeweiligen Zeit und selbstverständlich auch unserer Gegenwart. Die Weltgeschichte mit allen ihren großartigen Entwicklungen und furchtbaren Verirrungen ist die „Rahmenhandlung“, innerhalb derer sich die gegenwärtige Heilsgeschichte Gottes mit den Menschen vollzieht. In diesem zeitgeschichtlichen Rahmen will Gott sein „Jerusalem-Projekt” (das er ja schon vor Jahrtausenden begann) weiterführen und ans Ziel bringen durch seinen „Gesalbten“, den Messias und Heiland der Völker: Denn also hat Gott die Welt geliebt, dass er seinen eingeborenen Sohn gab, damit alle, die an ihn glauben, nicht verloren werden, sondern das ewige Leben haben. Denn Gott hat seinen Sohn nicht in die Welt gesandt, dass er die Welt richte, sondern dass die Welt durch ihn gerettet werde (Joh 3, 16+17).

Welt-Rettung, das ist das Vorhaben Gottes und er wird es genau so durchführen, wie er es sich vorgenommen hat. Und nur er kann es zum Ziel bringen. Alle Versuche von Menschen, die Welt zu retten, sind auf furchtbare Weise gescheitert. Vor allem das vergangene 20. Jahrhundert weist schrecklichste Beispiele dafür auf: Die Nazis wollten die Welt retten vor den verderblichen Einflüssen des Judentums, die Kommunisten wollten die Welt retten vor den schändlichen Machenschaften der Kapitalisten, und die Kapitalisten wollten die Welt retten vor den schrecklichen Plänen der Kommunisten usw. Das Ergebnis dieser Welt-Rettungs-Versuche waren Millionen unschuldige Opfer. Trotzdem: Gott will sein „Jerusalem-Projekt” nicht ohne die Menschen verwirklichen, nicht ohne das Gottesvolk Alten und Neuen Testamentsuns, nicht ohne uns. Das Reich Gottes ist Verheißung und Geschenk, ja, aber es ist auch Anfrage und Auftrag für die, denen die Bitte Jesu im Vaterunser zur Herausforderung des Lebens und Handelns wird: Dein (des Vaters) Name werde geheiligt, dein Reich komme, dein Wille geschehe, wie im Himmel, so auch auf Erden. Überall da „auf Erden“, wo der Name Gottes geheiligt wird, und wo sein Reich (seine Herrschaft) kommt, weil da sein Wille geschieht, da ist der “Himmel“ schon gegenwärtig. Da kann und soll der umfassende Schalom Gottes hier und jetzt, in dieser Welt und Zeit zwar nur vorläufig, zeichenhaft und unvollkommen zur Verwirklichung kommen, aber doch lebenspraktisch, echt und gültig.

Freilich, von menschlichen Mächten haben wir da kaum die entscheidenden Fortschritte zu erwarten. Zu groß ist die Versuchung der Macht, wenn man sie erst einmal in den Händen hat. Es werden wohl die machtlosen, manchmal ohnmächtigen „kleinen Leute“ sein müssen, die mit großem Vertrauen auf ihren großen Gott, in aller Bescheidenheit, aber  im Glauben an die Verheißungen der Bibel den Weg des Friedens suchen und gehen. Aber die haben die bedingungslose Zusage des Mächtigen im Himmel, dass die Mächtigen der Erde nicht das letzte Wort haben werden.

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2 Ausgerechnet Jerusalem?

Aber warum ausgerechnet Jerusalem? Jerusalem gilt heute als Zankapfel der Nationen und als Zentrum eines menschheitsbedrohenden Konflikts. Aber genau da will Gott (und wir werden ihm das nicht ausreden können), entsprechend seinen Verheißungen das Zentrum seiner Friedensarbeit errichten. Dort will er nicht nur Frieden schaffen, sondern von dort soll Frieden ausgehen für alle Völker. Von dort aus will er die ganze Menschheit zu der einen Friedensgemeinschaft sammeln, für die er sie geschaffen hat. Und das soll auch heute eine zwar nur unvollkommene und vorläufige, aber doch konkrete und erlebbare Vor-Verwirklichung finden.

Die Geschichte des zukünftigen „Himmelreichs” braucht eine irdisch-gegenwärtige Vor-Geschichte. Und die soll (nach dem Willen Gottes!) ihren Ausgangs- und Mittelpunkt in Jerusalem haben. Das ist ist kein weltferner Wunschtraum, sondern das ist ja in der historisch fassbaren Realität der vergangenen Jahrhunderte auch bisher schon so geschehen: Von Jerusalem aus (von der jerusalemer christlichen Urgemeinde aus, die aus lauter messiasgläubigen Juden bestand) ist der Glaube an den einen Gott, der „Himmel und Erde geschaffen hat” im Laufe von zweitausend Jahren um die Welt gegangen durch die Ausbreitung der biblischen Offenbarung über alle Kontinente der Erde. Wer hätte denn das damals für möglich gehalten, als eine winzige Gruppe jesusgläubiger Juden (12 unbedeutende Leute aus der Gegend am See Genezareth, von denen einer zum Verräter wurde) anfingen, vom verheißenen "Reich Gottes" zu reden? Und diese „Vor-Geschichte des Himmelreichs” soll auch heute (und heute mehr denn je) ihre irdisch wahrnehmbare und mitvollziehbare Ausformung bekommen.

Ist es wirklich undenkbar, dass christliche Kirchen und Gruppierungen, vielleicht auch schon zusammen mit Gemeinschaften und Autoritäten jüdischen Glaubens (also alle, deren Glauben und Leben auf biblischem Fundament steht), dass die in Jerusalem eine Art „Spirituelles Zentrum für eine weltweite Gesellschafts- und Friedensdiakonie" auf der Grundlage der biblischen Weisungen einrichten?

Ist es wirklich unvorstellbar, dass Juden und Christen gemeinsam für die ungelösten Fragen dieser Welt Antworten suchen, die im Wort Gottes begründet sind, hilfreich und wegweisend für das Leben und das Zusammenleben der Menschen in ihren ganz realen Gegebenheiten und Beziehungen? (Siehe dazu auch die Textsammlung unter dem Thema „Die Tore Jerusalems“)

Und sollte es wirklich unmöglich sein, dass sich biblisch gläubige Menschen, Juden und Christen (vielleicht auch zusammen mit „Menschen guten Willens” aus anderen Religionen und Weltanschauungen) an vielen Orten auf allen Kontinenten der Erde zusammenfinden, um da ganz konkret und praktisch dem Leben zu dienen und den Frieden unter den Menschen zu fördern?

Sollte die Vorstellung wirklich so völlig abwegig sein, dass sie da Stationen und Knotenpunkte einer weltweit vernetzten Diakonie einrichten, um für die konkreten Probleme der Gegenwart und die Herausforderungen der Zukunft praktisch begehbare Wege zu finden, erfolgversprechende Strategien zu entwickeln und hilfreiche Handlungsmodelle zu erproben, die nicht vor allem vom individuellen oder kollektiven Egoismus motiviert sind? Wege, Strategien und Handlungsweisen, die den Bedürfnissen und Sehnsüchten der Menschen ebenso entsprechen wie den menschenfreundlichen Weisungen Gottes? Eine "Gesellschafts- und Friedensdiakonie", eingewoben in ein weltweites Netzwerk des Glaubens.

Im Neuen Testament der Bibel sind die Strukturen, Lebensformen und Arbeitsweisen schon vorgezeichnet, mit deren Hilfe Gott sein „Jerusalem-Projekt“ voranbringen will: Ein spirituelles Zentrum in Jerusalem und ein weltweites Netzwerk biblisch begründeter „Gesellschafts- und Friedensdiakonie”. So könnte (in aller menschlichen Schwachheit, Unvollkommenheit und Schuldbelastung) ein zeitgemäßes „Senfkorn des Reiches Gottes”, eine der heutigen Verfassung der Menschheit angemessene Vor-Verwirklichung des „Himmelreichs” auf dieser armen, geschundenen, bedrohten und doch auch so wunderschönen Erde aussehen. Warum sollen ausgerechnet die selbstverständlichsten und notwendigsten Dinge immer als „unrealistisch, naiv und völlig illusorisch“ abgetan werden?

Wer wollte behaupten, es könnten unter den Menschen immer nur der Egoismus und die Habgier, die Entrechtung und die Ausbeutung, die Unterdrückung und die Gewalt zur globalen und „systemrelevanten“ Entfaltung gelangen und nicht auch die Mitmenschlichkeit, die Friedensbereitschaft und die helfende Zuwendung im Miteinander und Füreinander menschlicher Gemeinschaft?

Warum sollte es ein unumstößliches Gesetz sein und bleiben, dass nur die Machtgier, die Habsucht und die Selbstverherrlichung im Wortsinn "Welt-bewegend" und "Zukunfts-gestaltend" wirken können und nicht auch der bewusste Verzicht auf unbegrenzte Macht und maßlosen Besitz, auf unmäßigen Konsum  und übermäßige Selbstverherrlichung? 

Die gegenwärtige Tendenz, die Handlungsmuster des Egoismus zu globalisieren (z. B. in den weltweiten Finanz- und Wirtschaftssystemen) und die Handlungsspielräume der Mitmenschlichkeit zu privatisieren führt (z. B. darf ja jeder Einzelne für arme Länder spenden soviel er mag, solange das nicht die Ausbeutungsstrategien mancher Konzerne in Frage stellt), führt in der Konsequenz zur Entmenschlichung der Menschheit und ist eine Usache für den Unfrieden in der Welt. Gott aber will, dass seine Friedensbotschaft alle Menschen erreicht und errettet: Geht hin in alle Welt und predigt die Frohe Botschaft aller Kreatur (Mk 16,15) … Da sprach Jesus abermals zu ihnen: Friede sei mit euch! Wie mich der Vater gesandt hat, so sende ich euch (Jo 20,21).

Eine "Gesellschaftsdiakonie" im Sinne einer Versöhnungs- und Friedensarbeit zwischen Personen und Gruppen, zwischen Ehepartnern und in Familien, zwischen christlichen Glaubensgemeinschaften und kirchlichen Traditionen, zwischen Religionen, Weltanschauungen und Ideologien, zwischen Völkern und Kulturen ..., mit einem spirituellen Zentrum in Jerusalem und mit einer Vielfalt von weltweit vernetzten diakonischen Stationen und Initiativen, das  wäre eine konkrete Ausgestaltung des "Jerusalem-Projekts" Gottes in unserer Welt und Zeit.

In den Themen und Beiträgen zum Themenbereich "Vision und Konkretion" und in den Arbeitsbereichen im Bereich "mitmachen" sollen dazu konkrete Vorschläge erarbeitet werden.

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Das Jerusalem-Projekt Version 2018-9

© 2017 Bodo Fiebig

Herausgegeben im Selbstverlag, alle Rechte sind beim Verfasser.

Vervielfältigung, auch auszugsweise, Übersetzung, Einspeicherung und Verarbeitung in elektronischen Systemen und jede Form von kommerzieller Verwertung nur mit schriftlicher Genehmigung des Verfassers

 

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