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Bereich: mitmachen - Vision und Konkretion

Thema: Das Jerusalem-Projekt

Beitrag 1: Das Vorhaben Gottes (Bodo Fiebig 2020-5)

Die Geschichte des Universums und die Geschichte der Menschheit werden nicht von Zufälligkeiten geschrieben. Das ist eine Glaubensaussage, keine wissenschaftlich belegte Tatsache. Trotzdem gibt es auch gute Argumente dafür, dass sie mehr ist, als „nur“ religiöse Phantasie (siehe die Themen „Die Frage nach dem Sinn“, „Zwischen Schöpfung und Vollendung“ und „Schöpfungsglaube und modernes Weltbild“). Hier, beim Thema „Das Jerusalem-Projekt“, geht es allerdings gar nicht um die Fragen nach der Entstehung des Universums, sondern darum, ob das Universum eine Zukunft hat. Eine Zukunft, die nicht einfach irgendwann ins Nichts ausläuft, sinnlos und ohne Spuren zu hinterlassen. Es geht um die Frage, ob die Gesamtheit der Abläufe und Ereignisse im Universum nicht doch eine Zielrichtung kennt und auf eine Sinnerfüllung zuläuft. Eine zukünftige und umfassende Sinnerfüllung, die auch unser gegenwärtiges und begrenzes Leben in einen umfassenden Sinnzusammenhang einordnet. Die Bibel redet von einer solchen Sinn- und Zielorientierung des Daseins. Sie gibt dafür keinen mit menschlichen Zeitvorstellungen festlegbaren Zeitablauf vor (siehe das Thema „Zeit und „Ewigkeit“), aber sie ordnet die Ereignisse und Entwicklungen einem räumlich erkennbaren Zentrum zu, wo das Entscheidende geschah, auch jetzt geschieht und zukünftig geschehen soll. Wir werden sehen: Der, der das Universum und auch das Menschsein geschaffen hat, der überlässt seine Schöpfung nicht sich selbst, sondern er hat mit ihnen und für sie etwas vor:

Es wird geschehen zur Spätzeit der Tage: (...) Und es werden sich aufmachen viele Völker und werden sagen: Kommt und lasst uns hinaufsteigen zum Berg JaHWeHs, zum Hause des Gottes Jakobs, dass er uns unterweise über seine Wege und wir gehen auf seinen Pfaden. Denn Recht-Weisung wird ausgehen von Zion und das Wort JaHWeHs von Jerusalem. Und er wird Recht sprechen zwischen den Nationen und gerecht entscheiden für die Völker. (...) Da wird nicht mehr Volk gegen Volk das Schwert erheben und sie werden nicht mehr lernen, wie man Krieg führt“ (Jes 2, 2-4). Das ist das Jerusalem-Projekt Gottes für einen bestimmten Teil der Menschheits- und Universal-Geschichte; so hat er es angekündigt und so wird er es durchführen: Er will Jerusalem zum spirituellen Mittelpunkt der Erde machen, von dem aus Recht-Weisung (wörtlich „Tora”, also Unterweisung, Richtungsweisung, Wegweisung, Anweisung, auch Zurechtweisung derer, die auf falschen Wege sind ...) in die Regionen und Völker der Erde gehen, damit dort Frieden und Gerechtigkeit wachsen können. So wird es geschehen „zur Spätzeit der Tage”.

Aber Gott will nicht nur dann, „zur Spätzeit der Tage“ (also bei der Vollendung der Schöpfung im Friedens-Reich des Messias) Frieden schaffen, sondern auch in unserer Zeit d. h. in der Vor-Zeit der Vollendung, in der der Friede immer angefochten und zerbrechlich ist, aber immer auch möglich. Vorläufigen und unvollkommenen Frieden zwar, aber doch für das Leben und Zusammenleben der Menschen hilfreich und wohltuend. Und auch dazu muss „Recht-Weisung ausgehen von Zion und das Wort JaHWeHs von Jerusalem”, damit die Völker der Erde wenigstens einige ihrer schlimmsten Waffen umschmieden zu Werkzeugen für den Aufbau des Friedens. Und diesen vor-läufigen Frieden in der Vor-Zeit der Vollendung, den will Gott mit und durch Menschen schaffen, die "seinen Namen heiligen und seinen Willen tun" (siehe die Bitte Jesu im Vaterunser).

Das alles geschieht nicht in einer Art „spirituellem Vakuum“, sondern inmitten der Fülle widerstreitender Meinungen und Einstellungen, Ideologien und Religionen der jeweiligen Zeit und selbstverständlich auch unserer Gegenwart. Die Weltgeschichte mit allen ihren großartigen Entwicklungen und furchtbaren Verirrungen ist die „Rahmenhandlung“, innerhalb derer sich die gegenwärtige Heilsgeschichte Gottes mit den Menschen vollzieht. In diesem zeitgeschichtlichen Rahmen will Gott sein „Jerusalem-Projekt” (das er ja schon vor Jahrtausenden begann) weiterführen und ans Ziel bringen durch seinen „Gesalbten“, den Messias und Heiland der Völker: Denn also hat Gott die Welt geliebt, dass er seinen eingeborenen Sohn gab, damit alle, die an ihn glauben, nicht verloren werden, sondern das ewige Leben haben. Denn Gott hat seinen Sohn nicht in die Welt gesandt, dass er die Welt richte, sondern dass die Welt durch ihn gerettet werde (Joh 3, 16+17).

Welt-Rettung, das ist das Vorhaben Gottes und er wird es genau so durchführen, wie er es sich vorgenommen hat. Und nur er kann es zum Ziel bringen. Es ist ja ganz und gar nicht zufällig, dass die großen Narrative unserer Gegenwart (Erzählungen in Büchern, Filmen, Computerspielen ...) fast alle von Welt-Rettung handeln. Da droht der Weltuntergang durch Naturgewalten, durch Außerirdische oder einen Kometen, der mit der Erde zusammenzustoßen droht oder durch einen Schurken, der die Erde vernichten will ... Und diese Erzählungen handeln von den Helden, (von James Bond bis Lara Croft), die mit heldenhaften Taten diese Vernichtung aufhalten und die Welt retten. Offensichtlich "weiß" die Menschheit (bewusst oder unbewusst) etwas davon, wie sehr unsere Welt, in der wir leben, gefährdet ist und verzweifelt sie auf "Rettung" wartet.

Allerdings: Alle (wirklichen, nicht als erfundene Geschichte erzählten) Versuche von Menschen, die Welt zu retten, sind auf furchtbare Weise gescheitert. Vor allem das vergangene 20. Jahrhundert weist schrecklichste Beispiele dafür auf: Die Nazis wollten die Welt retten vor den verderblichen Einflüssen des Judentums, die Kommunisten wollten die Welt retten vor den schändlichen Machenschaften der Kapitalisten, und die Kapitalisten wollten die Welt retten vor den schrecklichen Plänen der Kommunisten usw. Das Ergebnis dieser Welt-Rettungs-Versuche waren Millionen, viele Millionen unschuldige Opfer.

Trotzdem: Gott will sein „Jerusalem-Projekt” zur Welt-Rettung nicht ohne die Menschen verwirklichen, nicht ohne das Gottesvolk Alten und Neuen Testaments, nicht ohne uns. Das Reich Gottes ist Verheißung und Geschenk, ja, aber es ist auch Anfrage und Auftrag für die, denen die Bitte Jesu im Vaterunser zur Herausforderung des Lebens und Handelns wird: Dein (des Vaters) Name werde geheiligt, dein Reich komme, dein Wille geschehe, wie im Himmel, so auch auf Erden. Ja, ganz gewiss: Überall da „auf Erden“, wo der Name Gottes geheiligt wird, und wo sein Reich (seine Herrschaft) kommt, weil da sein Wille geschieht, da ist der “Himmel“ schon gegenwärtig. Da kann und soll der umfassende Schalom Gottes hier und jetzt, in dieser Welt und Zeit zwar nur vorläufig, zeichenhaft und unvollkommen zur Verwirklichung kommen, aber doch lebenspraktisch, echt und gültig.

Freilich, von menschlichen Mächten haben wir da kaum die entscheidenden Fortschritte zu erwarten. Zu groß ist die Versuchung der Macht, wenn man sie erst einmal in den Händen hat. Es werden wohl die machtlosen, manchmal ohnmächtigen „kleinen Leute“ sein müssen, die mit großem Vertrauen auf ihren großen Gott, in aller Bescheidenheit, aber im Glauben an die Verheißungen der Bibel, den Weg des Friedens suchen und gehen. Aber die haben die bedingungslose Zusage des Mächtigen im Himmel, dass die Mächtigen der Erde nicht das letzte Wort haben werden.

In den folgenden Themen „Reich Gottes und Demokratie“, „Das Modell der Urgemeinde“, „Die Tore Jerusalems“ und „konkrete Visionen“ sollen die Umrisse einer gegenwärtig-vorläufigen Verwirklichung dieses „Jerusalem-Projekts“ angedeutet werden.

Weiterlesen im Beitrag 2Warum Jerusalem?

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Das Jerusalem-Projekt Version 2020-5

© 2017 Bodo Fiebig, herausgegeben im Selbstverlag, alle Rechte sind beim Verfasser.

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