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Bereich: mitmachen - Vision und Konkretion

Thema: Das Modell der Urgemeinde

Beitrag 1: Vision und Utopie (Bodo Fiebig 2017- 8)

Visionen kann es viele geben: realistische und utopische, verlockende oder erschreckende. Je nach Phantasie der „Visionäre“ können ihre Visionen schlicht und gradlinig oder auch sehr üppig und verschnörkelt ausfallen. Das ist nicht so wichtig. Wesentlicher ist die Frage, ob eine visionäre Schau eine grundsätzlich mögliche Veränderung im Blick hat oder nur eine von jeder Realität losgelöste Phantasie ist. Visionen, die zwar zeitlich weit entfernte und inhaltlich herausfordernde, aber doch realistische, erstrebenswerte und Not-wendende Ziele vorwegnehmen, sind der Motor der Geschichte. Es gab in der Geschichte der Menschheit kaum je eine wesentliche Entwicklung, die nicht von einer vorausschauenden Vision angetrieben und gelenkt wurde. Freilich stellt sich oft erst hinterher heraus, ob eine Vision tatsächlich hilfreich und aufbauend wirkt oder schädlich und zerstörerisch. Die großen politischen Visionen des 18. bis 20. Jahrhunderts (Liberalismus, Nationalismus und Kommunismus) z. B. sind alle an den katastrophal misslungenen Versuchen ihrer Verwirklichung gescheitert (siehe das Thema „Die Revolution und ihre Kinder“).

Biblisch gesehen sind „Vision“ und „Utopie“ zwei völlig verschiedene Erscheinungen. Eine Utopie ist so etwas wie ein Wunschtraum, der nach aller Wahrscheinlichkeit nicht in Erfüllung geht. Eine Vision (im biblischen Sinn) dagegen ist eine Schau, die berufenen Menschen von Gott her zuteil wird, in der Gott etwas von seinen eigenen Vorhaben offenbart und den Menschen anschaubar macht. Eine Vision mag zwar von menschlicher Sichtweise her ebenso unwahrscheinlich aussehen wie eine Utopie, aber sie ist von einer Zielvorstellung getragen, die vom Willen Gottes her gefüllt ist und von ihm auch erfüllt wird. Solche Visionen gibt es in der Bibel Alten und Neuen Testaments in großer Zahl. Hier soll nur eine einzige angesprochen werden:

Offb 21,1-5: Und ich sah einen neuen Himmel und eine neue Erde; denn der erste Himmel und die erste Erde sind vergangen, und das Meer ist nicht mehr. Und ich sah die heilige Stadt, das neue Jerusalem, von Gott aus dem Himmel herabkommen, bereitet wie eine geschmückte Braut für ihren Mann. Und ich hörte eine große Stimme von dem Thron her, die sprach: Siehe da, die Hütte Gottes bei den Menschen! Und er wird bei ihnen wohnen, und sie werden sein Volk sein, und er selbst, Gott mit ihnen, wird ihr Gott sein; und Gott wird abwischen alle Tränen von ihren Augen, und der Tod wird nicht mehr sein, noch Leid noch Geschrei noch Schmerz wird mehr sein; denn das Erste ist vergangen. Und der auf dem Thron saß, sprach: Siehe, ich mache alles neu!

So wird die Vollendung der Schöpfung aussehen, wenn Jesus als Messias und Friedefürst wiederkommt. Aber sollte es nicht möglich sein, auch in der Zwischen-Zeit bis zum Anbruch der Vollendung (also in unserer Gegenwart!), schon einige Tränen zu trocknen und schon etwas vom Geschrei und Schmerz dieser Welt zu lindern? Es geschieht ja schon in vielen Einzelinitiativen und Gemeinschaften, viel mehr als wir wahrnehmen. Aber sollte es nicht noch besser gehen, wenn es in den Formen und Vorgehensweisen geschieht, die Gott selbst dafür vorgesehen und eingesetzt hat?

Ist es wirklich undenkbar, dass christliche Kirchen und Gemeinschaften zusammen mit Autoritäten jüdischen Glaubens in Jerusalem eine Art „Weltapostolat für spirituelle Wegweisung“ einrichten, in dem apostolisch und prophetisch gesinnte und begabte Menschen (vernetzt mit geistlich begabten Menschen in allen Regionen der Welt und in allen Kulturen der Menschheit) für die ganz realen Gegebenheiten und Entwicklungen dieser Welt und Zeit gemeinsam biblisch begründete Antworten und Wege suchen? Ist es wirklich unmöglich, dass Menschen biblischen Glaubens, Juden und Christen, gemeinsam dafür beten und arbeiten, dass Recht-Weisung ausgehen kann von Zion und das Wort JaHWeHs von Jerusalem, damit die Völker der Erde ihre Schwerter umschmieden zu Pflugscharen und ihre Speere zu Winzermessern und nicht mehr Volk gegen Volk das Schwert erhebt und die Völker nicht mehr lernen, wie man Krieg führt? Warum sollen ausgerechnet die selbstverständlichsten und lebensnotwendigsten Dinge immer als „unmöglich, naiv und völlig illusorisch“ abgetan werden?

Und sollte es wirklich unmöglich sein, dass sich biblisch gläubige Menschen, Juden und Christen (zusammen mit „Menschen guten Willens“ aus anderen Religionen), an vielen Orten der Welt zusammenfinden um da in dienender Grundhaltung und weltweit vernetzt daran arbeiten, für die Probleme der Gegenwart und die Herausforderungen der Zukunft praktisch begehbare Wege zu finden, die den Bedürfnissen und Sehnsüchten der Menschen ebenso entsprechen wie den hilfreichen und menschenfreundlichen Weisungen Gottes? Dazu bräuchte es eine Umkehr und Neubesinnung, durch die das Erstrebenswerte nicht mehr vor allem in einem quantitativen, materiellen „Mehr“ gesehen wird, sondern in einem qualitativen und zwischenmenschlichen „Besser“.

Es gibt ja schon heute Beispiele dafür, wie Menschen aus verschiedenen Ländern und Kulturen und in weltweiten Netzwerken verbunden an gemeinsamen Projekten arbeiten, und dabei zu großartigen Ergebnissen kommen, die nicht in erster Linie vom kommerziellen Gewinnstreben diktiert sind. Es gilt, den biblischen Verheißungen, denen wir entgegenhoffen und entgegengehen, konkrete Visionen voranzustellen, durch die in aller menschlichen Unvollkommenheit und in aller Vorläufigkeit und Gebrochenheit menschlichen Bemühens doch schon Zeichen der Vollendung aufleuchten: Königlich-priesterliche Berufung zur messianischen Reich-Gottes-Demokratie mit apostolisch-spiritueller Leitung und sachkonkret-diakonischer Hilfe mitten in unserer Welt und Zeit.

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Bodo Fiebig Vision und Utopie Version 2018 - 9

© 2014, herausgegeben im Selbstverlag, alle Rechte sind beim Verfasser.

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