Anmeldestatus

Du bist nicht angemeldet.

www.chajimweschalom.de

Themenbereich: Grundlagen der Gesellschaft

Thema: Friede auf Erden

Beitrag 4: Den Frieden suchen Bodo Fiebig, 2018-1

Die vorangehenden Beiträge „Das Erbe der Frühzeit“, „Das Erbe der Generationen“ und „Kultur und Motivation“ könnten den Eindruck vermitteln, das Handeln des Menschen sei unentrinnbar vorherbestimmt durch die in uns noch gegenwärtigen instinktgebundenen kollektiven Verhaltensmuster, durch die Einflüsse unserer persönlichen Erfahrungen und durch die Prägungen unserer kulturellen Herkunft. Dieser Eindruck wäre jedoch falsch. Es gibt in der Geschichte der Menschheit immer wieder Beispiele, wo selbst furchtbarste Erfahrungen nicht zu neuer Feindschaft und neuen Kriegen geführt haben und es gibt ebenso Beispiele, wo Feindschaft und Krieg in weitgehend unbelasteten Situationen entstanden sind. Offensichtlich gibt es Kräfte, die noch unmittelbarer und zwingender auf das Verhalten von Menschen einwirken, als das Erbe der Jahrtausende und die Erfahrungen der eigenen Lebensgeschichte oder die Prägungen durch das kulturelle Umfeld. Ich nenne sie hier die „Kraft der Überzeugungen“. So sehr die Geschichte der Menschheit und ebenso unsere persönliche Biografie in uns präsent und wirksam sind, so werden sie doch vielfach überlagert und relativiert durch unsere Einstellungen und Haltungen, durch unser individuelles und kollektives Welt- und Menschenbild (siehe das Thema „Wer bin ich?“).

1 Die Kraft der Überzeugungen

Wie überwältigend der Einfluss unserer Überzeugungen, unserer inneren Einstellungen und Wertungen auf unser Verhalten, ja, auf unsere Entscheidungen über Krieg und Frieden sein kann, wird an einem sehr drastischen Beispiel erkennbar, nämlich an dem Verhältnis zwischen den Völkern Deutschlands und Frankreichs in den vergangenen Jahrhunderten: Über viele Generationen hinweg war das Verhältnis der beiden Völker geprägt von Rivalität und Feindschaft. Man sah sich als „Erbfeinde“ und Konkurrenten im Ringen um die Vorherrschaft in Europa. Eine lange Reihe von Kriegen mit all ihren furchtbaren Auswirkungen und menschlichen Tragödien hatte diese Feindschaft immer wieder verstärkt und vertieft. Die letzten beiden Auseinandersetzungen in dieser Reihe, die beiden Weltkriege des Zwanzigsten Jahrhunderts waren, gerade auch zwischen diesen beiden Völkern, schrecklicher, schuldbeladener, zerstörender und mörderischer als alle vorausgegangenen, und man hätte davon ausgehen müssen, dass nun auch die Gräben zwischen diesen beiden Völkern tiefer und unüberwindlicher wären als je zuvor. Aber trotz dieser furchtbaren Erfahrungen war es möglich, nach dem Zweiten Weltkrieg zwischen Deutschland und Frankreich einen Prozess der „Entfeindung“ und Aussöhnung zu beginnen. Aus „Erbfeindschaft“ wurden gegenseitiger Respekt, gemeinsames Handeln und manchmal sogar Freundschaft. Das war nicht vorherbestimmt, das lag nicht auf der Hand oder im allgemeinen Trend, ja, es war höchst unwahrscheinlich und nach menschlichem Ermessen nie zu erwarten, aber es geschah. Es geschah, weil es von einigen Verantwortlichen auf beiden Seiten gewollt war und mit Entschiedenheit gegen alle Widerstände vorangebracht wurde - und weil es dann von der überwiegenden Mehrheit der beiden Völker bejaht wurde. Vor allem aber geschah es, weil die Ideologie der Feindschaft zwischen den beiden Völkern endlich überwunden war und dadurch Raum wurde für eine innere Bereitschaft zu Versöhnung und Frieden.

Das zeigt uns: Die Art und Weise, wie wir uns selbst und die Welt um uns her verstehen, unser Selbst- und Weltbild, unsere Überzeugungen und Hoffnungen können im konkreten Fall stärker sein als alle unsere Erfahrungen und alle unseren instinktiven Reflexe. Die Art und Weise, wie wir die Verhältnisse und Entwicklungen unserer Vergangenheit und Gegenwart deuten, wie wir die Menschen und Völker neben uns sehen wollen und wie wir unsere gemeinsame Zukunft gestalten wollen, ist stärker als alle Kräfte der Instinkte und der Erfahrungen.

Das gilt in beide Richtungen: Es war mitten in den realen Gegebenheiten dieser Welt und ihrer Geschichte möglich, in ein Verhältnis, das von sachlichen Widersprüchen und echten Interessenkonflikten weitgehend unbelastet war, Misstrauen, Feindschaft und Krieg hineinzutragen (z. B. im Verhältnis Frankreich-Deutschland vor dem Ersten Weltkrieg); und es war möglich (nicht als illusionärer Wunschtraum, sondern als politische Realität), in ein Verhältnis, das auf schrecklichste Weise durch zwei Weltkriege mit Schuld und Mord belastet war, Annäherung und Versöhnung zu initiieren (z. B. im Verhältnis Frankreich-Deutschland nach dem Zweiten Weltkrieg).

Ein weiteres, noch unglaublicheres Beispiel für die Bedeutung der Überzeugungen, des Verstehens und Wollens für unser Handeln ist das Verhältnis zwischen Deutschen und Juden. In den Volksgruppen der deutschen Länder des 19. Jahrhunderts, die nach Freiheit und Demokratie strebten, gab es eine zahlenmäßig kleine religiöse Minderheit, die Juden. Von ihnen gingen (das können wir im Rückblick um so deutlicher erkennen und sagen) keinerlei reale Gefahr und Bedrohung für die Gesamtheit aus. Im Gegenteil, viele von ihnen waren auf hervorragende Weise für die Volksgemeinschaft tätig: in Kunst und Kultur, in Wissenschaft und Forschung, in Wirtschaft und Politik … Trotzdem wurden sie (schon weit vor der "Machtergreifung" des Nationalsozialismus!) von vielen einflussreichen Kräften diffamiert und als Schädlinge im Volkskörper an den Pranger gestellt. Die nationalsozialistische Gewaltherrschaft unter Hitler und ihre Politik der Vernichtung des Judentums in Europa konnte auf eine verbreitete antijüdische Grundhaltung in weiten Teilen des deutschen Volkes aufbauen. Diese judenfeindliche Haltung war die unentbehrliche Voraussetzung für alle Gräueltaten des Holocaust. Selbst als die Juden Europas gegen Ende des Zweiten Weltkrieges bis auf wenige Überlebende schon in den Gaskammern und Vernichtungsfeldzügen der Nazis umgekommen waren, wurden sie immer noch als die heimliche Weltmacht dargestellt, welche die Zerstörung der „edlen arischen Herrenrasse“ zum Ziel habe. Nur so konnte der Vernichtungsfeldzug gegen das europäische Judentum bis zum bitteren Ende durchgezogen werden.

Trotz dieses ungeheuerlichen Geschehens konnte wenige Jahre danach eine Wiederannäherung zwischen Deutschen und Juden (besonders in Israel) beginnen. Die auf furchtbarste Weise traumatisierten Überlebenden des Holocaust hätten eigentlich angefüllt sein müssen mit unüberwindlichem Hass gegen ihre früheren Peiniger und doch waren sie zu Schritten der Annäherung bereit (wobei man anmerken muss, dass die überlebenden Opfer des Holocaust den ungleich größeren Schritt bei dieser Annäherung gehen mussten als die Angehörigen des Volkes, aus dem die Täter kamen). Zunächst geschah das vor allem in äußerlichen, materiellen Belangen im Rahmen der sogenannten „Wiedergutmachung“. Später kamen persönlichere, manchmal freundschaftliche Beziehungen hinzu. Wenn man heute als Deutscher nach Israel kommt, ist man bei fast allen jüdischen Israelis als Gast willkommen, und Deutschland gilt (oder galt einige Zeit) als verlässlicher politischer Freund und Unterstützer des jüdischen Staates.

Die Kraft der Überzeugungen und des Willens kann – auch ohne äußeren Anlass - gewaltsames Handeln und die furchtbarsten Verbrechen in Gang setzen und rechtfertigen. Sie ist aber auch aller Feindschaft überlegen, wenn sie entschieden zum Guten und zum Frieden genutzt wird. Die Kriege, die durch Jahrhunderte, ja Jahrtausende die Länder der Erde verwüsteten und die Völker der Welt in Unglück stürzten, waren nicht durch irgendwelche Sachzwänge verursacht (die wurden nur als billige Rechtfertigung verwendet) oder durch Schicksalsfügungen vorherbestimmt. Sie waren (ausnahmslos!) von Menschen gewollt und hätten von Menschen verhindert werden können.

Freilich spielten dann doch beim Zustandekommen und bei der Entwicklung feindseliger und kriegstreiberischer Einstellungen auch das „Erbe der Frühzeit“, „Das Erbe der Generationen“ und „kulturelle Motivationen“ eine beträchtliche Rolle. Menschen, die in ihrem Leben tiefgreifende Erfahrungen von Mangel und Verlust, Erniedrigung und Unterdrückung, Bedrohung und Verletzung machen mussten, sind immer in der Gefahr, misstrauische, ablehnende, feindselige, ja rachsüchtige und zerstörerische Antriebe zu entwickeln. Wenn uns aber solche Zusammenhänge bewusst werden und wenn wir lernen, sinnvoll damit umzugehen, vor allem, wenn wir uns zielstrebig und planvoll daran machen, Hilfen zur Entfeindung und Strategien zum Aufbau friedlicher Einstellungen und Weltanschauungen zu entwickeln, dann ist es möglich, die Spiralen von Gewalt und Krieg zu beenden.

Den Frieden muss man wollen und mit aller Kraft des Herzens und des Verstandes suchen. Wo das nicht geschieht, werden auf Dauer (fast zwangsläufig) die Kräfte der Feindseligkeit und der Gewalt übermächtig. „Das Erbe der Frühzeit“, das „Erbe der Generationen“ und „kulturelle Motivationen“ sind starke Antriebe in unserem Innern, die als Tendenz meist auf Selbstbehauptung durch Aggression gegen „die anderen“ hinzielen. Frieden unter Menschen ist – im Kleinen wie im Großen – eine geistige Leistung, die zum Größten und Bewundernswertesten gehört, was Menschen vollbringen können. Aber: Man kann den Krieg nur in Friedenszeiten überwinden. Wenn die Kanonen donnern, wird die Stimme der Vernunft unhörbar, wenn Zerstörung und Tod wüten, haben Achtsamkeit und Rücksichtnahme wenig Chancen.

Jetzt, mehr als 70 Jahre nach Ende des zweiten Weltkrieges, des verlustreichsten und grausamsten Krieges aller Zeiten, und im Rückblick auf die vielen, vielen Kriege davor und danach, kann man mit vollem Recht sagen: Niemals in den Jahrtausenden der Menschheitsgeschichte hat es auch nur einen einzigen Krieg gegeben, der wirklich aus der Not der Völker heraus entstanden war, aus Mangel an Nahrung, Wasser, Land… Alle Kriege entstanden ohne Ausnahme aus egoistisch motivierter Aggression, aus Machtgier und Habgier, aus ideologisch oder religiös begründeten Ansprüchen oder Überlegenheits- Wahnideen (wobei fast immer die ideologischen oder religiösen Begründungen als vorgeschobene Rechtfertigung für die Macht- und Habgier der bestimmenden Eliten herhalten mussten). Niemals ist durch einen Krieg die Lage einer der beteiligten Parteien wirklich verbessert worden. Die Not aller Beteiligten war nach jedem dieser Kriege größer als zuvor. Das betrifft natürlich vor allem die „Verlierer“, aber auch für die „Sieger“ war auf Dauer der Verlust an Menschenleben und Gut, vor allem aber an Menschlichkeit und Friedensfähigkeit viel höherwertiger als der Gewinn an Kriegsbeute. Es gibt keine Not (und kann keine geben), die durch Krieg besser gemindert werden könnte als durch friedliche Zusammenarbeit. Wenn trotzdem trotzdem Kriege geführt werden, dann immer und ausnahmslos, weil Menschen sie aus egoistischen Motiven, aus Machtgier und Habgier wollen. Das bedeutet selbstverständlich nicht, dass sich Menschen und Völker nicht gegen Aggression von außen wehren dürften, sofern sie nicht selbst angebliche „Aggression“ von außen als Vorwand für eigene aggressive Pläne nutzen.

2 Die spirituelle Dimension des Friedens

Ein Beispiel für eine festgefahrene Krisensituation, aus der scheinbar niemand einen Ausweg weiß, ist gegenwärtig die Situation in Afghanistan: Seit Jahrzehnten ballen sich dort die Kräfte religiöser Unduldsamkeit, die Macht weltweiter Drogenkartelle und regionaler War-Lords, die geostrategischen Interessen der Weltmächte und der Rohstoffhunger internationaler Konzerne zu einem Konfliktpotenzial zusammen, das selbst durch Jahrzehnte lange militärische Einsätze mit riesigem Aufwand an Material und Personal nicht befriedet werden konnte.

Warum nicht? Ganz einfach: weil keiner der herrschenden und sonst irgendwie einflussreichen Beteiligten im Land das wirklich will! Die Drogenbarone und War-Lords wollen den Frieden nicht, weil sie dann ihre Machtpositionen und Milliarden-Gewinne verlieren würden. Die Regierung und alle, die sonst Macht und Einfluss haben, wollen ihn nicht, weil sie befürchten müssten, bei wirklich freien und friedlichen Wahlen ihre Ämter und die damit verbundenen einträglichen und durch ausufernde Korruption prallen Pfründen zu verlieren. Die Stammesführer wollen den Frieden nicht, weil damit auch das fragile Gleichgewicht der Kräfte, das ihnen Macht und Einkommen sichert, zusammenbrechen könnte. Die meisten der einflussreicheren Geschäftsleute wollen ihn nicht, weil der Krieg ungeheure Summen an Geld und Werten ins Land spült und sie aus Erfahrung wissen: Nur der Krieg kann so viel Geld mobilisieren; der Frieden wird den Beteiligten (auch den westlichen Mächten) nicht einmal einen Bruchteil dieser Mittel wert sein. Wenn der Krieg zu Ende ist, gleichgültig, wer gewonnen hat, wird auch das internationale Interesse und die Bereitschaft, für Afghanistan Geld, Wissen und Engagement einzusetzen zu Ende sein und sich neuen Krisenherden zuwenden.

Die leidenden, kriegsmüden und sich nach Frieden sehnenden einfachen Menschen, das sind die Einzigen in der Bevölkerung Afghanistans, die das Ende des Krieges wollen, aber die werden nicht gefragt. Ohne den Willen zum Frieden ist der Krieg die einzige Alternative. Ohne die feste Überzeugung, dass der Frieden auf Dauer für alle (auch für die scheinbaren „Kriegsgewinnler“) die bessere Lebensperspektive bereithält, kann der Krieg nicht überwunden werden. Es fehlt eine Friedensgesinnung, die den Frieden höher achtet als kriegsbedingten Gewinn und gewaltgestützte Macht. Es fehlt die Überzeugung (und das könnte nur eine religiös begründete Überzeugung sein, aber dazu scheint der Islam derzeit nicht in der Lage), die den Frieden, seine Lebenschancen und Entwicklungsmöglichkeiten als die von Gott gewollte und gesegnete Lebensform menschlichen Daseins annimmt. Militärische, wirtschaftliche und politische Anstrengungen werden den Konflikt nicht lösen können, es bedarf einer spirituellen Initiative und Anstrengung, um die Bereitschaft zum Frieden zu wecken und zu stärken.

In den vergangenen Jahren und Jahrzehnten gab es immer wieder nationale und internationale Konflikte, die nach Jahren voller Krisen und nach verzweifelten Versuchen sie zu steuern und einzudämmen, doch zu militärischen Auseinandersetzungen geführt haben. Ein Beispiel dafür war der Kosovo-Krieg 1999. Jahrelang hatte man mit diplomatischen Mitteln um den Frieden gerungen. Als alle Befriedungsversuche gescheitert waren, blieb in der Einschätzung der Verantwortlichen nur noch die Militäraktion als Handlungsmöglichkeit, um noch Schlimmeres zu verhindern. Bei der militärischen Offensive wurde alles eingesetzt, was das Militär zur Verfügung hat: Präzisionsbomben und satellitengesteuerte Raketen und was sonst die Arsenale der Armeen hergeben, ja sogar vieles, was gar nicht primär Sache des Militärs ist, z. B. Hilfe bei der Versorgung der Hunderttausende von Flüchtlingen, mit denen offensichtlich niemand gerechnet hatte.

Vor der militärischen Offensive war die politische Offensive über Monate hinweg zu immer neuen Versuchen gestartet, um doch noch zu einer einvernehmlichen und für alle Beteiligten annehmbaren Lösung zu kommen. Dabei war alles eingesetzt worden, was Politiker zu bieten haben: Konferenzen in großer Runde und Verhandlungen unter vier Augen, Ringen um Machtbereiche und Einflusssphären, Feilschen um Formulierungen und Vertragsdetails, Abstimmen von politischen Maßnahmen und wirtschaftlichen Konsequenzen.

Beide Offensiven, die politische und die militärische, haben ihr Ziel nicht erreicht. Sie konnten ihr Ziel nicht erreichen, weil eine dritte Offensive, die lange vor der politischen und militärischen hätte gestartet werden müssen, weitgehend ausgeblieben war. Friedensbereitschaft ist eine geistige Haltung, eine menschliche Gesinnung, die mit wirtschaftlichen Anreizen nicht zu erkaufen und mit militärischen Drohungen nicht zu erzwingen ist. Europäischen und amerikanischen Politikern war offensichtlich völlig entgangen, dass Frieden nicht nur eine politische, militärische und wirtschaftliche Dimension hat, sondern auch eine spirituelle. Das mag daran liegen, dass den meisten von ihnen selbst diese Dimension des Denkens fremd ist.

Die dritte, die spirituelle Offensive, hätte nur von denen geführt werden können, deren ureigenste Berufung die spirituelle Auseinandersetzung und die versöhnende Diakonie ist. Das sind trotz aller eigenen Unversöhntheit von ihrem Auftrag her die christlichen Kirchen. Sie müssten in so einen Konflikt das investieren, was sie zu bieten haben: Erweiterung des Strebens und Wollens über das rein Materielle (Land und Macht und Reichtum) hinaus und Erweiterung des Glaubens und Sehnens über das rein Nationale (ruhmreiche Geschichte, kämpferische Gegenwart und glorreiche Zukunft) hinaus und Erweiterung des Selbstgefühls über das rein Egoistische hinaus hin zur Achtung des Anderen in seiner ethnischen, kulturellen und religiösen Identität. Und sie könnten solches friedenstiftendes Um-Denken auf das Fundament eines Glaubens stellen, der jeden Einzelnen und jede Gemeinschaft mit dem Friedefürsten des Gottesreiches in Verbindung bringt, und ihnen damit eine unzerstörbare Würde und eine unverlierbare Hoffnung gibt.

Dass diese spirituelle Offensive ausblieb, oder, wo sie versucht wurde, nicht intensiv genug geführt und nicht umfassend und ehrlich genug unterstützt wurde, ist eine der Ursachen für die menschliche Tragödie, die dann folgte. Die spirituelle Verengung führte zu der festgefahrenen Situation, in der nur noch militärisches Handeln übrig blieb.

Wer hat die Friedensfähigen und Versöhnungsbereiten in den christlichen Kirchen und Gemeinschaften im ehemaligen Jugoslawien gesucht? Wer hat sie herausgefordert, gestärkt und unterstützt in dem Bemühen, eine Gesinnung friedlicher Koexistenz und eine Atmosphäre des Vertrauens zu schaffen und zu fördern? Und wer hat den Versuch gemacht, auch die geistigen Kräfte des Islam für eine Friedensgesinnung auf dem Balkan zu gewinnen? Auch dort wäre ja die Bereitschaft dazu zu finden, wenn man sie bewusst suchen würde.

Eine ähnliche Situation, nur viel brennender und aktueller, finden wir im Nahen Osten (siehe das Thema „Konfliktherd Heiliges Land?“). Der Konflikt zwischen Israel und den Palästinensern eskaliert seit Jahrzehnten zu immer neuen Ausbrüchen von Gewalt. Jerusalem, der Ort, von dem die friedenstiftende Weisung Gottes ausgehen soll (siehe unten Jes 2, 2-4), ist selbst zum Zentrum und Zankapfel der Auseinandersetzungen geworden. Und dies ist ein Konflikt, der sich nicht auf eine Provinz eines zerfallenden Staatsgebildes beschränken lässt (wie z. B. der Kosovo-Konflikt), sondern der im schlimmsten Falle die Welt in Brand setzen kann. Und wieder werden die gleichen Mittel eingesetzt, die schon im Kosovo-Konflikt den Ausbruch des Krieges nicht verhindern konnten: Politische Verhandlungen, wirtschaftliche Stützmaßnahmen, Drohungen mit Gewalt und schließlich der Einsatz militärischer Mittel. Und wieder fehlt der entscheidende Einsatz für eine spirituelle Friedens-Initiative. Wer könnte sie in Gang setzen?

Ohne die spirituelle Offensive einer weltweiten Friedensdiakonie werden die Brandherde der Feindschaft auch weiterhin lodern und werden weiterhin viele Friedensbemühungen im Hass ersticken und werden die Konfliktzonen der Erde noch für lange Zeit politische Brandherde bleiben, auch wenn die „Militäroperationen“ längst beendet sind. Aber wer wird diese spirituelle Offensive führen, und wer wird sie unterstützen? Wer wäre bereit, die notwendigen Mittel dafür bereitzustellen, winzige Mittel im Vergleich zu den Milliarden, die die militärischen Einsätze kosteten? (siehe den folgenden Beitrag „Dem Frieden dienen“

.

Die Thema „Friede auf Erden?“ enthält derzeit folgende Beiträge: (Der eben verwendete Beitrag ist gelb markiert)

Die Ursachen des Unfriedens I, Das Erbe der Frühzeit

Die Ursachen des Unfriedens II, Das Erbe der Generationen

Die Ursachen des Unfriedens III, Kultur und Motivation

Den Frieden suchen

Dem Frieden dienen

.

Bodo Fiebig Den Frieden suchen“, Version 2018-1

© 2013, herausgegeben im Selbstverlag, alle Rechte sind beim Verfasser.

Vervielfältigung, auch auszugsweise, Übersetzung, Einspeicherung und Verarbeitung in elektronischen Systemen und jede Form von kommerzieller Verwertung nur mit schriftlicher Genehmigung des Verfassers

Schreibe einen Kommentar

Community

Aktuelle Informationen

Infos zu Themen, Entwicklungen, Vorhaben ...

                                                    

Mitarbeit

Hier kann man mitmachen!

                                                     

Gedanken, Anregungen, neue Themen

Du hast eigene Ideen zu "Chajim we Schalom" (Leben und Frieden)? Hier ist der richtige Ort dafür.

                                                     

registrieren und anmelden

Hier kannst du dich  registrieren lassen und anmelden. Das ist dann notwendig, wenn du zu einem der Themenbeiträge einen Kommentar schreiben willst.

                                                     

bitte beachten

                                                     

Impressum