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Bereich: Grundlagen der Gesellschaft

Thema: Wahrheit und Wirklichkeit

Beitrag 5: Die doppelte Wirklichkeit (Bodo Fiebig 2018-4)

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Die Rede von der „virtuellen Wirklichkeit“ ist eine der großen „Fake-News“ unserer Gegenwart, eine Welt- und Menschheits-Lüge im 21. Jahrhundert! Es gibt sie schlichtweg nicht, diese zweigeteilte Wirklichkeit aus „realer Welt“ und „virtueller Welt“. Alle Inhalte, die in der sogenannten „virtuellen Welt“ in Erscheinung treten, sind von realen Menschen in der realen Welt erdachte und gemachte Realitäten. Sie liegen nur auf einer anderen Ebene unserer Realität (siehe den Beitrag "verschiedene Wirklichkeiten). Auch die Bits und Bites einer Computer-Datei sind reale Gegebenheiten in unserer realen Welt, physikalisch fassbare Zustände auf der Festplatte, der CD, dem Stick … Sogar die Daten in der „Cloud“ sind nicht irgendwo in den Wolken, sondern ganz reale Inhalte auf großen Speichereinheiten in realen Rechenzentren, die reales Geld kosten und ungeheuer viel reale Energie fressen (…) Das ungeheure Potential der elektronischen Datenverarbeitung und des Internet könnte selbstverständlich auch so gestaltet und genutzt werden, dass es Menschen nicht bewusst „weltentfremdet“. Aber diese „Weltentfremdung“ wird ja gewollt, gemacht und genutzt um die Nutzer dieser Techniken als Geldquelle und Datenquelle auszubeuten. Nein, es gibt keine virtuelle Wirklichkeit neben unserer realen Welt, sondern die sogenannte „virtuelle Welt“ ist ein von Menschen gemachter und von Menschen zu verantwortender Teil unserer einen Wirklichkeit.

So weit einige Sätze aus dem vorangehenden Beitrag „Reale und virtuelle Welt“.

Allerdings muss ich jetzt im abschließenden Beitrag zum Thema „Wahrheit und Wirklichkeit“ darauf hinweisen, dass es doch so etwas wie eine „doppelte Wirklichkeit“ gibt, in der unsere „normale“, materielle Realität nur eine Teilerscheinung ist. Nur ist die „andere Wirklichkeit“, von der hier die Rede sein soll, nicht von den Programmierern der großen IT-Konzerne gemacht. Die “virtuelle Welt“ der Elektronik-Industrie ist in Wahrheit nur ein schwacher Abklatsch einer ganz anderen Realität, die einen ganz anderen Ursprung hat und die älter ist als unser Universum:

Im Anfang schuf Gott Himmel und Erde“, so heißt der erste Satz der Bibel. Hier ist davon die Rede, dass Gott diese Welt als eine zweiteilige Wirklichkeit schuf: Himmel und Erde*. Dabei ist der „Himmel“ nicht ein fernes Paralleluniversum zu unserer sichtbaren materiellen Welt. Das, was die Bibel „Himmel“ nennt, ist auch nicht eine Sphäre irgendwo über den Wolken, sondern es bezeichnet die Realität der Gegenwart Gottes, die unsere materielle Wirklichkeit mit einschließt. (Das kann hier im Rahmen des Themas „Wahrheit und Wirklichkeit“ nicht weiter ausgeführt werden, deshalb verweise hier ich auf die Themen „Schöpfungsglaube und modernes Weltbild“, „Zwischen Schöpfung und Vollendung“, „Dein Reich komme“, „Die Frage nach dem Sinn“, „Zeit und Ewigkeit“, „AHABA – das Höchste ist lieben“, „gut und böse“, „sein und sollen“, und „Weltgeschichte und Heilsgeschichte“).

* Wobei „Erde“ hier in diesem ersten Satz der Bibel nicht nur unseren Planeten in unserem Sonnensystem meint, sondern die ganze erfahrbare und erforschbare materielle Schöpfung des Universums, im Gegensatz zur „Himmelsschöpfung“, die für unsere Wahrnehmung, unser Forschen und Erkennen normalerweise nicht zugänglich ist.

Wir sehen am biblischen Text: Die Wirklichkeit des Himmels wurde zuerst geschaffen. Die Himmelswelt Gottes ist die ursprüngliche Wirklichkeit seiner Schöpfung. Dem gegenüber müssen wir unser materielles Universum als eine zweite, „nachgeschaffene“ Wirklichkeit ansehen, die von der ersten, der himmlischen Realität, abhängig ist. Unsere materielle Welt mit allen Planeten, Sonnen und Galaxien ist ein Abglanz des Himmelsuniversums Gottes, das unser sinnlich wahrnehmbares und naturwissenschaftlich erforschbares Universum ganz in sich mit einschließt. Und so, wie die sogenannte „virtuelle Welt“ der digitalen Daten in Wirklichkeit etwas ganz Reales ist, etwas, das unser ganz reales Leben beeinflussen will, so ist auch die „virtuelle Welt“ der Gegenwart Gottes, welche die Bibel „Himmel“ nennt, etwas ganz Reales (allerdings etwas viel grundlegenderes und viel weiteres), das unser ganz reales Leben betrifft. Wer die Wirklichkeit der himmlischen Welt und ihre Bedeutung für unser Leben auf dieser Erde ausblendet oder leugnet, kann nicht wirklich sinnvoll und dem Wesen dieser Schöpfung gemäß hier in dieser Welt leben.

Diese „andere Wirklichkeit“, welche die Bibel „Himmel“ nennt, ist in unserem ganz normalen Leben und Erleben, in unserem ganz normalen Denken, Reden und Tun immer schon real gegenwärtig, aber sie ist nicht von jedem jederzeit wahrnehmbar. Die reale Gegenwart der Liebe Gottes, die von irdischen Mächten nicht angegriffen oder in Frage gestellt werden kann, schafft in unserer realen Welt einen Raum der Geborgenheit, der nicht den Mächten dieser Welt ausgeliefert ist. Aber: Ihre Wahrnehmung setzt eine Offenheit und Empfindungsbereitschaft voraus, die am ehesten in Situationen existenzieller Erschütterung gegeben ist. Dietrich Bonhoeffer, einer der Heiligen und Märtyrer des 20. Jahrhunderts, schreibt im Nazi-Gefängnis, im Zentrum der Macht des Bösen, wo er jeden Tag mit Folter und Tod rechnen muss, Zeilen, die von dieser „Himmelsgegenwart“ zeugen. Er schreibt (und er schreibt es dort, umgeben von Menschen, die vor ihm schon Hunderte andere erschossen, erschlagen, zu Tode gefoltert haben):

Von guten Mächten wunderbar geborgen

erwarten wir getrost, was kommen mag.

Gott ist mit uns am Abend und am Morgen

und ganz gewiss an jedem neuen Tag

Bonhoeffer schreibt von der Realität Gottes, mitten in der Wirklichkeit unserer Welt. Das Miteinander und Ineinander von himmlischer und irdischer, göttlicher und menschlicher, spiritueller und materieller Realität, die Gleichzeitigkeit von Weltgeschichte und Heilgeschichte* in allen Zeitepochen, das ist ein durchgängiger Grundton in der ganzen biblischen Offenbarung. Je ein bekanntes Beispiel aus dem Alten und Neuen Testament sollen das andeuten:

*(siehe das Thema „Weltgeschichte und Heilgeschichte“ im Bereich „Grundlagen der Gesellschaft“)

Psalm 23 (eigene Übersetzung)

Psalm Davids:

JaHWeH ist mein Hirt!

Mir fehlt es an nichts.

Auf grünender Weide lässt er mich lagern,

zum Ruheplatz am Wasser führt er mich;

meine Seele belebt er wieder.

Er führt mich auf rechten Pfaden

um seines Namens willen.

Selbst wenn ich gehe in todesdunkler Schlucht

fürchte ich kein Unheil,

denn du bist bei mir.

Dein Wehrstock und Stützstab,

die stehen mir bei.

Du deckst mir den Tisch

vor den Augen meiner Feinde.

Du salbst mein Haupt mit Öl.

Randvoll ist mein Becher.

Nur Güte und Freundlichkeit

begleiten mich alle Tage meines Lebens

und ich darf heimkehr‘n zum Haus JaHWeHs

für alle Zeit.

Der Psalmdichter sieht sich von einer doppelten Wirklichkeit umgeben: Die Trostlosigkeit und der Mangel in der Dürre der judäischen Wüste und zugleich die Zusage und Gewissheit der „grünenden Weide“ beim „Ruheplatz am Wasser“, die „todesdunkle Schlucht“ und die schützende Nähe Gottes, die Gegenwart und der missgünstige Blick der „Feinde“ und die Fülle und der Frieden am „Tisch“ Gottes.

Mt 17, 1-8 (Lutherübersetzung): Die Verklärung Jesu

Und nach sechs Tagen nahm Jesus mit sich Petrus und Jakobus und Johannes, dessen Bruder, und führte sie allein auf einen hohen Berg.

Und er wurde verklärt vor ihnen, und sein Angesicht leuchtete wie die Sonne, und seine Kleider wurden weiß wie das Licht.

Und siehe, da erschienen ihnen Mose und Elia; die redeten mit ihm.

Petrus aber antwortete und sprach zu Jesus: Herr, hier ist gut sein! Willst du, so will ich hier drei Hütten bauen, dir eine, Mose eine und Elia eine.

Als er noch so redete, siehe, da überschattete sie eine lichte Wolke. Und siehe, eine Stimme aus der Wolke sprach: Dies ist mein lieber Sohn, an dem ich Wohlgefallen habe; den sollt ihr hören!

Als das die Jünger hörten, fielen sie auf ihr Angesicht und fürchteten sich sehr.

Jesus aber trat zu ihnen, rührte sie an und sprach: Steht auf und fürchtet euch nicht!

Als sie aber ihre Augen aufhoben, sahen sie niemand als Jesus allein.

Es gibt nur ganz wenige Stellen in der Bibel, wo die „himmlische Realität“ für Menschen so unmittelbar sichtbar und erfahrbar wird, wo Menschen ganz direkt und konkret wahrnehmen können, dass sie gleichzeitig in zwei ganz verschiedenen Wirklichkeiten leben: In der einen aus Raum und Zeit, Materie und Energie, wo man „Hütten baut“, wenn man an einem bestimmten Ort bleiben möchte und jener „anderen Wirklichkeit“, wo Raum und Zeit, Materie und Energie keine Rolle mehr spielen und wo der „verklärte“ Jesus mit Mose und Elia spricht, die schon Jahrhunderte vor ihm gelebt haben.

Wenn wir diese „doppelte Wirklichkeit“ glauben und wahrnehmen und ganz bewusst in ihr leben, dann brauchen wir uns keine Lügenwelt aus Fake-News bauen und keine „virtuelle Welt“ programmieren (um aus der realen Welt zu fliehen, wenn es uns da zu eng und zu gefährlich wird), dann können wir, geborgen und erfüllt, in dieser Welt leben, bis sich diese Welt für unseren Blick und für unsere Wahrnehmungsfähigkeit weitet und wir die ganze Weite und Fülle der Schöpfung aus „Himmel und Erde“ erleben.

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Bodo Fiebig, Die doppelte Wirklichkeit, Version 2018 - 4

© 2018, herausgegeben im Selbstverlag, alle Rechte sind beim Verfasser.

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