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Bereich: Grundlagen der Gesellschaft

Thema: Wirklichkeit und Wahrheit

Beitrag 1: Weltwahrnehmung und Weltverständnis (Bodo Fiebig, Version 2017- 8)

Ist das, was ich wahrnehme, auch tatsächlich wahr oder scheint es mir nur so, weil ich selbstverständlich das, was ich wahrnehme, auch für wahr nehme? Ist meine Wahrnehmung nicht doch sehr begrenzt und von der Wahrnehmungsfähigkeit meiner Sinne abhängig? Ich sehe, höre, fühle, schmecke, rieche …, ja, aber können sich meine Sinne nicht auch täuschen? Vielleicht sind die Eindrücke, die meine Sinne von meiner Umwelt haben, nur subjektive Empfindungen und gar keine objektiven Tatsachen? Vielleicht ist das, was ich für die Realität halte, nur mein eigenes Konstrukt, meine selbstgemachte Wirklichkeit? Ja, ist nicht der Inhalt jeder Wahrnehmung eher eine subjektive Für-Wahr-Nehmung als eine objektive Realität?

Solche Fragen sind nicht neu, aber noch nie haben sie eine so allgemeine Bedeutung gewonnen wie in unserer Gegenwart (siehe Beitrag 3 „Relativismus und Konstruktivismus“). Und noch nie wurde so allgemein in Frage gestellt, dass es so etwas wie „Wahrheit“ und „Wirklichkeit“ überhaupt gibt. Schafft sich nicht jeder Mensch seine eigenen Wahrheiten und Wirklichkeiten?

Zunächst geht es hier um die Begriffe „Wahrnehmung“ und „Verständnis“, „Wahrheit“ und „Wirklichkeit“. Wir brauchen Begriffe, um etwas „begreifen“ zu können. Es ist entscheidend wichtig für unser Verständnis unserer Umwelt, welche Begriffe wir verwenden und wie wir sie verstehen. Deshalb sollen zunächst die genannten Begriffe angesprochen werden, um zu klären, in welcher Weise sie in diesem Beitrag Verwendung finden: Was ist das eigentlich: Wahrnehmung und Verständnis, Wahrheit und Wirklichkeit?

1 Wahrnehmung und Verständnis

Umweltwahrnehmung ist eine der Schlüsselkompetenzen des Lebens. Nur durch sie kann das Leben sich geeignete Lebensräume erobern. Schon die erste lebende Zelle konnte und musste auf Umweltreize reagieren: Zu kalt, zu warm, zu hell, zu dunkel, zu wenig oder zu viel von bestimmten Stoffen in der chemischen Zusammensetzung der Umwelt – und schon wäre ihr Leben bedroht. Freilich hätten einfachste Formen des Lebens auch ohne Umweltwahrnehmung jeweils dort überleben können, wo es zufällig geeignete Lebensbedingungen vorgefunden hätte (und wären überall dort gestorben, wo dies nicht der Fall war). Aber dann wäre das Leben für immer auf ein Nischendasein beschränkt geblieben. Wenn nicht schon das primitivste Leben eine Wahrnehmung von den Lebensbedingungen seiner Umwelt gehabt hätte und nicht Möglichkeiten entwickelt hätte, auch darauf zu reagieren, hätte es niemals aktiv Lebensräume besiedeln können, die geeignet sind und Umgebungen meiden können, wo tödliche Gefahren drohten.

Die Umweltwahrnehmung des Lebens hat sich in mehreren Stufen aufgebaut.

1) Wahrnehmung von lebensgeeigneten und lebensfeindlichen Umweltbedingungen und erste Möglichkeiten, darauf zu reagieren (siehe oben).

2) Unter Beibehaltung der unter 1 genannten Fähigkeiten: Wahrnehmung von speziellen Schlüsselreizen (z. B. Farben, Formen, Gerüchen, Geräuschen, Bewegungs­muster ...), die bei einer ganz bestimmten Lebensform ganz spezielle instinktgesteuerte Reaktionen hervorrufen (z. B. Beute greifen, Flucht, Sexualverhalten, Brutpflege ...)

3) Unter Beibehaltung der unter 1 und 2 genannten Fähigkeiten: Wahrnehmung und Unterscheidung von komplexen Umweltsituationen, die mit positiven oder negativen, angenehmen oder schmerzlichen Erfahrungen verbunden sind (z. B. Die Umweltsituation „Winter mit viel Schnee“ mit allen dazu gehörenden Einschränkungen und Gefahren für einen Feldhasen), Erfahrungen, die eine Zeit lang im Gedächtnis behalten und in vergleichbaren Situationen wieder aktiviert werden können.

4) Unter Beibehaltung der unter 1, 2 und 3 genannten Fähigkeiten: Die Möglichkeit, die Erfahrungen mit der Umwelt als ganzheitliches System wahrzunehmen, in dem viele Einzelerscheinungen in Kausalitäts- und Bedeutungszusammenhängen verbunden sind und in die auch die eigene Existenz mit einbezogen ist, so dass sich alle Wahrnehmungen und deren Verarbeitungsergebnisse zu einem persönlichen (und im Austausch der Erfahrungen auch kollektiven) Selbstbild und Weltbild verknüpfen und verdichten.

Diese 4 Stufen beschreiben verschiedene Niveau-Ebenen von Wahrnehmung, die aber bei aller Unterschiedlichkeit der Verarbeitung doch immer Wahrnehmung von Realitäten sind. Die unter 4 genannte Form der Wahrnehmung ist ausschließlich dem Menschen vorbehalten (dabei stehen selbstverständlich dem Menschen auch die unter 1, 2 und 3 genannten Wahrnehmungsmöglichkeiten weiterhin in bestimmtem Maße zur Verfügung). In den Diskussionen um Wahrheit und Wirklichkeit geht es ganz speziell um diese wesenhaft menschlichen Formen der Wahrnehmung. Davon soll jetzt die Rede sein.

Das Universum bestand schon Milliarden von Jahren, bevor es Lebewesen gab, die etwas davon wahrnehmen konnten. Seine Existenz ist nicht von unserer Wahrnehmung abhängig, wohl aber die Vorstellung, die wir von unserer „,Welt“ haben. Dass es Tag und Nacht gibt und Sommer und Winter, das ist doch keine Erfindung, keine „Konstruktion“ des Menschen (vgl. den Beitrag „Relativismus und Konstruktivismus“). Ob wir aber meinen, dass Tag und Nacht dadurch entstehen, dass der Sonnengott Re jeden Tag mit der Sonnenbarke über den Himmel fährt und jede Nacht mit der Nachtbarke durch die Totenwelt und jeden Morgen wieder wieder neu geboren wird (wie im alten Ägypten) oder ob wir meinen, Tag und Nacht entstehen durch die Drehung der Erde, welche bewirkt, dass sie Sonnenstrahlung mal die eine, mal die andere Seite der Erde bescheint, das beeinflusst unser Verständnis von unserer Umwelt (und von unserem Leben in ihr) ganz fundamental.

Nein, gewiss kann sich nicht jeder Mensch seine eigene Wirklichkeit schaffen, aber jeder Mensch muss sich ein eigenes Bild machen von den Wirklichkeiten, in denen er lebt. Wir Menschen brauchen ein Verständnis dessen, was wir wahrnehmen. Wir leben ja nicht mehr instinktgesteuert in einer natürlichen Umwelt, wie unsere Vorfahren vor Jahrtausenden. In der sozialen und technischen Umwelt des 21. Jahrhunderts kann man nicht mit den Mitteln der Frühzeit des Menschseins existieren. Wir sind darauf angewiesen, dass wir die Gegebenheiten und Vorgänge in unserer Umgebung wenigstens in Ansätzen durchschauen und verstehen, um angemessen reagieren und handeln zu können. Jeder Mensch braucht also eine persönliche Verstehensweise und Deutung seiner Umweltwahrnehmungen, sozusagen eine „Arbeitshypothese“ für die Erklärung der Dinge und Vorgänge um ihn her als Grundlage für sein Leben und Handeln in dieser Welt.

Wir müssen also unterscheiden zwischen den Realitäten (die ja Realitäten bleiben, auch wenn verschiedene Menschen sie sehr verschieden wahrnehmen) und der Art und Weise, wie wir unsere Wahrnehmung von diesen Realitäten deuten und verstehen. Ein Hund bleibt ein Hund (also ein Tier, das dem entspricht, was man in der deutschen Sprache mit „Hund“ bezeichnet oder im Englischen mit „dog“ usw). Freilich kann ein Hund für verschiedene Menschen sehr verschiedene Bedeutung haben. Der eine, ein Hundeliebhaber, sieht in ihm einen wahren Freund des Menschen. Ein anderer, der schon einmal von einem Hund gebissen wurde, fürchtet ihn als gefährliche Bestie.

Jeder Mensch macht Erfahrungen („Erfahrung“ hier verstanden als Ergebnis von einer Fülle von Wahrnehmungen, soweit sie sich auf die gleichen Dinge und Vorgänge unserer Umwelt beziehen). Alle Wahrnehmungen, die wir im Laufe der Zeit im Zusammenhang mit einem bestimmten Phänomen unserer Umwelt gemacht haben, verbinden und verdichten sich zu unserer Erfahrung mit ihm und solche Erfahrungen können sehr unterschiedlich ausfallen. Eine Gruppe von Frühmenschen, die bei der Jagd von einem Steppenfeuer eingeschlossen wurde und dabei viele ihrer Kinder und ihrer Alten und auch einige ihrer geschicktesten Jäger verlor, hat einen anderen Erfahrungshintergrund mit dem Phänomen „Feuer“ als eine andere, die einen vom Blitz entzündeten Baum gefunden und es gelernt hatte, die Glut zu nähren und zu hüten, weil sie viele Speisen leichter verdaulich machte und weil die Flammen nachts wilde Tiere von ihrem Lager fernhielten. Diese unterschiedlichen Erfahrungen bedeuten allerdings nicht, dass da unterschiedliche Wirklichkeiten vorliegen müssen. Wir nehmen nur (bedingt durch unsere verschiedenen persönlichen Vor-Erfahrungen, Einstellungen und Sichtweisen) verschiedene Aspekte der gleichen Wirklichkeit wahr und ordnen sie auch verschieden in die Gesamtheit unserer Vorstellungswelt ein.

Erfahrung“ ist also schon eine Zusammenfassung und Deutung von Wahrnehmungen. Unser „Weltverständnis“ („Weltbild“ wäre hier zu statisch formuliert) wird gebildet und verändert im Verlauf der jeweils aktuellen und persönlichen Auseinandersetzung mit den Wahrnehmungen und Erfahrungen in unserer Umwelt.

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2 Realität und Imagination

Wir machen uns die (realen!) Dinge und Vorgänge der Welt zu Eigen, machen sie uns verstehbar und handhabbar, indem wir uns (auf der Grundlage unserer Erfahrungen mit ihnen) eine persönliche Vorstellung, ja ein eigenes Deutungs- und Bedeutungs-Schema von ihnen gestalten. Wir formen uns nach und nach ein persönliches „Welt-Verständnis“ als unsere eigene Verstehensweise unserer Umweltwahrnehmungen. Wobei unsere Vorstellungen von den Dingen und Vorgängen unserer Umwelt ja keine unverbundenen Einzelbilder sind, sondern eher Mosaiksteinchen für ein Gesamtbild unserer Vorstellungswelt, das ich hier als „Weltverinnerlichung“ bezeichne. Jeder Mensch braucht und hat so eine „Verinnerlichung“ von der Welt, in der er lebt, von den Dingen und Vorgängen, denen er begegnet, von seinen Mitmenschen und deren Beziehungen zu ihm und von sich selbst. Ohne eine solche Welt-Verinnerlichung könnte ein Mensch nicht sinnvoll leben und handeln. Er kann eben in der Kultur-Welt, die er sich selbst geschaffen hat, nicht mehr ausschließlich instinktgesteuert existieren. Diese „Weltverinnerlichung“ als persönliche "Imagination" d. h. als Übertragung und Aneignung seiner Umwelt- und Selbsterfahrungen in die eigene Vorstellungswelt ist für jeden Menschen die größte geistige Lebensleistung, die er im Laufe seiner Lebenszeit vollbringt, auch wenn das bei dem Einem vielleicht eine sehr enge und schlichte Vorstellungswelt sein mag, bei einem Anderen vielleicht eine innere Schau von großartiger Weite, Vielfalt und Kreativität.

Diese „ Weltverinnerlichung“ ist allerdings kein statisches Gebilde wie ein Mosaikbild, das ein Mensch im Laufe seines Lebens nach und nach, Steinchen für Steinchen, vervollständigt, bis es „fertig“ und unveränderbar vor ihm steht. Sie ist auch kein Puzzlespiel, dessen Gesamtergebnis schon feststeht, bevor er das erste Teilchen gesetzt hat, sondern sie ist bei jedem Menschen ein sehr formbares Gebilde, das in ständigen Veränderungsprozessen allmählich immer weiter auf- und ausgebaut, geformt und gefüllt wird, und das manchmal, in Umbruchsituationen des Lebens, auch völlig neu entworfen und zusammengesetzt werden muss. (Siehe das Thema „Wer bin ich?“, Beitrag 1, „Selbstbild und Weltbild“)

Wenn man nun die subjektive Vorstellungswelt mehrerer Menschen vergleichend betrachten könnte, würde man feststellen, dass sie zumindest in Teilbereichen sehr unterschiedlich sind. Die gleichen Dinge, Vorgänge, Ereignisse können von verschiedenen Menschen sehr verschieden betrachtet, verstanden und bewertet werden. Trotzdem sind Menschen keine isolierten Einzelwesen, die der Vorstellungswelt ihrer Mitmenschen völlig ahnungslos und verständnislos gegenüberstehen. Viele Erfahrungen sind ja für die meisten Menschen sehr ähnlich, z. B. die Erfahrung von Tag und Nacht, Hitze und Kälte, Sommer und Winter, Saat und Ernte, Wachheit und Schlaf, Essen und Trinken, Fülle und Mangel, Jugend und Alter, Mann und Frau, Geburt und Tod … Diese gemeinsame Erfahrungsgrundlage ermöglicht auch ein in Ansätzen gemeinsames Welt- und Selbstverständnis.

Darüber hinaus haben Menschen aber noch ein besonderes Instrument für den Austausch ihrer Erfahrungen und Vorstellungen entwickelt: Die Sprache. Mit ihrer Hilfe können Menschen ihre Erfahrungen und ihr Verständnis dieser Erfahrungen untereinander mitteilen und vergleichen. Wenn nun viele Menschen durch sprachliche Kommunikation ihre je eigene „Weltverinnerlichung“ (bzw. Teile davon) einander mitteilen, sie untereinander austauschen und vergleichen, dann entsteht unter ihnen nach und nach ein kollektives Welt- und Menschenbild als gemeinsamer und Gemeinsamkeit stiftender Kulturbesitz (wobei ja immer noch große Anteile individueller Anschauungen beim Einzelnen verbleiben). Freilich: Auch die kollektive „Weltverinnerlichung“ in einer bestimmten Kultur besteht nicht einfach nur aus objektiven Tatsachen, beruht aber doch auf der Wahrnehmung von Tatsachen. Und diese Wahrnehmungen (und ihre Deutung im Gesamtzusammenhang unserer Umwelterfahrung) können durch fortwährende Kommunikation (auch Kommunikation wissenschaftlicher Forschungsergebnisse) zunehmend objektiviert werden, so dass sich unser Weltverständnis allmählich der realen Welt annähert (wie es ja in den vergangenen Jahrhunderten tatsächlich geschehen ist und noch heute täglich millionenfach geschieht).

Unser je eigenes Weltverständnis ist eine innere Entsprechung der äußeren Welt, subjektiv und individuell und doch auch Teil eines großen kulturspezifischen, in manchen Bereichen auch menschheitsumfassenden Weltbildes, gemalt mit den Formen menschlichen Denkens und mit den Farben menschlichen Empfindens, aber doch auch Widerspiegelung unserer Wahrnehmungen von einer real existierenden Welt. So hat die Menschheit jahrtausendelang gelebt und gedacht und ihr Weltverständnis weiterentwickelt und so sind die Kulturen der Welt entstanden.

3 Wahrheit und Wirklichkeit

Die Begriffe „Wahrheit“ und „Wirklichkeit“ sind sehr abstrakt und nur schwer mit unserer dinglich-konkreten Erfahrungswelt in Einklang zu bringen. „Was ist Wahrheit?“ fragte schon Pilatus beim Prozess gegen den Angeklagten Jesus aus Nazareth und er wollte damit zum Ausdruck bringen, dass ja eigentlich jeder seine eigenen Vorstellungen hätte, davon, was „Wahrheit“ sei. Gibt es so etwas wie „die Wahrheit“ oder ist alles nur „Ansichts-Sache“? Viele Menschen reagieren verunsichert und skeptisch, wenn es um die Wahrheitsfrage geht. Das ist verständlich: Niemals ist die Frage, ob es so etwas wie "Wahrheit" und "Wirklichkeit" überhaupt geben kann, mit solcher Nachdrücklichkeit gestellt worden wie in 20. und 21. Jahrhundert (siehe den Beitrag "Relativismus und Konstruktivismus"). Es ist daher für das Gespräch zu diesem Thema und für das Verständnis dieses Beitrags notwendig, erst einmal in wenigen Sätzen darzulegen, was denn in den folgenden Ausführungen mit den Begriffen "Wirklichkeit" und „Wahrheit“ gemeint ist:

"Wirklichkeit" und "Wahrheit" beziehen sich auf die selben Gegebenheiten, dies aber auf verschiedene Weise. Mit "Wirklichkeit" sind hier reale (wenn auch nicht immer materiell gegenwärtige*) Verhältnisse und Vorgänge gemeint, also: was ist (war)? und was geschieht (geschah)? Der Begriff  "Wahrheit" dagegen bezieht sich nicht auf die Verhältnisse und Vorgänge selbst, sondern auf Aussagen über sie. Solche Aussagen können wahr oder unwahr sein. Aber: Eine unwahre Aussage über eine Wirklichkeit verändert nicht die Wirklichkeit selbst, die bleibt davon unberührt. Die Falschaussage kann aber das Verständnis dieser Wirklichkeit bei Menschen, die solche Falschaussagen aufnehmen, in die Irre führen. Eine Aussage über eine Wirklichkeit kann dann "Wahrheit" genannt werden, wenn sie im Bemühen abgegeben wurde, eine Wirklichkeit sachlich richtig, vollständig (soweit möglich und relevant) und ohne bewusste Verfälschungen darzustellen.

 * Es gibt ja z. B. innere emotionale oder spirituelle Realitäten usw.

In den folgenden Beispielen soll das konkreter werden

1) Nehmen wir zuerst ein ganz einfaches Beispiel: Die Tasse Kaffee vor mir ist eine Wirklichkeit. Ich kann die Tasse wirklich anfassen und den Kaffee trinken. Diese Wirklichkeit setzt sich für mein Verständnis aus verschiedenen sachlichen Wahrheiten zusammen: Die Tasse ist aus einem Material, das wir „Porzellan“ nennen, der Kaffee ist aus Bohnen der Sorte „Arabica“ geröstet, gemahlen und aufgebrüht usw.

Der Kaffee ist heiß, auch das ist eine objektive Wahrheit, allerdings mit einer subjektiven Komponente: Was ich als „heiß“ empfinde, könnte bei jemand anderem als „ … na ja, höchstens lauwarm“ gelten. Wir können aber unsre subjektiven Wahrheiten über die Temperatur des Kaffees objektivieren, indem wir ein Thermometer verwenden: Er hat 53,1 Grad Celsius.

Manche Wahrheiten über die Tasse Kaffee weiß ich gar nicht. Ich kenne z. B. nicht die genaue chemische Zusammensetzung der Glasur des Porzellans; ich weiß auch nicht im Einzelnen, welche Geschmacksstoffe sich beim Rösten der Bohnen gebildet haben. Ich muss das auch nicht wissen, mir genügt es, wenn mir der Kaffee schmeckt. Es gibt Experten, die haben ein viel detaillierteres Wissen über Porzellan oder Kaffee. Für einen Kaffeespezialisten z. B. ist die Wirklichkeit „Kaffee“ aus viel mehr und viel komplexeren Teilwahrheiten zusammengesetzt als bei mir.

Wir können als erstes Ergebnis unserer Betrachtung festhalten:

Eine Wirklichkeit ist ein komplexer Gegenstand oder Vorgang, der sich mit vielen sich ergänzenden Teilwahrheiten beschreiben lässt. Manche dieser Teilwahrheiten sind sachlich begründet und wissenschaftlich objektivierbar. Andere sind eher subjektiv begründet und von der jeweiligen Sichtweise des Betrachters abhängig.

Unsere Wahrheiten, aus denen sich unser Verständnis von einer bestimmten Wirklichkeit zusammensetzt, stammen von den Erfahrungen, die wir mit dieser Wirklichkeit gemacht haben (z. B. der Farbe, dem Geschmack, der Wirkung des Kaffees ...) oder auch von Wissen, das wir von anderen übernommen haben (z. B. von der chemischen Zusammensetzung des Koffeins und seiner Wirkungsweise im Körper; das habe ich ja nicht alles selbst erforscht, sondern aus dem Wissensbestand der Menschheit übernommen).

2) Die Tasse Kaffee ist nur eine von sehr, sehr vielen Einzel-Wirklichkeiten, die zusammengenommen die Gesamtwirklichkeit meiner Umwelt ausmachen. Diese Gesamtwirklichkeit ist so umfangreich, so detailliert und so komplex, dass kein Mensch in der Lage wäre, sie ganz und in allen Aspekten zu erfassen. Ein Physiker wird andere Aspekte der Wirklichkeit erfassen als ein Biologe, ein Kind andere als ein Erwachsener, ein Maler wird eine Landschaft anders sehen als ein Geologe usw. Jeder Mensch kann nur eine begrenzte, ausschnitthafte, auf seine besonderen Interessen zugeschnittene Wahrnehmung seiner Umwelt-Wirklichkeit haben. Und diese Wahr-nehmung wird für ihn, wenn sie sich in ähnlicher Weise wiederholt und bestätigt, allmählich zur Wahr-heit, die es ihm erlaubt, angemessen und sinnvoll in dieser Welt zu leben und zu handeln.

3) Sehr viel umfangreicher und vielschichtiger sind die Teilwahrheiten von der Wirklichkeit unserer Umwelt dann, wenn wir nicht eine Tasse Kaffee vor uns haben, sondern einen viel komplexeren "Gegenstand", z. B. einen Menschen, vielleicht einen, den wir durch jahrelange Beziehungen sehr gut kennen. Hunderte, vielleicht Tausende Wahrheiten über ihn fallen uns ein, wenn wir uns Zeit lassen, darüber nachzudenken. Allerdings, wenn wir dann mit einem Dritten über diesen Menschen sprechen würden, würde sehr schnell deutlich werden: Unsere Wahrheiten über ihn sind nicht alle deckungsgleich. Wir haben in manchen Teilbereichen ganz verschiedene Erfahrungen mit ihm gemacht. Unsere Wahrheiten über diesen Menschen sind nicht alle die selben. Aber dennoch ist er ein Mensch und eine Wirklichkeit. Die Verschiedenheit unserer Wahrnehmungen liegt zum einen an der Komplexität der jeweiligen Wirklichkeit, die ganz verschiedene Wahrnehmungen ermöglicht und zum anderen an der Verschiedenheit der Wahrnehmenden, die ganz verschiedene Vorerfahrungen und Herangehensweisen mitbringen.

Unsere Erfahrungen mit einer Wirklichkeit (besonders bei sehr komplexen Wirklichkeiten), und davon abgeleitet unsere Wahrheiten über sie, können von Mensch zu Mensch verschieden sein, ja sich sogar widersprechen, ohne dass sie deswegen unwahr sein müssten.

4) Dass seine Freundin eine liebenswerte Person ist, gilt für einen frisch verliebten jungen Mann als absolute Selbstverständlichkeit. Aber es ist seine persönliche, subjektive Wahrheit, die andere nicht teilen müssen. Dagegen gilt die Behauptung 2 x 2 = 4 für fast alle Menschen in allen Völkern und Kulturen gleichermaßen als wahr.

Dass Adolf Hitler ein schrecklicher Diktator war, der furchtbare Verbrechen befohlen hat, gilt keineswegs überall als Wahrheit. In manchen Weltgegenden kann es einem passieren, wenn man sich als Deutscher zu erkennen gibt, dass ein Leuchten über das Gesicht des Gegenübers geht mit der Bemerkung „Hitler, gut“. Auch in Deutschland sehen manche in ihm immer noch den „Führer“, der Deutschland und die Welt befreien wollte vor der Übermacht der Bösen (z. B. der Juden) und der Überzahl der Minderwertigen (z. B. der Behinderten oder der Angehörigen „minderwertiger“ Völker …, siehe auch den Themen-Beitrag „Hitlers Kampf“). Die historische Wirklichkeit der Nazi- Diktatur unter Hitler und ihrer furchtbaren Verbrechen ist weitgehend erforscht und umfassend dargelegt; wie weit sie aber von einzelnen Menschen als ihre persönliche Wahrheit akzeptiert wird, steht auf einem anderen Blatt.

Es gibt objektive (bzw. objektivierbare) Realitäten und subjektive Deutungen von Sachverhalten und Erfahrungen. Es gibt persönliche Überzeugungen, die einzelne Menschen für wahr halten und es gibt allgemein anerkannte Wahrheiten, die bei fast allen Menschen gültig sind. Darüber hinaus gibt es auch kollektive Wahrheiten, die nur innerhalb einer bestimmten Gruppe von Menschen (z. B. in einem bestimmten Kulturkreis, in einer Religionsgemeinschaft oder einer Partei) als unumstößlich wahr gelten.

5) Scheinbar objektive Wahrheiten sind nicht immer unwandelbar gültig. Menschen können sich in der Beschreibung und Deutung von Wirklichkeiten auch irren. Ihre "Wahrheiten" sind manchmal nur innerhalb eines bestimmten Denk- und Deutungssystems „wahr“. Kopernikus und Galilei stellten das damals gültige Weltbild in Frage (welches die Erde im Mittelpunkt der Welt und die Sonne um sie kreisen sah), weil neue Erkenntnisse sie zu einer neuen Deutung der Wirklichkeit und damit zu veränderten Wahrheiten über sie führten.

Unsere subjektiven und unsere kollektiven Wahrheiten (also unsere Deutungen der Erfahrungen, die wir mit bestimmten Phänomenen unserer Umwelt gemacht haben) müssen nicht unveränderbar für alle Zeiten „wahr“ sein, manchmal sind sie auch nur in einer begrenzten Zeitepoche mit einem bestimmten Denk- und Deutungssystem gültig. Aber die Tatsache, dass sich Menschen über bestimmte Einzelwahrheiten bezüglich einer bestimmten Wirklichkeit geirrt haben (und diese Irrtümer manchmal jahrhundertelang tradiert haben), bedeutet nicht, dass es keine Wirklichkeiten und keine objektiven Wahrheiten über sie gibt. Es gibt objektive Wahrheiten, die auch dann noch wahr sind, wenn sie kein Mensch weiß oder kein Mensch glaubt. Dass die Sonne im Mittelpunkt unseres Sonnensystems steht und nicht die Erde, das ist eine objektive Wahrheit und die war auch schon wahr, als es noch keinen Menschen gab, der sich Gedanken über die Himmelskörper machen konnte. Und es ist möglich (z. B. durch Beobachtung und wissenschaftliche Forschung), dass Menschen (und auch Gemeinschaften) das eigene Verständnis so verändern und anpassen, dass es immer mehr den objektiven Wirklichkeiten der realen Welt entspricht.

6) Unsere „Wahrheiten“ mögen zu einem Teil aus Irrtümern bestehen, die aber können sich doch allmählich einem angemesseneren Verständnis der Wirklichkeit annähern. Anders ist es bei der Lüge. Wenn jemand bewusst lügt, dann kennt er ja die Wahrheit, aber er verfälscht sie bewusst, um für sich einen Vorteil dabei herauszuholen und/oder um anderen zu schaden. (Siehe den Beitrag 2 „Die Macht der Lüge“.) Aber: Die Tatsache, dass wir manchmal belogen werden, bedeutet nicht, dass es keine objektiven Wahrheit gibt.

Unsere subjektive Wahrheit ist im konkreten Fall das, was die beteiligten Personen bezüglich einer bestimmten Wirklichkeit (einer Sache oder einem Vorgang) in ehrlichem Bemühen, dieser Wirklichkeit möglichst nahe zu kommen, für wahr halten. Wie weit sich unsere subjektive Wahrheit mit den objektiven Gegebenheiten deckt, ist von vielen Faktoren abhängig, z. B. auch von unseren Möglichkeiten, die tatsächlichen Fakten zu ermitteln und wahrzunehmen. Aber: Es ist für die Kommunikation unter Menschen entscheidend wichtig, dass jeder der Beteiligten sicher sein kann, dass alle Botschaften über eine bestimmte Wirklichkeit, die sie voneinander empfangen, im Wesentlichen zumindest so weit „wahr“ sind, dass sie keine bewusst verfälschten Elemente enthalten. Andernfalls würde die Kommunikation unter dem gegenseitigen Misstrauen zusammenbrechen oder zumindest stark belastet sein. Eine unbewusste Unwahrheit, weil jemand sich irrt oder jemand die tatsächlichen Gegebenheiten und Vorgänge falsch einschätzt, ist für das Vertrauensverhältnis zwischen Menschen viel weniger problematisch.

7) Vergangene Ereignisse sind so etwas wie unveränderbar „eingefrorene“ frühere Gegenwart (siehe auch den Beitrag „Zeit und Ewigkeit“). Etwas, was einmal Gegenwart war, ist nun Vergangenheit und diese Vergangenheit kann aus der Gegenwart heraus, also nachträglich, nicht mehr verändert werden, ohne dass diese Veränderung zur Unwahrheit wird. Der Ablauf der Zeit lässt einen tatsächlichen nachträglichen Eingriff aus der Gegenwart in die Vergangenheit nicht zu. Historische Wirklichkeit ist nicht veränderbar, sie kann aber so vielschichtig sein, dass sie von verschiedenen Menschen verschieden wahrgenommen wird und dass mache Wahrheiten erst nach und nach ans Licht kommen. Allerdings: Es hat in den vergangenen Jahrtausenden viele Versuche autoritärer Machthaber gegeben, die Geschichte nachträglich zu ihrem Gunsten „umzufrisieren“. Aber sie haben damit keine neue Wahrheit geschaffen und erst recht keine neue Wirklichkeit, sondern nur Lügengebäude errichtet, die irgendwann einstürzen mussten.

Historische Wirklichkeit ist nicht veränderbar; veränderbar ist allerdings unser Wissen über die historische Wahrheit. Wir können (wenn wir ehrlich bleiben wollen) nur versuchen, unsere Einsichten in diese Wahrheit den erkennbaren Verhältnissen und Vorgängen immer wieder anzupassen. Manchmal dauert es lange, bis wir genügend zuverlässige Fakten haben, um eine vergangene Situation zutreffend zu rekonstruieren und manchmal gelingt das nie. Jedes ordentliche und faire Verfahren vor einem Gericht ist ein Mühen, die Wahrheit über ein vergangenes Geschehen zu ergründen und entsprechend dieser Wahrheit zu urteilen. Ohne Wahrheit hat das Recht keine Grundlage. Allerdings: Manchmal behindern bewusste Fehlinformationen (Lügen) und bewusste Fehlinterpretationen (Umdeutungen) vergangener Ereignisse die Suche nach der historischen Wahrheit.

Veränderbar ist auch unsere Interpretation und Bewertung der Fakten, die wir von einem früheren Ereignis wissen. Selbst wenn diese Fakten nicht durch Lügen verfälscht sind, können sie doch in verschiedenen Situationen von verschiedenen Personen oder Gruppen verschieden wahrgenommen und interpretiert werden.

Trotzdem: Die Tatsache, dass unsere Informationen über die Vergangenheit durch Irrtümer und Lügen verfälscht sein können, bedeutet nicht, dass es keine historische Wahrheit gibt. Historische Fakten sind unabhängig von unseren Einschätzungen wahr. Historische Wahrheit wäre auch dann noch wahr, wenn sie von niemandem geglaubt würde. Und solche (möglichst unverfälschte) Wahrheit über die Vergangenheit ist die Grundlage für unser Leben und Handeln in der Gegenwart - und für unser Miteinander in den Gemeinschaften in denen wir leben. Selbstverständlich können sich Menschen über bestimmte Tatsachen und Vorgänge der Vergangenheit irren. Und selbstverständlich werden die Angehörigen verschiedener Konfliktparteien bestimmte Situationen und Erlebnisse ihrer gemeinsamen Konfliktgeschichte verschieden erinnern und beurteilen. Solche Einseitigkeit liegt schon darin begründet, dass jeder Beteiligte ja nur die eine Seite des Geschehens erlebt (siehe auch den Beitrag „Relativismus und Konstruktivismus“, Abschnitt 2.1 “die relativierte Wahrheit“). Ein friedliches Miteinander und befriedigende Lösungen von Konflikten kann es aber nur geben, wenn alle beteiligten Parteien sich ehrlich darum bemühen, der ganzen und unverfälschten Wahrheit zumindest näher zu kommen.

8) Ein Zwischenstadium und Sonderfall zwischen Irrtum und Lüge ist die Ideologie, die, um bestimmte politische Ziele zu verfolgen, ein eigenes Denk- und Deutungssystem erfindet, in das sie alle Wirklichkeiten hineinzupressen versucht. Dabei werden, um dem gewünschten politischen Ziel optimal zu dienen, die eigenen, oft unbewussten Einseitigkeiten und Irrtümer so weit mit bewussten Lügen aufgefüllt, dass ein in sich geschlossenes System von „Wahrheiten“ entsteht, welches nicht der Wirklichkeit verpflichtet ist, sondern nur der Durchsetzung der eigenen Ziele (siehe den Beitrag 2 „die Macht der Lüge“). Das Gefährliche an solchen bewussten Verfälschungen der Realität liegt darin, dass sie zu einem so umfassenden System von „Schein-Wahrheiten“ verdichtet und vernetzt werden können, dass sie eine neue von den Realitäten der Welt unabhängige „Wahrheit“ darstellen. Ziel so einer ideologischen Wahrheitsverfälschung ist es, ihre falschen "Wahrheiten" so zu verdichten und so umfassend zu kommunizieren, dass es für die darin Gefangenen gar keine Alternative mehr zu geben scheint, ja, dass sie ihnen zu einer neuen "Wirklichkeit" wird. Solche absichtliche Wirklichkeitsverfälschung gibt es nicht erst heute im Zeitalter der elektronischen Massenmedien, sondern schon seit Jahrtausenden, z. B. zur Zeit der Niederschrift des biblischen Alten Testaments (Jes 5,20, da sagt Gott durch den Propheten): Weh denen, die Böses gut und Gutes böse nennen, die aus Finsternis Licht und aus Licht Finsternis machen, die aus sauer süß und aus süß sauer machen! Ja, die Bibel hat auch hier recht: Am leichtesten gelingt die Verfälschung der Wirklichkeit durch die Umdeutung der Sprache. Indem man Gutes „böse“ nennt und Böses „gut“ usw. kann man die Realitäten und deren Wertung im Bewusstsein der Menschen so umfärben, dass die inneren Einstellungen und äußeren Handlungsweisen von Millionen von Menschen auf das politische Ziel der Sprach- und Wahrheitsfälscher ausgerichtet wird (vgl. auch den Roman von George Orwell „1984“, der noch lange vor der Erfindung von Internet und Smartphones geschrieben wurde).

Denk- und Deutungssysteme, die sich nicht an den erkennbaren Wirklichkeiten orientieren, sondern ihre „Wahrheiten“ an politischen Zielvorstellungen ausrichten, und dazu historische, sachliche und persönliche Wahrheiten bewusst verfälschen, können zum Motor von unmenschlichen und menschheitsgefährdenden Handlungsweisen werden (und sind es in der Vergangenheit oft geworden). Beispiele dafür sind die Propaganda-Systeme der Diktaturen unter Hitler, Stalin oder Mao in Deutschland, in der Sowjetunion und China, deren Inhalte für Millionen von Menschen zu unerschütterlichen und unanfechtbaren Wahrheiten wurden und denen Millionen von Menschen zum Opfer fielen (siehe den folgenden Beitrag 2 „Die Macht der Lüge“).

Zusammengefasst: Wirklichkeiten (Dinge, Verhältnisse, Vorgänge) bestehen unabhängig von jeder Wahrnehmung. Unsere Wahrnehmung der Wirklichkeiten in unserer Umwelt ist begrenzt und lässt verschiedene Interpretationen zu. Mehrere sich ergänzende Wahrnehmungen bezüglich einer bestimmten Umweltsituation und deren Einordnung in das eigene Denksystem nennen wir Erfahrung. Aus der Fülle von Wahrnehmungen und Erfahrungen und deren Interpretationen entwickeln Menschen im Austausch ihrer Erfahrungen mit anderen Menschen ein Verständnis ihrer Umwelt (Weltbild und Selbstbild). Aussagen von Menschen über bestimmte Dinge, Verhältnisse und Vorgänge in der Wirklichkeit, im Bemühen, diese Wirklichkeit möglichst unverfälscht wiederzugeben, nennen wir (subjektive) Wahrheit. Durch fortgesetztes Beobachten und Erforschen und durch den Austausch der Ergebnisse können subjektive Wahrheiten immer mehr objektiviert werden.

Die bisher dargestellten Aussagen über Wahrnehmung und Verständnis, Wahrheit und Wirklichkeit sind weder neu noch ungewöhnlich, die meisten Menschen haben irgendwie ähnliche Vorstellungen. Seit der Mitte des zwanzigsten Jahrhundert hat sich allerdings eine Denkrichtung weltweit Gehör verschafft und zum Teil auch politisch durchgesetzt, welche den Erfahrungsraum und Handlungsrahmen von Wahrnehmung, Wahrheit und Wirklichkeit grundsätzlich in Frage stellt: Siehe den Beitrag 3 „Relativismus und Konstruktivismus“.

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Weiterlesen im folgenden Beitrag 2 Die Macht der Lüge

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Bodo Fiebig Wirklichkeit und Wahrheit “, Version 2018-4

© 2018, herausgegeben im Selbstverlag, alle Rechte sind beim Verfasser.

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