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Bereich: Herausforderungen der Gegenwart

Thema: Europa und die Flüchtlingskrise

Beitrag: Hintergründe (Bodo Fiebig 2017- 10)

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Kaum ein Mensch macht sich ohne Not auf eine lebensgefährliche Flucht mit ungewissem Ausgang. Das gilt für sogenannte „Wirtschaftsflüchtlinge“ oder „Klimaflüchtlinge“ genau so wie für politisch Verfolgte oder für Menschen aus Kriegsgebieten. Deshalb ist es auch wenig sinnvoll, zwischen „Asylanten“, „Asyluchenden mit subsidiären Schutz“ und „Wirtschaftsflüchtlingen“ bzw. „Klimaflüchtlingen“ zu unterscheiden. Es sind in jedem Fall Menschen, die eine existenzielle Not in die Flucht treibt. Dabei muss man bedenken: Keine einzige der Fluchtursachen ist „natürlichen Ursprungs“; alle, ohne Ausnahme sind von Menschen gemacht. Selbst die klimatischen Veränderungen, die zu ausgedehnten Dürreperioden, katastrophalen Stürmen oder großflächigen Überschwemmungen und zu den entsprechenden Ernteausfällen und Hungersnöten führen, sind überwiegend nicht auf „natürliche“ Entwicklungen zurückzuführen, sondern Folgen jahrzehntelangem Missbrauchs der vorhandenen Ressourcen. Die meisten Fluchtgründe sind von Menschen schuldhaft verursacht, das gilt erst recht und besonders für die politischen, wirtschaftlichen und sozialen Hintergründe. (Siehe auch den Themenbeitrag „Gobalisierung“)

Die eigentlichen Ursachen hinter den vordergründigen Entwicklungen sind egoistisch motivierte Einstellungen und Handlungsweisen einer weltweit relativ kleinen Zahl von Personen und Gruppen, die um ihres persönlichen Gewinnes an Macht und Reichtum willen Menschen mehr oder weniger bewusst in so bedrohliche Zwangslagen bringen, dass ihnen, um zu überleben, gar nichts anderes übrigbleibt, als die Flucht. Das gilt vor allem für die aktuellen Krisen durch Verfolgung, Terrorismus und Krieg (die langfristigen wirtschaftlich und klimatisch bedingten Fluchtursachen dürfen dabei aber nicht außer Acht gelassen werden). Die wichtigsten dieser wahrhaft mörderischen Motive seien hier genannt:

  • Politisches Machtstreben

  • wirtschaftliche Ausbeutung

  • kulturelle und spirituelle Hegemonie

1 Politisches Machtstreben

Jetzt, im 21. Jahrhundert, gibt es auf unserem Globus nur einige wenige Regionen mit relativ gesicherten demokratischen und rechtsstaatlichen Verhältnissen (demokratisch klingende Verfassungen haben viele Länder, aber die haben mit der gesellschaftlichen Wirklichkeit dort oft nur wenig zu tun). In den meisten Ländern der Erde regiert der Machtwille einzelner Herrschergestalten bzw. kleiner Machteliten.

Machtkämpfe unter regionalen oder globalen Mächten und Herrschergestalten sind die Hauptursache für Konflikte, die Millionen Menschen ihre Lebensgrundlagen nehmen und zerstören. Dabei neigen die globalen Mächte dazu, Stellvertreterkriege zu führen, die dann von regionalen Mächten ausgefochten werden. Der gegenwärtige Krieg in Syrien z. B., der Hunderttausenden das Leben nahm und Millionen in die Flucht trieb, ist so ein Stellvertreterkrieg, durch den eine bestimmte globale Macht (in diesem Fall ein osteuropäisch-asiatisches Land mit einem sehr machtbewussten Herrscher an der Spitze) und als Reaktion darauf dann auch andere regionale und globale Mächte, sich ihren Einfluss in der weltpolitisch und weltwirtschaftlich wichtigen Region „Naher Osten“ sichern wollen. In anderen Regionen bewirken andere Mächte ähnliche Katastrophen (z.B. in Libyen, Jemen, Somalia, Afghanistan …).

Sehr viele unserer heutigen nationalen und internationalen Probleme sind Folge früherer politischer Verbrechen. Die heutige Weltmacht der Drogenkartelle z. B. ist nicht in erster Linie von kriminellen Organisationen entwickelt und aufgebaut worden. Es waren politische Mächte auf allen Kontinenten, welche die zerstörerische Kraft der Rauschgifte missbrauchten, um die Völker, die sie als ihre "Feinde" ansahen zu schwächen und die gleichzeitig die riesigen Gewinne aus dem weltweiten Rauschgifthandel für ihre (macht-)politischen Zwecke einzusetzen versuchten (z. B. im "Opiumkrieg" 1840-1842). Auch heute bedienen sich kleine und große politische Machthaber oft krimineller Methoden und maffioser Strukturen, um ihre Ziele zu erreichen.

Fast immer kann man die treibenden Kräfte hinter gegenwärtigen Konflikten als Personen identifizieren und beim Namen nennen. Bürgerkriege, aber auch wirtschaftliche oder gesellschaftliche Zusammenbrüche usw. passieren nicht einfach so als schicksalhafte Ereignisse, sondern sie werden von Menschen gewollt und betrieben, die davon profitieren wollen. Dabei nutzen globale und regionale Mächte gleichermaßen alle Möglichkeiten militärischer Gewalt und politischer Verfolgung, aber auch alle Möglichkeiten der Beeinflussung durch die etablierten Medien und die modernen Kommunikationsmittel, alle Möglichkeiten von Des-information und Lüge, besonders auch die Motivationskraft von Weltanschauungen und Religionen für ihre Zwecke (siehe auch den Themenbeitrag „Macht ohne Menschlichkeit“). Persönliches Streben nach Machtgewinn und Machterhalt ist eine der Hauptursachen für Konflikte, die zu massenhaften Fluchtbewegungen führen.

2 Wirtschaftliche Ausbeutung

Wirtschaftliche Ausbeutung in ihren verschiedensten Erscheinungsweisen ist ein weiterer Hauptgrund für millionenfache Fluchtbewegungen. In vielen Ländern leben Menschen in unvorstellbarem Reichtum und Luxus und Menschen in bitterster Armut und Not unmittelbar nebeneinander und weder der Reichtum der Einen noch die Armut der Anderen ist schicksalhaft vorgegeben, sondern ist die Folge von Strukturen, Bestrebungen und Handlungen, welche die einen reich und die anderen arm machen. Die materielle Not in vielen „Entwicklungsregionen“ ist nicht zuerst Folge von Unfähigkeit ihrer Bevölkerung oder mangelnder Ressourcen, sondern die Folge von ungerechten Bedingungen in der Weltwirtschaft, die Folge der Ausbeutermentalität vieler der großen global ausgerichteten Konzernlenker, ebenso vieler mittlerer Unternehmer mit internationalen Beziehungen und (in den Herkunftsländern selbst) die Folge der Habgier der regionalen Eliten und vieler kleiner lokaler Geschäftsleute und die Folge einer alles überwuchernden Korruption. Ausbeutung gab es schon immer, aber in unserer Gegenwart ist sie in vielen Weltgegenden zum legalen Geschäftsmodell geworden. Noch nie in den Jahrtausenden der Menschheitsgeschichte gab es auf dieser Erde so viele ausbeuterisch-abhängige Arbeitsverhältnisse (das heißt Sklaverei) in verschiedensten Formen, wie heute im 21. Jahrhundert.

Diese Ursachen führen unter anderem dazu, dass die Ressourcen der „Entwicklungsländer“ ausgeplündert und die Menschen als billige und rechtlose Arbeitskräfte missbraucht werden, während die Gewinne in die Taschen der einheimischen Unternehmer bzw. der internationalen Konzerne fließen, dass landwirtschaftlich nutzbare Flächen veröden, internationale Entwicklungshilfen ins Leere laufen und schließlich das Land die eigene Bevölkerung nicht mehr ernähren kann. Die Verantwortlichen für diese Ausbeutung der Menschen und der Länder sind nicht irgendwelche anonymen Prinzipien und Entwicklungen, sondern Menschen, die man mit Namen nennen kann. Warum sollen die eigentlich unantastbar sein, bloß weil sie ein paar tausend Kilometer vom „Tatort“ entfernt in einer Konzernzentrale sitzen oder gleich nebenan in einem Ministerialbüro?

3 Kulturelle und spirituelle Hegemonie

Macht hat immer die Tendenz, sich zu verabsolutieren. Meist genügt es den Machthabern auf Dauer nicht, politische Macht auszuüben und unterdrückte Völker wirtschaftlich auszubeuten. Man will die „totale Macht“ und die hat man erst, wenn man auch die Köpfe und Herzen der „Untertanen“ beherrschen kann. Extreme Beispiele waren im zwanzigsten Jahrhundert die ideologisch begründeten Macht-Systeme des Nationalismus und Kommunismus.

Der in der Weltgeschichte bisher weitestgehende Versuch, die Völker der Erde nicht nur politisch zu beherrschen und wirtschaftlich auszubeuten, sondern ihnen auch die eigene Kultur und Religion aufzuzwingen, war das Zeitalter der Kolonisierung der Länder Afrikas, Nord- und Südamerikas, Australiens und Teile Asiens durch die europäischen Mächte im ausgehenden Mittelalter (siehe auch die Themen „Weltgeschichte und Heilsgeschichte“ und „Weltreligionen und biblischer Glaube“). Aber auch das war ja kein neues „Spiel“ auf der Weltbühne. Das Reich Alexanders des Großen oder das Römische Weltreich hatten die gleichen Motive und Vorgehensweisen. Andere Beispiele waren die Eroberung dessen, was wir heute die „islamische Welt“ nennen durch arabische Machthaber im 7. bis 9. Jahrhundert, oder die gewaltsame „Einigung“ der Völker des heutigen China durch die chinesischen Kaiser der Chin- und Han-Dynastien unter der Oberherrschaft, Kultur und Religion (bzw. Staatsphilosophie) der chinesischen Eliten, oder die Zusammenfassung der Länder Osteuropas und Sibiriens unter russischer Vorherrschaft zur Zeit der Zaren und der Sowjetunion und unter deren jeweils vorherrschender Religion bzw. Ideologie. Andere kleinere Beispiele für politische, wirtschaftliche und kulturell/spirituelle Hegemonien, die zum Teil bis heute andauern, gibt es in großer Zahl. Gegenwärtig gibt es mehrere radikal-islamische Gruppen, deren religiös-ideologische Ausrichtung danach strebt, möglichst allen Völkern der Erde eine islamische Hegemonie mit der Scharia als übergeordnetem Recht aufzuzwingen.

Es gibt beides: Mächte, die fremde Völker und Gebiete erobern, um dort eine politische Oberherrschaft zum eigenen wirtschaftlichen Vorteil einzurichten, ihnen aber weitgehende kulturelle und spirituelle Eigenständigkeit gewähren, oder Mächte, die in fremden Völkern und Gebieten ihre eigene Kultur und Spiritualität (ihren „Way of Life“) durchzusetzen versuchen, ihnen aber ihre politische Eigenständigkeit lassen. Beides ist aber selten von Dauer. Meist strebt eine Hegemonie auf ihre „Vollversion“ zu, wo unter politischer und wirtschaftlicher Vorherrschaft auch die Kultur und Religion vom System der Herrschenden bestimmt wird.

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Das Thema Europa und die Flüchtlingskrise enthält derzeit folgende Beiträge (der eben verwendete Beitrag ist gelb markiert):

Hintergründe

Die Strategie

Grundsätze

Die ethische Krise der Menschheit

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Weiterführende Beiträge aus anderen Themengruppen:

Globalisierung

Macht ohne Menschlichkeit

Weltgeschichte und Heilsgeschichte

Recht und Unrecht

Friede auf Erden?

 

© 2015 Bodo Fiebig Europa und die Flüchtlingskrise, Version 2017-10

Herausgegeben im Selbstverlag, alle Rechte sind beim Verfasser.

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