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Bereich: Kontroverse Diskussion

Thema: Das Gender-Konstrukt

Beitrag 3: Urbild und Abbild (Bodo Fiebig 2017- 12)

Wir Menschen sind, wie alle Lebewesen, darauf angewiesen, die Realitäten seiner Umwelt wahrzunehmen und damit zu leben. Soweit es sich um soziale, d. h. von Menschen, Gruppen und Völkern im Laufe ihrer Geschichte gemachte Realitäten handelt, sind Menschen immer aufgefordert, sie weiterzuentwickeln und dabei ungerechte Strukturen aufzubrechen.

Aber der Mensch ist das einzige Lebewesen, das die Möglichkeit hat, seine Umwelterfahrungen und seine eigene Existenz zu deuten, ihnen eine Sinnperspektive zu geben. Wer bin ich? Staubkorn im Universum oder Mittelpunkt der Welt? Ein intelligentes Säugetier oder Krone der Schöpfung? Ebenbild Gottes oder Bestie in Menschengestalt? Oder doch nur Zufallsprodukt der Evolution?

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1 Das biblische Menschen-Bild

Die Bibel, einer ältesten und in seiner Wirkungsgeschichte bedeutendsten Texte der Menschheit, ist in der Lage, den Menschen so eine "Sinn-Persprektive" zu geben. Sie sagt: Materiell gesehen ist der Mensch gar nichts Besonderes. „Staub vom Erdboden” ist er, heißt es da (1. Mose 2, 7) Und das stimmt ja auch: Die Atome, aus denen ein menschlicher Körper besteht, sind die gleichen, wie bei der Erde auf dem Feld oder beim Staub auf der Straße. Auch biologisch gesehen ist der Mensch nichts Besonderes. Biologisch funktioniert er genau so wie jedes andere Lebewesen auch. Und genetisch ist er den Säugetieren ganz eng verwandt. Das Besondere des Mensch-Seins liegt nicht in seiner Materie und nicht in seiner Biologie. Worin aber dann? Was macht denn dann das Mensch-Sein des Menschen aus?

Die Bibel, sagt: Das Besondere am Menschen liegt in seiner Berufung, liegt in dem, was er sein kann und werden soll (siehe das Thema "sein und sollen"). Jedes Tier erfüllt den Sinn seines Daseins allein schon durch sein Da-Sein als Mit-Geschöpf im Beziehungsgefüge des Lebens. Es kann seinen Lebenssinn nicht verfehlen. Der Mensch aber hat die Erfüllung seines Lebenssinns als Aufgabe bekommen, die er erfüllen oder auch versäumen kann. Er ist das einzige Lebewesen, das den Sinn seines Daseins nicht in sich selbst hat, sondern ihn suchen und finden und als Berufung annehmen muss. Aber was ist das für eine Berufung? Das steht schon auf der ersten Seite der Bibel: 1.Mose 1, 26-27 (wörtliche Übersetzung): Und (es) sprach Gott: Machen wollen wir Menschen in unserem Bild, gemäß unserer Gleichheit. (...) Und Gott schuf den Menschen in seinem Bild, im Bilde Gottes schuf er ihn; männlich und weiblich erschuf er sie.

Das ist zunächst überraschend: Die Schöpfung „Mensch“ soll „Bild“ sein, Ikone – Ikone Gottes, das heißt: sichtbare Darstellung des Schöpfers in der Schöpfung, anschaubare Vergegenwärtigung Gottes mitten in einer scheinbar gottlosen Welt. Und das gilt grundsätzlich für jeden Menschen. Dabei ist aber der Mensch keine optische Abbildung Gottes, als wäre Gott ein Wesen mit menschenähnlicher Gestalt, mit Armen und Beinen, mit Augen, Mund und Nase… (dann wäre ja Gott ein Abbild des Menschen, und so haben sich Menschen zu allen Zeiten ihre Götter vorzustellen versucht). Nein, der Mensch ist keine optische Abbildung Gottes sondern eine wesentliche. Durch das Menschsein soll das Wesen Gottes in der Schöpfung anwesend sein.

Aber, wer ist Gott, was ist denn sein eigentliches Wesen? Und wozu hat er uns geschaffen und was erwartet er von uns? Die Antworten auf solche Fragen sind von uns aus nicht zugänglich. Wir können mit den Mitteln menschlicher Erkenntnisfähigkeit nur so viel von Gott erfassen und mit den Mitteln menschlichen Sprache nur so viel von Gott aussagen, als er selbst sich uns offenbart.

Und Gott hat sich offenbart: In der Schöpfung, in der Geschichte Israels, im Leben, Reden und Handeln Jesu, auch in der Geschichte des Judentums und der Christenheit der vergangenen 2000 Jahre und in der Weltgeschichte und Heilsgeschichte bis heute. Und in dieser Selbstoffenbarung Gottes über Jahrtausende hinweg können wir wahrnehmen, dass die Existenz Gottes wesentlich in einem „In-Beziehung-Sein“ besteht, einem „In-Beziehung-Sein“, das wir mit den Mitteln der menschlichen Sprache (freilich völlig unzureichend, aber wir haben keine Alternative) mit dem Begriff „Liebe“ umschreiben.

In der Bibel klingt das so: 1. Joh 4, 7-8: Ihr Lieben, lasst uns einander liebhaben; denn die Liebe ist von Gott, und wer liebt, der ist von Gott geboren und kennt Gott. Wer nicht liebt, der kennt Gott nicht; denn Gott ist Liebe. Das also (das, was hier mit dem Begriff „Liebe” umschrieben wird), das ist es, was das Gott-Sein Gottes ausmacht, sie ist sein eigentliches „Wesen”, seine „Substanz”, seine „Identität”.

"Gott - ist - Liebe". Damit ist alles Wesentliche über den Gott der Bibel ausgesagt: Sein Wesen ist ein „Für-den-andern-da-sein“ in voraussetzungsloser Annahme, uneingeschränkter Zuwendung, unerschütterlicher Treue und opferbereiter Hingabe. Und diese Liebe, die das Gott-Sein Gottes ausmacht, die soll nun als sein „Ebenbild” auch das Mensch-Sein des Menschen bestimmen. Das, was das Menschsein des Menschen ausmacht, ist die Fähigkeit zu lieben. Zu lieben aus bewusster Hingabe an ein Du. Zu lieben, auch wenn es für das eigene Ich Nachteile einbringt.

Die Liebe, die sich bewusst an ein Gegenüber hingibt, die nicht sich selbst erhöhen, sondern dem andern zur Erfüllung seines Menschseins und zur Freude am Dasein helfen will, die sich aus freiem Willen für eine Gemeinschaft engagiert und die sich selbst unter Zurückstellung der eigenen Wünsche und Vorteile für das Gefährdete und Verlorene einsetzen kann, das ist das Göttliche, das sich im Menschsein widerspiegeln soll als sein Ebenbild und das durch den Menschen in der Schöpfung gegenwärtig und wirksam sein soll. Diese Liebe soll zur Überwindung des universalen Ego-Prinzips der Evolution werden im Miteinander der Menschen. Sie ist das Gegenmodell zum „Kampf ums Dasein” und zum Prinzip vom „Fressen und Gefressen-werden”, die sonst alles Leben beherrschen.

2 Gemeinschaft der Liebe

Der Mensch ist frei, sein Weltbild und Selbstverständnis selbst zu entwerfen (und wenn er sich dabei nicht an den Realitäten seiner realen Umwelt orientiert, wird er wohl Schiffbruch erleiden, siehe das Thema "Wahrheit und Wirklichkeit"). Ja, aber er hat eine Berufung, die durch keinen Selbstentwurf erreicht werden kann! Ein wesentlicher Aspekt dieser Berufung liegt in seiner Zweigeschlechtlichkeit männlich-und-weiblich, denn die entspricht in ihrer Liebes­fähigkeit und in ihrer Schöpfungspotenz dem Urbild des Menschseins, nämlich Gott selbst. Aber nicht jede Zweigeschlechtlichkeit ist in sich schon Abbild Gottes (etwa die Zweigeschlechtlichkeit der Blüten am Apfelbaum). Nur eine Zueinandergehörigkeit von Menschen, welche die Liebe Gottes zum „Vor-Bild“ hat, kann zum „Ab-Bild“ des Schöpfers werden. Das gilt (trotz aller menschlichen Fehler und Schwächen) grundsätzlich für jedes menschliche Miteinander, aber an der Liebe zwischen Mann und Frau soll das am deutlichsten erkennbar werden. Wenn sie in einer dauerhaften Gemeinschaft miteinander leben, kann ihr Miteinander in Liebe und Treue einen Schutzraum und einen Lebensraum bietet, in dem Kinder zu fröhlichen und verantwortungsvollen Menschen heranwachsen können.

Das heißt, das Menschsein hat schon seine Bedeutung, noch ehe Menschen anfangen können, ihre eigene Existenz zu deuten. Und die alltägliche Konkretion dieser Bedeutung ist wesentlich mitbestimmt durch das Spannungsfeld der „Zweiheit“ männlich-und-weiblich. Da wo eine Zweiheit von Mann und Frau zur Einheit einer Liebesgemeinschaft wird, die selbstverständlich die Sexualität mit einschließt, die aber auch offen ist, sich von der Liebe Gottes „inspirieren“ zu lassen, da ist sie Ebenbild Gottes, trotz aller Unvollkommenheit menschlicher Existenz. Oder allgemeiner: Da wo eine Gemeinschaft von Menschen (klerin oder groß und unabhängig von Geschlecht, Sozialstatus, ethnischer Herkunft, kultureller Zugehörigkeit usw.) so lebt, dass die gottgewollte Liebe in ihr (trotz aller menschlichen Unzulänglichkeit und Fehlerhaftigkeit) zum wesentlichen Merkmal ihres Miteinanders wird, da wird ihr gemeinsames Leben zur anschaubaren Vergegenwärtigung des Göttlichen in dieser scheinbar gottlosen Welt.

Der Mensch muss sich und seine „Welt“ nicht selbst „konstruieren“; er muss seine geschlechtliche Identität nicht selbst erfinden. Wir brauchen keine Philosophie, die unseren Egoismus aufbläht: „ICH, ICH bin der Schöpfer meiner eigenen Welt!“ Wir brauchen keine Gender-Ideologie, die unseren Egoismus anheizt: „ICH, ICH will und kann mein eigenes Geschlecht und meine sexuelle Identität selbst bestimmen!“ Wir brauchen die Liebe Gottes als Vorbild für unser Menschsein, damit es (in aller Vorläufigkeit und Unvollkommenheit) zum Ebenbild seiner Liebe wird und das Menschsein nicht an seinen eigenen Egoismen zugrunde geht. Nur so könnte unsere Erde (wenigstens an einigen Stellen) zu einem Ort des Friedens werden und menschliche Gemeinschaft zum Anschauungsobjekt für ein gottgewolltes und menschenwürdiges Miteinander und Füreinander.

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Bodo Fiebig Urbild und Abbild Version 2018 - 10

© 2016, herausgegeben im Selbstverlag, alle Rechte sind beim Verfasser.

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