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Bereich: Kontroverse Diskussion

Thema: Die Ethik des Atheismus

Beitrag 3: Evolution des Sozialverhaltens? (Bodo Fiebig 2017- 9)

Menschliches Leben definiert sich nicht nur als Funktionszusammenhang organischer Substanz in einem individuellen Lebewesen (siehe den Beitrag 2 „Evolution des Lebens“), sondern auch als integrierter Teil von überindividuellen Lebens-Verbänden. Das gilt auch schon, in verschiedener Abstufung, für pflanzliches und tierisches Leben. Ein Wald z. B. ist nicht nur eine Ansammlung von verschiedenen Lebewesen, die nebeneinander existieren, sondern ein integriertes System gegenseitiger Abhängigkeiten, in dem jedes Einzelne miteinander und voneinander lebt und in dem die Einzelnen Teilnehmer (sogar verschiedene Pflanzen) in vielfältiger Weise miteinander kommunizieren.

Noch viel mehr gilt dieses gegenseitige Aufgeschlossen-, Zugewendet- und Angewiesen-Sein für das Miteinander von Menschen. Das stellt jedoch die Frage nach der Entstehung und Entwicklung des Lebens und des Menschseins neu, denn eine Antwort muss nun den Menschen auch als soziales (nicht nur biologisches) Wesen im Blick haben.

Wenn man die ganze Vielfalt menschlichen Daseins und Verhaltens (in diesem Fall auch das soziale Miteinander) evolutionär erklären will, scheinen dafür zunächst alle Türen offen: Bestimmte Verhaltensweisen erwiesen sich als für die Gemeinschaft vorteilhaft. Man war erfolgreicher bei der Jagd und siegreicher bei den Auseinandersetzungen mit konkurrierenden Gruppen. Also wurden solche Verhaltensweisen beibehalten und weiterentwickelt, während man andere, weniger nützliche, schnell wieder ablegte. Der „Kampf ums Dasein“ trieb nicht nur die biologische Evolution voran, sondern auch die Entwicklung des Sozialsystems, die das Miteinander der Menschen bestimmte (wobei man hier nicht von "Evolution" im biologischen Sinne reden kann, sondern im allgemeineren Sinn, als von einer Entwicklung, die nicht geplant und zielgerichten abläuft, sondern wo aus zufällig entstehenden Varianten des Lebens oder Handelns diejenigen ausgewählt werden, die sich am vorteilhaftesten und erfolgreichsten erweisen).

Freilich müsste man dann z. B. auch die überraschende Erscheinung mit einbeziehen, dass Menschen schon vor Zehntausenden von Jahren und mitten im schärfsten Überlebenskampf Kunstwerke schufen, die heute noch beeindrucken und faszinieren. Hatten die Menschen etwa ein „Kunst-Gen“ und bietet Kunst wirklich einen Selektionsvorteil, der das Überleben und die Fortpflanzung der Art sichert?

Spuren aus der Frühzeit des Menschseins belegen nicht nur künstlerische Gestaltung, sondern auch Himmelsschau und Sternendeutung, Naturzauber und religiöse Zeremonie. Ist den Menschen etwa ein Glaubens-Gen als Zufalls-Treffer der Evolution zugewachsen? Nebenbei: Wenn alle Lebensäußerungen evolutionär entstanden wären (wie die „Neuen Atheisten“ meinen), dann müsste ja auch jede religiöse Haltung so geworden sein, denn unbestreitbar gibt es sie als menschliche Verhaltensform. Was regen sich dann aber die „Neuen Atheisten“ darüber auf, und warum wollten sie alle Errungenschaften der Evolution gelten lassen außer dieser einen?

Menschliches Dasein hat offensichtlich nicht nur eine biologische Komponente, sondern auch eine soziale, eine denkend und handelnd umwelterschließende, eine künstlerisch-kreative und eine weltanschaulich-religiöse. Die beiden Letztgenannten scheinen sogar das typisch Menschliche im Unterschied zu allen anderen Lebewesen auszumachen.

Betrachten wir aber zunächst nur den sozialen Aspekt: Das Sozialverhalten des Menschen ist offensichtlich nicht rein genetisch bedingt (obwohl auch eine Vielfalt instinktgebundener Verhaltensweisen im sozialen Umgang eine Rolle spielt). Ein und derselbe Mensch kann, wenn er das kulturelle Umfeld wechselt, ganz verschiedene Sozialformen übernehmen und mitvollziehen: Ein afrikanischer Steppenbewohner und Viehzüchter flieht nach einer Dürreperiode, bei der alle seine Tiere umkamen, aus den fest gefügten Traditionen seines Stammes in die (für ihn) scheinbar unstrukturierte und haltlose Millionen-Masse der Metropole, um dort Arbeit und Brot zu finden und muss sich von einem Tag auf den anderen auf eine völlig andere Welt mit völlig anderen Regeln und Verhaltensmustern einstellen. Oder: Ein verwöhnter Mitteleuropäer verlässt die Glaspaläste und Partyzonen einer Großstadt, um in einem abgelegenen Kloster ein gänzlich neues Leben zu beginnen. Instinkthaft festgelegte Verhaltensmuster werden weder den einen noch den andern auf Dauer daran hindern können, sich in ihrer neuen Umgebung einzugewöhnen.

Zwar gibt es auch im Tierreich sehr komplexe Sozialformen, etwa in einem Ameisenstaat oder in einem Wolfsrudel. Aber nie wird ein Wolfsrudel in der Organisationsform eines Ameisenstaates funktionieren, und nie ein Ameisenstaat mit den Verhaltensmustern eines Wolfsrudels. Nur der Mensch ist offensichtlich in der Lage, seine Gemeinschafts-Strukturen und sozialen Lebensformen weitgehend frei selbst zu entwickeln und sehr flexibel zu verändern.

Wie können wir uns die Entwicklung des kollektiven Verhaltens in frühen Formen menschlicher Gemeinschaft vorstellen?

1 Entwicklung des kollektiven Verhaltens

Ich spreche hier bewusst nicht von einer „Evolution des kollektiven Verhaltens“, denn „Evolution“ beruht ja per Definition immer auf genetischen Veränderungen. Die spielen aber bei der Entwicklung des kollektiven Verhaltens beim Menschen offenbar nur eine geringe Rolle. Wie sollten aber dann die verschiedenen Lebensformen in verschiedenen Gemeinschaften entstanden sein?

Stellen wir uns frühe Formen menschlicher Gemeinschaft vor: Familien und Sippen, Horden von ein paar Dutzend Menschen, die die Wälder und Steppen auf der Suche nach jagbarem Getier und essbaren Pflanzen durchstreiften, immer in der Gefahr des Verhungerns, immer den veränderlichen Bedingungen des Klimas und der Jahreszeiten ausgeliefert, immer im Kampf gegen körperlich überlegene Wildtiere und konkurrierende Menschen-Gruppen. Das Leben in einer so feindlichen Umwelt forderte alle ihre körperlichen und geistigen Fähigkeiten heraus. Nur durch kluge Einteilung der Kräfte und durch überlegene Strategien gemeinsamen Kampfes, bei dem jeder seine spezielle Rolle zu spielen hatte, konnte das Leben und Überleben des ganzen Rudels gesichert werden.

Dazu brauchten diese Lebens- und Jagdgemeinschaften aber Regeln, die ihr Miteinander so effektiv wie möglich ordneten. So entstanden, jenseits der instinktgebundenen Verhaltensmuster, erste Rudelordnungen, die den einzelnen Mitgliedern der Sippe bestimmte Handlungen und Verhaltensweisen zuwiesen, an die sie sich zu halten hatten: Die Jagdordnung unter der Führung des erfahrensten Jägers der Gruppe, die Arbeitsteilung zwischen den Männern und Frauen, den Jungen und Alten, den Sippenführern und Untertanen ...

Dass solche kollektiven Verhaltensmuster eben nicht evolutionär (also durch Mutation und Selektion) bedingt waren, machte eigentlich erst ihre Brauchbarkeit aus: Sie konnten sich in kürzester Zeit (während evolutionäre Prozesse immer sehr große Zeiträume erfordern) an veränderte Umweltbedingungen anpassen. Soziales Lernen verhält sich zur Evolution wie ein Formel-1-Rennwagen zur Postkutsche. Ob sich die Lebensbedingungen in ihrem Wohngebiet veränderten (z. B. durch Klimawandel oder Übervölkerung), oder ob sich Nachbarstämme zum Kampf um die Jagdgründe rüsteten ..., die Sozialformen der Gemeinschaft konnten in kürzester Zeit auf die neuen Herausforderungen um- und eingestellt werden.

Das bedeutet: Bei der Entwicklung des Sozialverhaltens fällt eine der Grundbedingungen für Evolution weitgehend weg, die genetische Mutation. Sie wird hier durch Erfahrungswissen, durch entdeckendes Lernen, vorausschauende Planung und bewusste Entscheidung ersetzt. Erst dann hätte das zweite Grundprinzip der Evolution, die Selektion, einsetzen können und Gemeinschaften, die weniger gut organisiert waren und weniger flexibel auf Veränderungen reagierten, aus dem Wettbewerb des Lebens ausscheiden können.

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2 Entwicklung von Werteordnungen

Im Miteinander der einzelner Menschen-Gruppen hatten sich so, über viele Generationen hinweg, Systeme von Regeln und Ordnungen entwickelt, die das Zusammenleben im Innern erleichtern und zugleich die Kampfkraft nach außen stärken sollten.

Alles, was den Zusammenhalt der Gemeinschaft in ihrer Gefährdung durch die Gewalten der Natur und in der Auseinandersetzung mit konkurrierenden Gruppen stärkte, wurde nun als „gut“ empfunden, weil es Vorteile für die eigene Sippe in der Auseinandersetzung mit ihrer Umwelt bot, und alles, was die eigenen Kräfte schwächte, wurde „böse“ genannt. Die Fülle möglicher Verhaltensweisen wurde nun einem Werturteil unterworfen. Nicht jedes Verhalten war gleich-wertig und gleich-gültig, vielmehr wurde es mit dem Maßstab der Brauchbarkeit im Überlebenskampf der Gemeinschaft gemessen. „Gut“ war es nun z. B., wenn ein Jäger und Krieger tapfer und unter Einsatz seines Lebens für den Erhalt seiner Sippe kämpfte; „böse“ war es z. B., wenn ein Mitglied der Gruppe einem andern seinen Anteil an der Jagdbeute stahl, weil er damit ihn und seine Familie dem Hungertode preisgab und so die ganze Sippe schwächte.

Allmählich bildete sich so innerhalb bestimmter Sippen und Stämme ein ganzes Wertesystem des Sozialverhaltens heraus, das zum sozialen Fundament einer „Kultur“ wurde. Dabei waren die Normen des Gemeinschaftslebens zunächst im Wesentlichen vom Anliegen der kollektiven Nützlichkeit bestimmt. Gut ist, was „uns“ (wie auch immer dieses „Uns“ dann definiert wird) nützt, und böse ist, was „uns“ schadet. Die Werte, Regeln und Ordnungen wirkten so als innere Bindungskräfte und als soziale Verstärker der körperlichen und geistigen Kräfte im Überlebenskampf der Gemeinschaft.

Wenn sich die Mitglieder der Gruppe an diese Vorgaben hielten, wurde das von der ganzen Gemeinschaft als positiv, also „gut“ gewertet und belohnt (zum Beispiel bei der Zuteilung des Beute-Anteils), wenn nicht, galt das als schädlich für die Gemeinschaft, also als „böse“ und wurde bestraft. Es entstand zum ersten Mal eine Rudelordnung, die nicht mehr ausschließlich vom Instinkt her gesteuert war, sondern die eine ethische Einstellung umsetzte. Innerhalb der eigenen Sippe bedeuteten solche Formen von gegenseitiger Unterstützung und gemeinsamer Kampfführung auch einen biologischen Vorteil: Die besser organisierte Gruppe hatte die besseren Überlebenschancen.

Das heißt: Innerhalb von menschlichen Gemeinschaften gab es nun zwar Systeme von Werten und Ordnungen, die das Miteinander regelte (wobei auch diese Ordnungen oft in sich noch viel Unrecht und Unterdrückung enthielten) aber nach außen, zwischen den verschiedenen Sippen und Stämmen, Völkern und Reichen tobte der alte Kampf ums Leben und Überleben, um Vorherrschaft und Macht, um das Recht des Stärkeren, der den Schwachen ausbeutet, versklavt und tötet.

Da die einzelnen Sippen und Stämme weitgehend isoliert voneinander lebten, konnten die Werteordnungen in verschiedenen Gruppen auch sehr verschieden aussehen. Was in der einen Sippe als „gut“ angesehen wurde, konnte in einer anderen als verwerflich gelten. Aufs Ganze gesehen brachten aber ähnliche Umweltbedingungen auch ähnliche Grundmuster von Werteordnungen hervor.

Das Bewusstsein einer eigenen kollektiven Identität („wir“ sind anders als „die anderen“) machte sich nun nicht nur an biologischen, sondern auch an kulturellen Unterschieden gegenüber den Nachbarstämmen fest, die als Konkurrenten oder gar Feinde empfunden wurden. So wurde die eigene „Ethik“ zum sozialen Kitt innerhalb der Gemeinschaft und zugleich auch zur Waffe, die „uns“, im Binnenleben unserer Gemeinschaft, stark macht gegen „die anderen“ da draußen. Die furchtbarsten und grausamsten Kämpfe finden ja nicht im Tierreich statt, wo ein Tier das andere tötet, um davon zu leben, sondern unter den Menschen, wo man Angehörige fremder Rassen, Völker und Kulturen zu „Feinden“ erklärt, gegen die erlaubt ist, ja gefordert wird, was innerhalb der eigenen Gruppe verboten ist: Raub und Mord, Vergewaltigung und Versklavung…

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3 Entwicklung eines religiösen Deutungssystems

Sehr früh, schon bei den ältesten Zeugnissen menschlicher Gemeinschaft, begegnet uns ein Phänomen, das es ausschließlich im Menschsein gibt, und das bei keinem Tier auch nur in winzigsten Ansätzen vorhanden ist: das Streben nach religiöser Welt-Deutung (vgl. auch das Thema „Weltreligionen und biblischer Glaube“, in dem diese Vorgänge noch in einen weiteren Zusammenhang gestellt sind) und das Bemühen, sich etwas Übernatürlichem zu nähern.

Zunächst wohl in zwei Formen:

3.1 Vergöttlichung der Naturgewalten.

Ausgangspunkt dieser Entwicklung war die Erfahrung von Angst machenden, weil bedrohlichen, ja lebensgefährdenden Naturerscheinungen: der Blitz und der Donner, der Sturm, der Hagel, die Dürre und die Überschwemmung, die Hitze und die Kälte und die Finsternis der Nacht. Das waren einige der großen Schrecken der frühen Menschen, die unversehens über sie hereinbrachen. Waren da nicht böse Kräfte am Werk unaufhaltsam, übermächtig?

Allerdings gab es daneben auch positive Naturerfahrungen: die wärmende Kraft der Sonne nach dem langen Winter, das Leben spendende Wasser einer Quelle im trockenen Land, ein mächtiger Baum, der nahrhafte Früchte gab, ein großer Fluss, der essbare Fische anbot, das wärmende Feuer, die schützende Höhle…

Oft gab es auch widersprüchliche Erfahrungen: die Strahlen der Sonne als tödliche Gefahr in der Wüste, aber auch als freundliche Wärme in der kalten Jahreszeit, das Feuer als unentrinnbares Verhängnis, wenn es als Wald- oder Steppenbrand die Fliehenden einschloss oder als wärmende Glut, an der man das Fleisch eines erlegten Tieres briet, das Wasser als todbringende Flut und als Leben spendenden Regen nach der Trockenzeit ...

Irgendwann entstand das Empfinden (auch wenn es vielleicht noch nicht in Worte gefasst werden konnte): Die Kräfte der Natur sind ja wie Menschen, einmal freundlich und hilfreich, dann wieder böse und gewalttätig, nur viel größer und viel mächtiger. Sie sind launisch und unberechenbar wie Menschen, aber vielleicht sind sie auch zugänglich für Bitten und Geschenke so wie Menschen? Allmählich bildete sich eine Vorstellung von der Natur heraus, als wäre sie von menschlichen Trieben und Motiven bewegt, aber mit weit übermenschlichen Kräften begabt (Siehe auch das Thema „Weltreligionen und biblischer Glaube“, Beitrag 1 „Was ist Religion?“).

Für diese Mächte mit menschlichen Eigenschaften und Motiven aber mit übermenschlichen Kräften musste man nun eine eigene, völlig neue Kategorie des Denkens entwickeln: Vorstellungen und Begriffe von etwas Menschlich-übermenschlichem, nur indirekt erfahrbar, aber mit größtem Einfluss auf das eigene Leben: Geister, Dämonen, Götter ... Die Vermenschlichung der Natur durch Zuschreibung menschlich-übermenschlicher Eigenschaften führte direkt zu ihrer Vergöttlichung. So stellte man sich vor: gute und böse Götter oder Götter mit guten und bösen Eigenschaften, die in einem besonders geformten Berg wohnten, in einem stattlichen Baum, einem großen Fluss, in den Wolken des Himmels, in Sonne, Mond und Sternen. Wie konnte man die guten Mächte für sich gewinnen und die bösen abwehren, oder wie konnte man die Götter beeinflussen, dass sie uns freundlich sind, dass sie uns helfen und den Feinden schaden? Am besten wohl so, wie man auch mächtige Menschen für sich gewinnt: indem man ihre Übermacht anerkennt und sich vor ihnen niederwirft, indem man ihnen gehorcht und ihnen Geschenke bringt. So entstanden Unterwerfungszeremonien und Opferriten, Bittgebete und Dank-Sagung.

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3.2 Umdeutung sozialer Ordnungen zu göttlichen Geboten

Wahrscheinlich hat sich das niemand so ausgedacht und bewusst als Mittel zum Machterhalt eingeplant, aber es hat sich so entwickelt und mit der Zeit immer mehr verfestigt: Die sozialen Ordnungen in einem Sippen- oder Stammesverband waren dann am stabilsten und tragfähigsten, wenn ihre Regeln, ihre Gebote und Verbote, als von den Göttern gegeben angesehen wurden. Dann waren sie jeder Kritik und jedem Druck zur Veränderung entzogen, unangreifbar verankert in der unzugänglichen Sphäre übermächtiger Götter. Der Bruch der Gebote zog dann nicht nur menschliche, sondern auch göttliche Strafen nach sich. So waren die Ordnungskategorien und Wertsysteme der Gemeinschaft gesichert und dauerhaft verankert.

Aber nicht nur die Spielregeln des Gemeinschaftslebens, auch alle Formen von sozialer Über- und Unterordnung, alle Vormachtstellungen und Führungsansprüche konnten nun als „göttliche Ordnungen“ verstanden werden. So wurden aus oft gewaltsam errungenen Machtpositionen dauerhafte, unangreifbare Ordnungen, durch Götter gegeben, von ihnen bewacht und immun gegen jede „umstürzende“ Idee. (z. B. in Richtung auf mehr Gerechtigkeit und mehr Teilhabe der „Unteren“ und „Schwachen“ am gemeinsamen Wohl). In allen Hochkulturen des Altertums war das eine Selbstverständlichkeit: der König, Kaiser, Pharao… war direkt von den Göttern eingesetzt und stand unter ihrem Schutz. Kritik am Herrscher war Rebellion gegen die Götter. So konnten mächtige Staatengebilde unter einer starken Zentralregierung entstehen. Freilich auch mit viel Unrecht, Unterdrückung, Ausbeutung, Versklavung und Gewalt.

Trotzdem brachte diese Entwicklung auch Vorteile für alle: Indem die sozialen Verhaltensregeln und ethischen Werteordnungen, die aus der Erfahrung gemeinsamen Erlebens und Erleidens, gemeinsamer Niederlagen und Erfolge stammten, zu göttlichen Geboten wurden, waren sie dauerhaft und stark und auch ein wenig gegen den Zugriff wechselnder Machthaber geschützt, die sie sonst noch leichter für ihre eigenen Zwecke hätten missbrauchen können.

Solche Verhaltensregeln und Werteordnungen orientierten sich zwangsläufig immer am eigenen gruppenegoistischen Vorteil. Dazu waren sie ja entstanden. Aber bräuchte man zu wahrer „Menschlichkeit“ nicht auch Werte, die über den eigenen kollektiven Vorteil der Gruppe hinausgehen und das Menschsein (und die Schöpfung) als Ganzes umfassen?

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Weiterlesen im Beitrag: Evolution der Menschlichkeit?

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Evolution des Sozialverhaltens? 2018-8

© 2018 Bodo Fiebig

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