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Bereich: kontroverse Diskussion

Thema: Die Revolution und ihre Kinder

Beitrag : Feindbild Familie (Bodo Fiebig 2017- 9)

So unterschiedlich die in den vergangenen Jahrhunderten und bis heute vorherrschenden Ideologien auf den ersten Blick auch aussehen mögen, so haben sie doch viele Gemeinsamkeiten. Einen dieser ideologieübergreifenden Aspekte will ich hier ansprechen: Ein gemeinsames Bestreben aller drei in den vorausgehenden Beiträgen genannten Gesellschaftsmodelle (Liberalismus, Kommunismus und Nationalismus) war es, die Familie als tragende Grundlage der Gesellschaft auszuhebeln und, so weit möglich, in die Bedeutungslosigkeit abzudrängen, wenn nicht gar, sie zu zerstören. Und man führte gewichtige Gründe an, warum das so sein müsste: Da gab und gibt es doch immer wieder tragische Fälle von Misshandlungen und Missbrauch von Kindern in Familien, davor muss man doch die Kinder schützen und das geht nur, indem man die Erziehungsrechte aller(!) Eltern beschneidet. Immer mussten Einzelfälle von Erziehungsunfähigkeit mancher Eltern dafür herhalten, um Maßnahmen gegen die Familie insgesamt zu begründen.

Dass Misshandlung und Missbrauch auch in öffentlichen Einrichtungen (siehe z. B. die Erziehungsheime in der ehemaligen DDR, oder die „Odenwaldschule“ als pädagogisches Vorzeigeprojekt im Wesen) vorkommen, das verschweigt man lieber. Lediglich, wenn so etwas in kirchlichen Einrichtungen geschieht, wird es öffentlich wahrgenommen und verurteilt). Freilich gibt es auch Situationen, in denen die öffentliche Jugendhilfe eingreifen muss, um Kinder in sehr schwierigen Familien-Verhältnissen in Schutz zu nehmen, aber diese Einzelfälle taugen nicht zur Rechtfertigung von ideologisch begründeten Versuchen, die Familie als relevante Grundlage der Gesellschaft möglichst an den Rand zu drängen. In der folgenden, sehr vereinfachten Zusammenschau werden die entsprechenden Motive bewusst etwas zugespitzt.

Die Liberalisten (freilich nicht nur die) mit ihrer verabsolutiert liberalistischen Ideologie (nicht die echten Liberalen, bei denen wirklich das Recht und die Freiheit der Menschen im Vordergrund steht) wollten die Menschheit unter anderem befreien von den angeblichen „Zwängen” überholter Moralvorstellungen. Deshalb war und ist ihnen die Ehe als dauerhafte, auf Vertrauen und Treue beruhende Verbindung von Mann und Frau ein Dorn im Auge. „Befreiung der Sexualität“ war und ist ihr Motto und das heißt für sie: Auflösung aller gegenseitigen Verbindlichkeiten und Verpflichtungen und Sex als reine Spaß- und Lustveranstaltung auf Zeit: kreuz und quer und jeder mit jedem. Und wenn es schon überhaupt so etwas wie eine „Ehe“ geben soll, dann aber für alle, auch für „Schwule“, „Lesben“ usw. Und das nicht, um solche Verbindungen aufzuwerten (das könnte man ja noch gelten lassen), sondern um die Ehe als Grundlage der Familie und der Gesellschaft abzuwerten.

Kinder sind in einer „befreiten“ Gesellschaft ohnehin nur störend: Sie brauchen Zuwendung und Zeit. Außerdem werden während der Schwangerschaft und vor allem bei der Betreuung kleiner Kinder deren Mütter der Wirtschaft und dem Arbeitsmarkt entzogen. Allerdings: für eine gewinnbringende Produktion und Wertschöpfung für die Märkte der Zukunft braucht man langfristig auch die entsprechend nachwachsenden „Human-Ressourcen”. Aber, alles kein Problem, man kann den fehlenden Nachwuchs ja aus Ländern importieren, wo die Menschen noch nicht so fortschrittlich sind und aus lauter Unwissenheit noch Kinder kriegen und großziehen: Zuwanderung gut ausgebildeter Arbeitskräfte ist immer noch die billigste Lösung des Demographieproblems.

Die Kommunisten mit ihrer realitätsfernen sozialistischen Heilsideologie (nicht die wirklich sozial Eingestellten, die um der Menschen willen eine gerechtere Wirtschaft und Gesellschaft anstreben) sehen in der Familie die Brutstätte allen Unheils, einen sozialen Entzündungsherd, von dem immer wieder gesellschaftsschädigende Krankheitskeime ausgehen, die den „Fortschritt” schwächen und zur Stabilisierung eines alten, überholten und schädlichen Gesellschaftsmodells beitragen. Ja, gut, man braucht Kinder, damit die Gesellschaft nicht ausstirbt, und dazu braucht man Männer, die Kinder zeugen und Frauen, die sie austragen und gebären. Aber dann muss man den Nachwuchs sofort in die Obhut des Staates nehmen, damit die Eltern gar nicht erst in die Gefahr kommen, emotionale Beziehungen zu ihren Kindern zu entwickeln und die Kinder von Anfang an den unkontrollierbaren und gefährlichen Einflüssen der Erziehung in einer Familie entzogen sind. Nur in öffentlichen Erziehungseinrichtungen könnten sie von der Geburt an von staatlich angestellten (und indoktrinierten) Profis im „fortschrittlichen” Geist entsprechend der einzig richtigen Ideologie gleichgeschaltet und ausgerichtet werden. Und nur so wäre auf Dauer das selbstgemachte Paradies zu bevölkern.

Die Nationalisten mit ihrer egomanischen Selbstüberhöhungs-Ideologie (nicht diejenigen, denen ihre Einbindung in eine bestimmte Volks- und Kulturgemeinschaft einen wichtigen Bestandteil ihrer Identität bedeutet und denen gleichzeitig andere ethnische Identitäten eine wertvolle und willkommene Ergänzung sind) standen, als sie (z. B. in Deutschland) an die Macht kamen, vor einem doppelten Problem: Erstens bestand das konkrete Volk, das sie beherrschten, aus einer ziemlich durchwachsenen Mischung von (ihrer Meinung nach) rassisch höchst fragwürdigen Individuen und zweitens würden diese, wenn man ihnen freie Partnerwahl ließe, niemals jene „rassische Aufzüchtung” zustande bringen, die notwendig wäre, die gesteckten Ziele zu erreichen. Also entwarfen sie ein Zuchtprogramm, das einem Verein ehrgeiziger Kaninchenzüchter wohl gut angestanden hätte: In den Einrichtungen des „Lebensborn” sollten rassisch hochwertige Arier (die sich möglichst auch schon im Krieg als Helden bewährt hatten) mit rassisch ebenso einwandfreien Frauen (die natürlich auch eine nationalistische Gesinnung mitbringen müssten, um keine sentimentalen Beziehungen zu den „dem Führer geschenkten” Kindern und deren Väter zu entwickeln) möglichst viele Kinder zeugen, die dann in den Kinderkrippen, Jugendheimen und Ordensburgen des Systems zu den wahren und edlen „Lichtgestalten” erzogen würden, welche die Weltherrschaft erobern und die Sklavenvölker mit dem Zwang zu sinnvoller Arbeit beglücken könnten.

Allen drei ideologischen Systemen war völlig klar: Die neue, bessere Welt, die sie sich erträumen, könnte nur mit neuen, besseren Menschen in einer neuen, besseren Gesellschaft aufgebaut werden. Und die entsteht nicht von allein, sondern die muss gegen den Widerstand von Menschen durchgesetzt werden, die noch solchen alten und und überholten und das Menschheitsglück gefährdenden Vorstellungen anhingen: Mutter und Vater, die in Liebe und Treue einen Raum der Geborgenheit und der Entfaltung bilden, in dem Kinder zu freien, eigenverantwortlichen und doch auch gemeinschaftsfähigen Menschen heranwachsen können, die nicht ideologischen Prinzipen, sondern den von Gott gegebenen ethischen Maßstäben verpflichtet sind. Und sie hatten recht: Die Erziehung in der Familie ist das gottgewollte und menschenwürdige Gegenmodell zur Indoktrination durch eine selbstgerechte und alles vereinnahmende Ideologie. Wenn diesem Familienmodell, das auf dem Menschenbild der Bibel aufbaut, die sozialen, rechtlichen und materiellen Grundlagen entzogen werden, dann ist der Weg frei für die Vereinnahmung und Ausrichtung aller gesellschaftlichen Bereiche durch die jeweils beherrschende Ideologie.

In den Jahrzehnten seit der 86er „Revolution“ ist die Zerstörung der Familie in der Bundesrepublik Deutschland, in Europa, ja weltweit in vielen Schritten vorangegangen, an die wir uns unterdessen so gewöhnt haben, dass sie uns schon ganz „normal“ erscheinen: Das Scheidungsrecht wurde vom Schuldprinzip auf das Zerrüttungsprinzip umgestellt (und damit der Schutz der Familie und des schwächeren Partners weitgehend aufgehoben). Die Abtreibung wurde legalisiert (mit dem feinen Trick, dass man sie zwar weiterhin für illegal erklärte, aber doch nach einer Beratung in den ersten 12 Wochen freigab), das Rentenrecht wurde in mehreren Stufen so geändert, dass eine Frau, die bereit ist, ihren Beruf zurückzustellen, um ihre Kinder selbst zu erziehen, kaum noch auf eine auskömmliche Rente kommen kann. Die Schulen wurde weitgehend auf Ganztagsschulen umgestellt, um der Erziehung durch die Eltern und in der Familie möglichst wenig Raum zu geben, der (gesellschaftliche wie finanzielle) Druck auf die Eltern, ihre Kinder schon in sehr frühem Alter in die Kinderkrippe bzw. Kindertagesstätte zu geben (weil ein Elterneinkommen nicht mehr ausreicht), wird immer größer.

Auch das Rentensystem wurde, trotz einiger „familienfreundlicher“ Korrekturen, insgesamt und vom Grundsatz her familienfeindlicher. Hier nur ein Beispiel: Kinderlose ältere Menschen werden, wenn sie pflegebedürftig werden und kein eigenes Vermögen mehr haben, auf Kosten der Allgemeinheit versorgt. Eltern hingegen, die schon viele Belastungen auf sich nehmen mussten, um ihre Kinder zu versorgen, müssen im Alter erleben, dass für sie die Allgemeinheit nichts übrig hat, und das statt dessen für ihre Pflege (die Pflegeversicherung deckt ja nur einen Teil der Kosten) ihre Kinder oft bis über die Grenze belastet werden. Das Erstaunliche in unserer gegenwärtigen Gesellschaft ist, dass es immer noch eine große Anzahl von Menschen gibt, die bereit sind, alle diese Nachteile in Kauf zu nehmen und trotzdem eine Familie zu bilden, in denen Kinder geborgen und geliebt aufwachsen können.

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Weiterlesen im Beitrag 6: Das Drama der Revolutionen

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Bodo Fiebig Feindbild Familie - Version 2018-8

© 2018, herausgegeben im Selbstverlag, alle Rechte sind beim Verfasser.

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