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Thema: Konfliktherd Heiliges Land?

Beitrag 6: Jerusalem – Zentrum der Heilsgeschichte (Bodo Fiebig 2018- 8)

Wo ist eigentlich Gott in diesem Geschehen (siehe die Beiträge 1 bis 6)? Überlässt er das „Kampffeld“ (das ja auch das Land ist, das er selbst sich erwählt hat) der blindwütigen Gier nach Macht und Reichtum? Nein, ganz gewiss nicht. Er ist es, der in all dieser Widersprüchlichkeit und selbst noch im Zusammenprall widergöttlicher Mächte unbeirrt seinen Plan ausführt und seine Verheißungen verwirklicht. Und er benutzt dazu sogar auch die oft absurden Machtspiele der „Gobal Player“ (so nennen sie sich ja selbst) im „Spiel“ um Öl und Weltherrschaft, um seine Ziele zu erreichen.

Die Strategen des globalen Kampfes haben, ohne es zu ahnen, die Bühne bereitet, auf der Gott den nächsten Akt seiner globalen Strategie vor den Augen der Welt verwirklichen will. Er hat erstens, wie er es verheißen hat, das jüdische Volk, das zwei Jahrtausende in der Zerstreuung unter den Völkern der Welt lebte, wieder in seinem Land gesammelt. Das geschah und geschieht vor aller Augen, jeder kann es sehen, aber die meisten können - oder wollen - es nicht als Handeln Gottes erkennen. Und er will zweitens dieses Land und speziell die Stadt Jerusalem zum besonderen Zeichen und Ort seiner Gegenwart auf dieser Erde machen. Es ist ja kein Zufall, dass diese Stadt, die jahrhundertelang vernachlässigt und vergessen dalag, nun plötzlich im Zentrum des Weltinteresses steht. Gott selbst will dort das geistliche Zentrum des kommenden messianischen Reiches errichten.

Wenn man heute Menschen aus verschiedensten Ländern und Kontinenten fragen würde: „Wo wäre es Ihrer Meinung nach heute am schwierigsten, Versöhnung und Frieden zu stiften?“, so würden wohl die allermeisten mit dem Finger auf dieses Land Israel/Palästina zeigen und sagen: "Dort. Überall wäre es einfacher, trotz vielfältiger Spannungen, aber dort, in Israel, und noch viel mehr in Jerusalem, da wäre es am unmöglichsten." Das ist richtig. Aber genau da will Gott, entsprechend seiner Verheißung, das Zentrum seiner Friedensarbeit errichten. Dort will er nicht nur Frieden schaffen, sondern von dort soll Frieden ausgehen in alle Völker. Von dort aus will er die ganze Menschheit zu der einen Friedensgemeinschaft sammeln, für die er sie geschaffen hat, zu dem einen Volk seiner Herrschaft im Friedensreich des Messias.

Jes 2, 2-4: Es wird zur letzten Zeit der Berg, da des HERRN Haus ist, fest stehen, (...) und alle Heiden werden herzulaufen, und viele Völker werden hingehen und sagen: Kommt, lasst uns auf den Berg des HERRN gehen, zum Hause des Gottes Jakobs, dass er uns lehre seine Wege und wir wandeln auf seinen Steigen! Denn von Zion wird Weisung (Thora) ausgehen und des HERRN Wort von Jerusalem. Und er wird richten unter den Heiden und zurechtweisen viele Völker. Da werden sie ihre Schwerter zu Pflugscharen und ihre Spieße zu Sicheln machen. Denn es wird kein Volk wider das andere das Schwert erheben, und sie werden hinfort nicht mehr lernen, Krieg zu führen.

Durch das jüdische Volk im verheißenen Land will Gott die Thora des Friedens, die Wegweisung in eine Friedenszeit für alle Völker verkünden lassen (trotz aller menschlichen Fehler und Schwächen, die das immer wieder in Frage stellen), auch wenn gegenwärtig nichts unmöglicher scheint als dies. Dazu (und vorbereitend dafür) will der Gott Abrahams, Isaaks und Jakobs in diesem Land und besonders in der Stadt Jerusalem in unserer Gegenwart etwas wieder herstellen, was vor zwei Jahrtausenden durch die Schuld (nein, nicht die Schuld böser Mächte, sondern durch die Schuld seiner erwählten Heiligen!) zerbrochen ist. Dazu sind einige erklärende Sätze nötig:

Durch sein Leiden und Sterben, durch seine Auferstehung und Himmelfahrt hatte Jesus, der von Gott selbst eingesetzte Messias Israels und Licht der Heidenvölker (vgl. Lk 2, 30-32), alle Voraussetzungen dafür geschaffen, dass aus der Gemeinschaft seiner Jünger und Jüngerinnen jene Liebeseinheit aus messiasgläubigen Juden und christusgläubigen Heiden werden konnte, die zum Modell und Vor-Bild der Liebeseinheit der ganzen vollendeten Schöpfung bestimmt war (Jo 13, 34-35): Ein neues Gebot gebe ich euch, dass ihr euch untereinander liebt, wie ich euch geliebt habe, damit auch ihr einander lieb habt. Daran wird jedermann erkennen, dass ihr meine Jünger seid, wenn ihr Liebe untereinander habt. Aber eben diese Einheit ist durch die Lieblosigkeit und Unversöhnlichkeit innerhalb der Jesusjüngerschaft aus Juden und Heiden schon nach relativ kurzer Zeit zerbrochen, wobei die sich mächtig ausbreitende heidenchristliche Kirche bald die jüdisch-messianische Minderheit verdrängte und sich zum alleinigen Erben der Verheißung erklärte. Dann gab es ca. 17 Jahrhunderte lang kein kirchenunabhängiges messianisches Judentum mehr. Der eine Teil der von Christus selbst gewollten Einheit schien endgültig ausgelöscht.

Gott wollte und will in der Jüngergemeinschaft aus Juden und Heiden eine modellhafte Vor-Verwirklichung seiner Friedensverheißung schaffen, sodass an ihr die Menschen aller Völker und Kulturen erkennen können, was Gott mit der ganzen Menschheit vorhat (Jo 17, 20-21): Ich bitte aber nicht allein für sie (die ersten Jünger als messiasgläubige Juden), sondern auch für die, die durch ihr Wort an mich glauben werden (die Jesus-Gläubigen aus den Heidenvölkern), damit sie alle eins seien. Wie du, Vater, in mir bist und ich in dir, so sollen auch sie in uns sein, damit die Welt glaube, dass du mich gesandt hast. Diese innige Gemeinschaft und Einheit der Gemeinde mit Jesus und dem Vater war zerbrochen.

Um diese Einheit wieder herzustellen, hat Gott selbst, seit Anfang des 20. Jahrhunderts, wieder erste Ansätze eines messianischen Judentums geschaffen. Jetzt, zu Beginn des 21. Jahrhunderts ist es eine zwar zahlenmäßig kleine, aber heilsgeschichtlich bedeutsame Realität in Israel und weltweit. Das ist ein Heilszeichen unserer Zeit, ein winzig kleines, angefochtenes und gefährdetes, aber doch echtes und anschaubares Modell des kommenden alles umfassenden Schalom im Friedensreich des Messias: Es gibt wieder beide Teile der Jesusjüngerschaft aus Juden und Heiden wie am Anfang in der Jerusalemer Urgemeinde.

Diese Wiederherstellung geschah gleichzeitig mit der Sammlung der Juden in ihrem verheißenen Land und gleichzeitig mit einer neuen Geistausgießung über der Jesusjüngerschaft in Form einer weltweiten charismatischen Bewegung innerhalb und außerhalb der großen christlichen Kirchen, die auch die messianischen Gemeinden mit einschließt. Was noch fehlt, ist die von Jesus erbetene Liebeseinheit der Jesus-Gemeinde aus Juden und Heiden. Und auch die will Gott jetzt modellhaft klein, aber doch echt und gültig wiederherstellen. Und dies tut er jetzt, in unserer Gegenwart genau da, wo es am unmöglichsten scheint, mitten im Zentrum der Auseinandersetzungen um Welt-Macht und Öl-Reichtum, mitten im Auge des Zyklons aus Feindschaft, Hass und Gewalt: in Israel, in Jerusalem.

Der „Baustoff“ für dieses „Modell“ sind die messianischen Juden und die palästinensischen Christen in Israel und den Palästinensergebieten. Beide haben bei aller Verschiedenheit vieles gemeinsam: Beide gehören zur Jesus-Jüngerschaft. Beide sind in ihrer sozialen und religiösen Umgebung stark angefochten. Die messianischen Juden werden von der jüdischen Mehrheit nicht als vollgültige Juden anerkannt. Sie begegnen Misstrauen und Ablehnung, weil man befürchtet, sie strebten eine Art christliche „Unterwanderung“ des Judentums an1. Die palästinensischen Christen sind in ihrer islamischen Umgebung noch mehr bedrängt und gefährdet. Man verdächtigt sie der Kollaboration mit dem verhassten Judenstaat und erwartet von ihnen eine um so deutlichere Abgrenzung von allem Jüdischen. Trotz dieser spannungsgeladenen Existenz bilden gerade diese beiden kleinen und hoch gefährdeten Gruppen eine neuzeitliche Entsprechung zur Urchristenheit der ersten Jahrhunderte im Heiligen Land. Auch die bestand ja aus jesusgläubigen Juden und Nichtjuden und auch sie war eine bedrängte und gefährdete Minderheit.

Das war für uns die überraschendste und faszinierendste Entdeckung bei unseren Aufenthalten in Israel und den Palästinensergebieten, dass es da zwischen messianisch-jüdischen Israelis und christlich-arabischen Palästinensern eine Bewegung zueinander gibt, und dass es Personen und Gruppen gibt, die Versöhnung und Einheit zwischen diesen beiden Gruppen (und zwischen den Jesusjüngern aller theologischen Richtungen, ja sogar zwischen dem ersterwählten und hinzuberufenen Bundesvolk Gottes, den Juden und Christen insgesamt) als ihre Aufgabe, als die gegenwärtige Herausforderung ihres Glaubens und Lebens ansehen. Das alles geschieht ganz klein und von außen kaum wahrnehmbar, aber es war immer die „Strategie“ Gottes, mit einzelnen Menschen oder wenigen das zu beginnen, was er als Ziel für alle vorgesehen hat.

Gott lässt den Dingen auf dieser Erde nicht einfach ihren Lauf. Ganz im Verborgenen ist er dabei, die ursprüngliche Einheit der Jesusjüngerschaft aus Juden und Heiden wiederherzustellen. Damit will er die Voraussetzung schaffen, dass nach und nach, Schritt für Schritt, das ganze Gottesvolk aus Juden und Christen in Liebe vereint werden kann. Und auch dies nicht als Spielerei ohne weitergehende Bedeutung, sondern als Voraussetzung dafür, dass die ganze Menschheitsfamilie (die ja auch aus Juden und Heiden besteht) wenigstens in ersten Ansätzen zu der Liebeseinheit und Friedensgemeinschaft werden kann, zu der sie eigentlich geschaffen wurde, und dass so (vielleicht schon bald) die Vollendung der Schöpfung im Königreich des Messias beginnen kann.

In diese Vorgänge, die er selbst voranbringt, will Gott alle Völker der Region mit einbeziehen und sie dadurch am Segen seines Handelns teilhaben lassen (Jes 19, 23-25): Zu der Zeit wird eine Straße sein von Ägypten nach Assyrien, dass die Assyrer nach Ägypten und die Ägypter nach Assyrien kommen und die Ägypter samt den Assyrern Gott dienen. Zu der Zeit wird Israel der Dritte sein mit den Ägyptern und Assyrern, ein Segen mitten auf Erden; denn der HERR Zebaoth wird sie segnen und sprechen: Gesegnet bist du, Ägypten, mein Volk, und du, Assur, meiner Hände Werk, und du, Israel, mein Erbe!

Der Konfliktherd Heiliges Land, mit dem Glutzentrum Jerusalem im krisengeschüttelten Nahen Osten, das ist die Weltgegend, in der Gott selbst in unserer Zeit die Voraussetzungen schafft, dass das verheißene Friedensreich seines Messias näher kommen und Gestalt annehmen kann

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Jerusalem - Zentrum der Heilsgeschichte

© 2014 Bodo Fiebig

Herausgegeben im Selbstverlag, alle Rechte sind beim Verfasser.

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